Angstgegner: Medi unterliegt Ludwigsburg

Duell der Debütanten: Eric Mika (rechts) konnte bei seinem ersten Auftritt im Medi-Trikot vor der Halbzeit überzeugen, Ludwigsburgs Marcos Knight (links) glänzte aber gleich als Topscorer. Foto: Peter Mularczyk

BASKETBALL. Das vierte Auswärtsspiel binnen elf Tagen war dann wohl doch zu viel des Guten für Medi Bayreuth. Nach den überzeugenden Auftritten mit dem Sieg in Bamberg und der Niederlage erst nach Verlängerung in München brachte die Mannschaft von Trainer Raoul Korner am Sonntag bei den Riesen Ludwigsburg nicht mehr die nötige Energie auf das Parkett. Durch das 82:100 (42:46) tauschte sie mit ihrem Gastgeber in der Bundesliga die Plätze und ist jetzt nur noch Tabellenachter.




Der Vorsprung auf den ersten Nicht-Playoffplatz beträgt zwar noch vier Punkte, der Neunte Ulm hat aber eine Partie weniger ausgetragen.

Wie schon am Mittwoch im Champions-League-Spiel bei Promitheas Patras (83:95) waren für die siebte Niederlage in den vergangenen acht Vergleichen mit Ludwigsburg das erste und das dritte Viertel ausschlaggebend. In diesen Abschnitten ließen die Bayreuther jeweils 29 Punkte des Gegners zu. Was für die Griechen Rion Brown, Nikos Gkikas und Octavius Ellis waren, verteilte sich bei den Riesen auf fünf Paar Schultern. Spielmacher Jordon Crawford (13 Punkte/9 Assists), Topscorer Lamont Jones (18/6), Kelan Martin (19), mit Adam Waleskowski (19/8 Rebounds) wieder einmal der Stretch-Vierer und allen voran der erst am Freitag verpflichtete Marcos Knight (22/9) konnten machen, was sie wollten, und steuerten 91 Zähler bei.

Nachdem die Ludwigsburger eine Woche zuvor in Bonn (62:86) ohne jegliche Physis ihre schwächste Saisonleistung abgeliefert hatten, zeigten sie sich nicht nur in der Defensive stark verbessert, sondern auch von der Dreierlinie. Hatten im Rheinland nur drei von 28 Versuchen der Mannschaft mit der zweitschwächsten Trefferquote ihr Ziel gefunden, waren es diesmal zwölf von 32. Vor allem zu Beginn tat sich dabei Waleskowski hervor, der im ersten Viertel mit neun Punkten (3/3 Dreier) maßgeblichen Anteil an der 27:18-Führung (8.) hatte. Zudem erarbeitete sich der kräftige Knight (98 kg bei einer Größe von 1,88 m) sechs Freiwürfe, die er alle verwandelte. Nach gut dreieinhalb Minuten war beim 15:4 bereits der erste zweistellige Vorsprung erreicht worden.



Das Medi-Team ließ sich von diesen Rückständen jedoch nicht beirren und verkürzte Punkt um Punkt, bis es kurz nach Beginn des zweiten Abschnitts auf 27:29 (12.) herangekommen war. Kurz zuvor hatte Riesen-Trainer John Patrick erstmals Knight für eine kurze Verschnaufpause vom Feld genommen. Nach einer Auszeit pendelte sich der Ludwigsburger Vorsprung wieder zwischen sieben und neun Zählern ein, obwohl Center Owen Klassen nach seinem frühen dritten Foul kaum noch zum Einsatz kam. Die Punkte des in dieser Phase heiß laufenden Jones beantworteten Andreas Seiferth und De’Mon Brooks am Brett.

Die bis dahin nur drei Bayreuther Ballverluste verdoppelten sich nach der Halbzeit jedoch relativ schnell, weil Ludwigsburg in der Verteidigung jetzt mehr Druck machte. Wie schon zu Beginn war es Waleskowski, der das nutzte und die Hausherren zu einem 7:0-Lauf führte, den Knight trotz einer Auszeit von Medi-Trainer Korner sogar noch ausbaute. Auch die Einwechslung von Bastian Doreth für Stockton brachte nur kurzzeitig den erhofften Erfolg. Nach Waleskowski, Knight und Jones war es jetzt Kelan Martin, der bei Ludwigsburg aufdrehte. Und als dann 35 Sekunden vor Viertelende auch noch der bis dahin nur durch seine gute Defensivarbeit gegen Kassius Robertson glänzende Christian von Fintel einen Dreier zum 75:60 versenkte, war es geschehen um die Bayreuther, die jetzt auch von der Freiwurflinie Punkte liegen ließen.

