20. Februar 2019 - 13:12

Apfel oder Fenster? Bayreuther GCE-Schüler testen Tablet-Systeme

Apfel oder Android? Das werden sie und ihre Mitschüler ab dem 15. Februar herausfinden am GCE: Anna Seidel mit Android-Tablet und Fabian Teufel mit iPad. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Das Gymnasium Christian-Ernestinum (GCE) testet die Zukunft: Allerdings nicht komplett, sondern erst einmal in zwei Klassen. Damit die Zukunft so sinnvoll wie möglich gestaltet werden kann. In zwei neunten Klassen wird ein knappes halbes Jahr lang ausprobiert, welches System unter den Tablet-Computern am besten zum Unterricht passt, ohne ihn zu dominieren.




Für viele ist es so etwas wie eine Glaubensfrage. Und auch ein bisschen Prestige-Thema: Apple oder Windows? Das iOS-System oder Android? Ein System mit Eingabestift, ohne Stift oder mit Tastatur? Fragen, die sich neben der grundsätzlichen Glaubensfrage auch am GCE stellen, aber auf andere Weise.

Der Direktor Franz Eisentraut und Heiko Weiß, der den Test betreuen wird, sagen, das GCE sei grundsätzlich schon gut aufgestellt, habe in manchen Bereichen andere Wege eingeschlagen als andere Schulen. Zum Beispiel gebe es an der Schule „einen Standard“, sagt Eisentraut. Das heißt: Jedes Klassenzimmer ist mit Beamer ausgestattet, „immer das gleiche System“, um jedem Lehrer in jedem Zimmer die gleichen Möglichkeiten geben zu können, den Unterricht zu gestalten. „Wir haben uns ganz bewusst gegen Active Boards entschieden, weil die uns zu klein und zu starr sind – nicht so flexibel wie unser System.“




Jetzt allerdings will das GCE den nächsten Schritt machen, „den entscheidenden Schritt, um die Schüler am besten einbinden zu können“, sagt Eisentraut. Es geht um „das richtige Lernwerkzeug, nicht darum, dass das Gerät den Unterricht dominiert, wie zum Beispiel in speziellen Laptop-Klassen“.

Der Einsatz der Tablets soll im besten Fall „wie ein besserer Taschenrechner“ funktionieren. Und bei dem Schritt will Eisentraut einen Fehler nicht machen: „Wir wollen nicht 600 Geräte anschaffen – und dann nach einem Vierteljahr feststellen, dass wir eigentlich nichts damit anfangen können. Deshalb sehen wir eine kurze Testphase besser an als gar keine.“

Deshalb testen jetzt zwei Klassen den Alltag mit dem Tablet – „eine Apple-Klasse, eine Windows-Klasse“, wie Eisentraut sagt. Man habe sich bewusst für zwei neunte Klassen entschieden, die im Plus-Zweig sind, die also ein Jahr mehr zum Abi gewählt haben. „Durch die Dehnung hat man hier ein bisschen mehr Zeit.“



Wo es geht, sollen die Bücher daheim bleiben können

Für den Versuch greife man zum Teil auf Geräte zurück, die bereits vorhanden seien, teilweise habe man mit Unterstützung des Elternbeirats auch neue Geräte angeschafft, um die rund 50 Schüler ausstatten zu können. „Es wird sicher auch für die Schüler spannend, wenn sie sehen, dass auch die Lehrer Lernende sind. Wir können sicher auch von den Schülern lernen“, sagt Heiko Weiß.

Es sei Ziel, „dort, wo es sinnvoll ist, die Schulbücher auf dem Tablet zu hinterlegen“. In Mathe, beispielsweise, gebe es „tolle Programme, die unter anderem an der Bayreuther Uni entwickelt worden sind, mit denen man intuitiv Geometrie machen kann“, sagt Eisentraut. Man könne aber auch im Fach Deutsch gemeinschaftlich an Texten arbeiten, was analog nur sehr schwer oder gar nicht geht.

„Man kann bei den Programmen genau sehen, welcher Schüler was geschrieben hat. Im miteinander Lernen liegt ein großer Nutzen für alle“, sagt Eisentraut. Für Schüler wie Lehrer ein deutliches Plus: Wenn die Schüler gemeinsam – aber jeder am eigenen Tablet – an einem Text arbeiten können, „entsteht ein deutlich geringerer Lautstärkepegel“ – und da alle in einem geschlossenen Netzwerk arbeiten, „bleibt auch alles im Klassenzimmer“, wie Weiß sagt.




Weiterer Vorteil: Statt ranzenweise Bücher mitschleppen zu müssen, kann es in vielen Fächern ausreichen, das Tablet dabeizuhaben. „Allerdings soll nicht auf die Weise das Heft abgeschafft werden“, sagt Weiß. „Uns geht es um die kluge Kombination des Ganzen“, sagt Eisentraut. Durch die enge Kooperation des GCE mit dem RW21 – jeder Schüler hat seinen eigenen RW21-Ausweis – hätten die Schüler auch Zugriff auf die unterschiedlichsten Recherche-Datenbanken – „abseits von Wikipedia“.

Für die Anschaffung von beispielsweise Tablets steht staatliches Geld bereit: „Bis zu 90 Prozent könnte die Förderung ausfallen“, sagt Eisentraut, die über den Digitalpakt für die Sachaufwandsträger – in dem Fall die Stadt – zur Verfügung gestellt werden. „Rückwirkend zum 1. März 2018“ seien die Anschaffungen beschlossen, es entstünde also auch kein Aufschub, sagt Eisentraut. Mit der Testphase, die am 15. Februar beginnt und über die die 
Eltern in einer Versammlung am Mittwochabend in Kenntnis gesetzt wurden, werde man „sicher sagen können, was wir brauchen“, sagt Eisentraut.

Es wird eine Antwort geben auf die Fragen: Apfel oder Fenster? Mit oder ohne Stift? Mit oder ohne Tastatur?







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