Bundespolizei-Bilanz: Hoffen auf das Trainingszentrum

Anti-Terror-Einsatz zum Jahresende: Bayreuther Bundespolizisten bei der Fahndung in Kehl. Foto: Bundespolizei

BAYREUTH. Es war das komplette Programm im gerade zu Ende gegangenen Jahr: Einsatz bei Fußballspielen, an der Grenze zu Österreich – aber auch bei den Demonstrationen im Hambacher Forst oder wegen des Attentats auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt waren die Bundespolizisten aus Bayreuth im Einsatz. Mit weiterhin hoher Überstundenbelastung. Und mit einer Hoffnung für das neue Jahr: Dass das Trainingszentrum, das andere Dienststellen bereits haben, auch in Bayreuth gebaut wird. Eine Bilanz.





Zum Schluss des Jahres hat sich die Lage noch einmal zugespitzt: Unmittelbar nach dem Terror-Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt am 11. Dezember seien „die Kräfte alarmiert worden“, sagt Veit Diettrich, der Pressesprecher der Bayreuther Bundespolizei, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Binnen kürzester Zeit“, sei die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit plus (BFE+), eine von fünf Einheiten, die es bei der Bundespolizei gibt, nach Offenburg verlegt und anschließend unter anderem in Kehl eingesetzt worden, um die Kräfte vor Ort bei der Fahndung nach dem Attentäter zu unterstützen. Bayreuther Bundespolizisten waren an drei Grenzübergängen im Saarland im Einsatz. „Es gab bei dem Einsatz auch immer wieder Hinweise, bei denen man dachte, es könnte sich um den Attentäter handeln“, sagt Diettrich.



Bayreuther Bundespolizisten waren im Hambacher Forst eingesetzt. Foto: Bundespolizei

Große Herausforderungen

Ein Einsatz von vielen, die die Bundespolizisten aus Bayreuth vor „große Herausforderungen gestellt“ habe, wie Diettrich Bilanz zieht. „An fast jedem Wochenende waren die Beamten aufgrund von Fußballspielen oder Veranstaltungen in ganz Deutschland im Einsatz. Stark beansprucht werden die Bayreuther Bereitschaftspolizisten genauso im grenzpolizeilichen Aufgabenbereich.“ Unterm Strich bedeute die große Zahl an Einsätzen auch eine große Zahl an Überstunden: „Es sind nicht mehr so viele wie vor einigen Jahren“, sagt Diettrich auf Nachfrage. Aber im Schnitt kommt jeder auf rund 100 Überstunden. Die einen mehr, die anderen weniger.“ Das liege daran, dass im Vergleich zu den Vorjahren weniger Kräfte die gleiche Arbeit zu schultern hätten. „Wir haben einige Abgänge zu Polizeischulen oder anderen Dienststellen zu verzeichnen. Und es kommt noch nicht die Zahl an Neuzugängen an.“



Längere Einsätze als geplant

Einige Einsätze abseits des für die Bundespolizisten normalen Dienstes zogen sich auch deutlich länger hin als geplant. Ein Beispiel dafür sei die Unterstützung im Hambacher Forst im September gewesen. „Die Kollegen aus Nordrhein-Westfalen hatten um Unterstützung gebeten bei der Räumung“, sagt Diettrich. Auf dem Weg zu diesem Einsatz hätten die Bundespolizisten noch ein Fußballspiel in Schweinfurt sichern müssen. „Der Einsatz war eigentlich von Donnerstag bis zum darauffolgenden Wochenende geplant. Es wurde eine Woche daraus.“ Die Beamten seien „gut mit dem gegenüber zurechtgekommen“, sagt Diettrich. Die Demonstranten, die für den Erhalt des Hambacher Forstes über Wochen den Wald besetzt hielten, hätten „mit den Einsatzkräften gut kooperiert und höchstens passiven Widerstand geleistet“. Die Bayreuther Beamten hätten auch den Auftrag gehabt, die in Erddepots versteckten Fäkalienbeutel zu suchen, mit denen die Demonstranten die Polizei beworfen haben, um eine Räumung der Baumhäuser zu verhindern. Den tragischen Todesfall, als ein Journalist aus großer Höhe abgestürzt war, hätten die Bayreuther Beamten nicht mitbekommen. Da sei ihr Einsatz schon beendet gewesen.



Bei 38 Großveranstaltungen und Demos

38 Großveranstaltungen und Demonstrationen begleiteten Bundespolizisten aus Bayreuth über das normale Tagesgeschäft hinaus – als Unterstützung der jeweiligen Bundespolizei vor Ort: Zum Beispiel in Berlin, Köln, Hamburg, München, Stuttgart, Augsburg und Leipzig, listet Diettrich auf. Schwerpunkt dabei sei „der bahnpolizeiliche Aufgabenbereich“ gewesen. Da häufig Bahnhöfe Ausgangs- und Endpunkt von Versammlungen sind, wo „besondere Schutzmaßnahmen notwendig waren“. Bei „Großlagen“, wie Diettrich es nennt, unterstützte die Bundespolizei auch die jeweilige Landespolizei. Beispielsweise bei drei Versammlungen in Chemnitz als Unterstützung für die sächsische Polizei.



58 Fußballspiele von der Regionalliga bis zur Champions-League

Doch es sind nicht nur Demonstrationen, der nach wie vor andauernde Grenzeinsatz an der Grenze zu Österreich, und – in diesem Jahr 58 – Fußballspiele von der Regionalliga bis zur Champions League, sondern auch andere Großveranstaltungen wie das Münchner Oktoberfest oder das Volksfest in Cannstadt, wo die Bundespolizisten für Sicherheit sorgen sollen. Eingesetzt waren sie auch, wie Diettrich mitteilt, beim Staatsbesuch des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan im September.




Sanierung bleibt ein Mehrjahresprojekt

Die Bayreuther Bundespolizei, die im vergangenen Jahr 60-jähriges Bestehen gefeiert hat, durchläuft gerade einen aufwendigen Sanierungsprozess, der 2015 gestartet ist und damals mit einer Summe von 28 Millionen Euro veranschlagt war. Die ersten Schritte sind abgehakt, im Jahr 2018 konnte auch die neue Heizzentrale ans Netz gehen. Derzeit laufen in dem Mehrjahres-Projekt, dessen Ende noch lange nicht in Sicht ist, die abschließenden Planungen für die Sanierung der Sporthalle, an die ein Trainingszentrum für die Bundespolizisten angeschlossen werden soll. „Ein Einsatztrainingszentrum wie es andere Bundespolizei-Standorte bereits haben“, sagt Diettrich. „Momentan trainieren wir noch in Lehrsälen, in denen Matten ausgelegt sind.“ Ein Einsatztrainingszentrum, wie es beispielsweise auch die Bayreuther Polizei vor wenigen Jahren in Betrieb genommen hat, erlaube allerdings moderne Trainingsmethoden und vor allem „tagszeitunabhängiges Nachttraining, den Einsatz von Nebel“ und die Simulation vieler anderer Situationen, mit denen die Polizisten klarkommen müssen. Der Bau werde „hoffentlich 2019 losgehen“, sagt Diettrich.







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