Ludwigsburg kam immer einfacher zu seinen Zählern und hatte beim 81:61 (32.) erstmals 20 Punkte Vorsprung. Der einzige Bayreuther, der sich jetzt noch entgegenstemmte, war Gregor Hrovat, der sich dadurch zum Topscorer seines Teams aufschwang. Spätestens als beim Stand von 86:74 Seiferth einen Korbleger sowie Nik Raivio aus der Halbdistanz vergaben und selbst Brooks in Brettnähe nicht mehr traf, war die endgültige Entscheidung gefallen. Wer sonst als Knight mit zwei Freiwürfen machte noch die 100 Punkte voll und stellte damit Medi-Debütant Eric Mika klar in den Schatten.




Einzelkritik

Eric Mika (6 Punkte / 15:02 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -3): Der Martin-Vertreter gab nach 6:37 Minuten sein Debüt und deutete mit guten Bewegungen, starker Wurfquote (3/4), drei Rebounds und zwei Assists gleich sein Potenzial an. Ließ aber in der zweiten Halbzeit wie das gesamte Team nach und hatte defensiv noch Probleme.

ADONIS THOMAS (14 / 27:38 / -21): Riss ab Mitte des ersten Viertels das Bayreuther Offensivspiel an sich und erarbeitete sich die Hälfte seiner Punkte an der Freiwurflinie. Schwache Quote aus dem Feld (3/10, davon 1/5 Dreier) und in der Verteidigung mit Problemen gegen das Ludwigsburger Kraftpaket Marcos Knight; vier Rebounds.

KASSIUS ROBERTSON (0 / 16:23 / -13): Konnte sich in der ersten Halbzeit zu keinem Zeitpunkt der Bewachung durch Christian von Fintel entziehen. Kurz nach der Pause kam er dann wenigstens zu zwei Würfen, vergab aber beide und wurde im letzten Viertel nicht mehr eingesetzt.

DAVID STOCKTON (13 / 23:03 / -15): Begann stark mit acht Punkten (3/4 Würfe) und zwei Assists im ersten Viertel, hatte aber in der zweiten Halbzeit Probleme mit dem zunehmenden Druck der Ludwigsburger Verteidigung. Leistete sich dann vier Ballverluste bei am Ende fünf Assists.

Bastian Doreth (0 / 16:57 / -3): Auch der Medi-Kapitän konnte Wirbelwind Jordon Crawford nur bedingt aufhalten und blieb seine Gefährlichkeit von der Dreierlinie schuldig; nur ein Wurfversuch, drei Assists, zwei Turnovers.

ANDREAS SEIFERTH (11 / 22:45 / -8): Erst als Owen Klassen wegen seines dritten Fouls von Trainer John Patrick auf die Bank geholt wurde, kam der Bayreuther Center ab Mitte des zweiten Viertels gegen den jungen Ariel Hukporti und Adam Waleskowski besser zur Geltung. Gute Trefferquote (5/7) und Reboundarbeit (6).

Steve Wachalski: Nicht eingesetzt.

Gregor Hrovat (17 / 23:37 / -5): Knüpfte nach den guten Auftritten in Bamberg und München zunächst an die schwächere Leistung in Patras an und blieb in der ersten Halbzeit ohne Zähler. Avancierte mit 14 Punkten im letzten Viertel und Saisonbestleistung dann aber noch zum Bayreuther Topscorer; 6/11 Würfe, vier Assists.

Lukas Meisner (7 / 20:35 / -4): Zeigte gewohnt viel Einsatz, traf aber nur zwei von sieben Würfen (ein Dreier und ein Dreipunktespiel).

DE’MON BROOKS (12 / 21:38 / -21): Konnte nicht ganz an seine zuletzt starken Auftritte seit dem Martin-Ausfall anknüpfen; 5/10 Würfe und fünf Offensivrebounds.

