17. Juni 2019 - 19:18

Selber schlagen: Die Weihnachtsbaumjäger in Emtmannsberg

Gleich zwei Bäume nahmen (von links): Hektor und Titus und ihre Eltern Christina Reuter und Nino Jäntsch aus dem Wald bei Emtmannsberg mit heim nach Weidenberg. Foto: Stefan Schreibelmayer

EMTMANNSBERG. Den Weihnachtsbaum im Baumarkt kaufen? Von wegen. Gut 100 Menschen haben sich am Samstag im Wald bei Emtmannsberg ihren Baum höchstpersönlich ausgesucht, abgesägt und mit nach Hause genommen.




Da kommen Gerhard Steininger und Wolfgang Schneider dann doch ins Grübeln. Wie lange es diese Aktion schon gibt? „Knapp 20 Jahre?“, mutmaßt Steiniger, der bei den Bayerischen Staatsforsten arbeitet. „Mindestens“, glaubt Schneider, der das Ganze als Vorsitzender des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins mit Steininger organisiert. Doch Walter Kremnitz weiß es besser. Denn der Ehrenvorsitzende des Vereins und seine Frau Angelika sind fast von Anfang an dabei und helfen natürlich auch dieses Jahr wieder. Kremnitz kommt auf „rund 25 Jahre“.




Ganz klein angefangen

Angefangen hat es damals ganz klein, da waren vielleicht sechs Autos da, erinnert sich Kremnitz. Doch vor allem Mund-zu-Mund-Propaganda habe das geändert. An diesem Samstagvormittag sind es jedenfalls mehr als 40 Fahrzeuge, die wie an der Perlenkette aufgereiht am Waldrand stehen. Gut 100 „Weihnachtsbaumjäger“ warten darauf, dass die Organisatoren sie zu der für dieses Jahr ausgesuchten Stelle leiten. „Seit etwa zehn Jahren ist das hier richtig groß geworden“, sagt Steininger, den vor allem freut, dass so viele Familien dabei sind. „Für die Kinder ist das ein richtiges Erlebnis.“

Und so hört man es später überall im Wald knacken, die Kinder rufen, wenn sie einen schönen Baum erspäht haben. Und schließlich ertönt das Ritschratsch der Sägen, wenn der richtige dann wirklich gefunden wurde. Es handelt sich fast ausschließlich um Fichten. Christina Reuter, Nino Jäntsch und ihre Kinder Titus (5) und Hektor (2) sind aus Weidenberg gekommen. Sie brauchen zwei Bäume – einen großen fürs Wohnzimmer und einen kleinen fürs Kinderzimmer. Den will Titus dann „ganz alleine und richtig schön schmücken“. Und das Absägen hat er auch schon drauf. Jedenfalls muss ihm seine Mutter nur ein kleines bisschen helfen.




Neulinge und alte Hasen

Während die Vier das erste Mal dabei sind, sind die Emtmannsberger Hubertus und Christine Kollotschek schon alte Hasen. „Zehn Mal waren wir bestimmt schon dabei“, erzählen sie. „Und immer haben wir einen schönen Baum gefunden.“ Aber noch wichtiger, sagt Christine Kollotschek, „ist die Aktion als solche. Das ist doch richtig romantisch, sich den Baum selber auszusuchen und mit heimzunehmen. Da steigt die Vorfreude auf Weihnachten gleich noch mal.“




Der optimale Baum

Ines Schönauer aus Bayreuth steht schon entspannt am Glühweinstand, während ihre zehnjährige Tochter noch im Wald „verschollen“ ist: „Die sucht noch den optimalen Baum.“ Mindestens 2,50 Meter groß soll er sein, schließlich hat die Wohnung daheim eine hohe Decke. Auch sie war schon mehrmals hier und erzählt, wie sie ihren Kombi einmal sogar mit sieben Insassen und zwei Bäumen vollgeladen hat.




Ein eher symbolischer Preis

Gerhard Steininger achtet derweil auf das kleine Lagerfeuer, über dem der Topf mit dem Glühwein hängt. Er freut sich sichtlich über den Eifer und die Geschichten der Leute hier. Zwischendurch kassiert er das Geld für die Bäume ab. Ein eher symbolischer Preis: die kleinen für die Kinder sind umsonst, ein mittelgroßer kostet fünf Euro, ein großer vielleicht acht oder zehn. So mancher legt noch ein paar Euro als Spende drauf. Davon werden vor allem der für die Teilnehmer kostenlose Glühwein sowie die Lebkuchen und Plätzchen bezahlt. Und beim Plausch erzählt Steininger dann noch vom einen oder anderen Vater, der dann doch noch in den Baumarkt fahren musste, weil seiner Frau daheim die Fichte aus dem Wald nicht ganz so gefallen hat: „Aber das Erlebnis nimmt ihm und seinen Kindern keiner mehr.“







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