Nik Raivio (2 / 12:22 / 3): Fünf Rebounds, aber offensiv unglücklich (1/3 Würfe, darunter ein Airball). Seine beiden Fouls hätte man auch andersherum pfeifen können.




Stimmen zum Spiel

Raoul Korner (Trainer Bayreuth): „Glückwunsch an Coach Patrick und sein Team zum verdienten und deutlichen Sieg. Die Analyse kann ich kurz halten. Wir waren nicht physisch genug, und unsere Defense war ein Witz.“

John Patrick (Trainer Ludwigsburg): „Das war eine gute Reaktion nach unserer vielleicht schlechtesten Saisonleistung in Bonn letzte Woche. Wir haben mit einem sehr guten neuen Spieler sehr intensiv über 36 Minuten gespielt, wir haben im dritten Viertel sehr, sehr gut gepresst und trotz der Phasen, in denen wir inside Probleme mit De’Mon Brooks und Andy Seiferth hatten, haben wir unser bestes Spiel in dieser Saison gemacht – besonders von der Pointguard-Position aus und was die Turnovers anbelangt.“

Eric Mika (Bayreuther Neuzugang): „Ludwigsburg ist eine tolle Mannschaft. Sie waren heute einfach aggressiver als wir. In der Verteidigung haben wir nicht genug Druck gemacht und es ihnen damit einfach gemacht, den Ball gut zu bewegen. Sie trafen viele schwierige Würfe und bei denen, die sie dann daneben warfen, haben wir am Brett nicht gut genug aufgepasst. Es waren heute viele Dinge, an denen wir mit Sicherheit noch arbeiten können.“

Marcos Knight (Topscorer): „Wir haben als Team zusammengespielt mit einer großartigen Defense. Ich kenne die Liga und bin froh, zurück zu sein. Es ist aber ein langer Weg, und wir haben noch viel zu verbessern.“




Statistik

Riesen Ludwigsburg: Hukporti (1 Punkt / 3:19 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 0),CRAWFORD (13 / 28:00 / 21), Best (0 / 8:31 / 2), McCray (0 / 2:37 / -3), KLASSEN (5 / 13:58 / 13), KNIGHT (22 / 35:22 / 15), Emanga Noupoue (0 / 10:27 / 7), WALESKOWSKI (19 / 25:38 / 11), Jones ( 18 / 24:09 / 11), VON VINTEL (3 / 19:16 / 5), Martin (19 / 28:13 / 8); Feldwurfquote: 35/70 (50 Prozent), davon 12/32 Dreier (38 Prozent): Waleskowski (4/6), Martin (3/9), Crawford (2/7), Klassen (1/2), Von Fintel (1/3), Jones (1/4); Freiwürfe: 18/19 (95 Prozent); Rebounds: 24 defensiv, 11 offensiv (Knight 5/4, Waleskowski 6/2); Assists: 20 (Crawford 9, Jones 6); Ballgewinne: 7 (Knight 2, Crawford 2); Ballverluste: 5 (Klassen 2); Effektivität: 122 (Knight 29, Waleskowski 24, Crawford 21, Jones 20).

Medi Bayreuth: Feldwurfquote: 30/62 (48 Prozent), davon 8/21 Dreier (38 Prozent): Stockton (2/4), Hrovat (3/6), Meisner (1/4), Thomas (1/5); Freiwürfe: 14/19 (74 Prozent); Rebounds: 22 defensiv, 10 offensiv (Seiferth 5/1, Raivio 5/0, Brooks 0/5); Assists: 19 (Stockton 5, Hrovat 4, Doreth 3); Ballgewinne:0; Ballverluste: 10 (Stockton 4); Effektivität: 87 (Hrovat 16, Seiferth 15, Stockton 14).

SR: Barth, Madinger, Gutting;

Zuschauer: 3876.

Stationen: 15:4 (4.), 17:11 (6.), 27:18 (8.), 29:22 (1. Viertel), 29:27 (12.), 37:29 (15.), 46:38 (18.), 46:42 (Halbzeit), 55:42 (23.), 55:48 (25.), 67:53 (28.), 75:61 (3. Viertel), 86:64 (33.), 86:74 (36.), 100:82 (Ende).







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