Sanierung für Bernt-Haus? Kanzleramt gibt 1,5 Millionen Euro

Das Gebäude, im dem das Glas-Knopf-Museum Weidenberg bis Oktober untergebracht war, könnte eine Geschichtswerkstatt werden. Foto: Markus Roider

WEIDENBERG. Der Bund stellt überraschend 1,5 Millionen Euro für die Sanierung des denkmalgeschützten Bernt-Hauses in Weidenberg bereit, in dem bis Oktober 2018 das Glas-Knopf-Museum untergebracht war. Das teilte die Bayreuther Bundestagsabgeordnete Silke Launert (CSU) mit.





Die Mittel stammen aus dem Etat des Bundeskanzleramtes für den Bereich Kultur und Medien, sind im Haushalt bereits fest eingestellt. 2019 könnte die erste Fördersumme von 200.000 Euro abgerufen werden, erklärte Launert. Die weiteren Mittel würden dann in den drei Folgejahren ausgezahlt.



Beispiel für Integration

Im Rahmen einer Besichtigung wurden Launert die Besonderheiten der Werksiedlung und des Glas-Knopf-Museums vorgestellt. Die Siedlung geht auf einen Beschluss des Bayerischen Ministerrates aus 1946 zurück. Nach dem Krieg sollten die aus ihrer Heimat vertriebenen Glaswarenerzeuger aus dem Kreis Gablonz im Sudetenland zentral in Oberfranken angesiedelt werden. Weidenberg wurde so für etwa 1000 Menschen zur neuen Heimat. Ziel des aktuellen Vorhabens ist es, eine Geschichtswerkstatt zu errichten und Schülergruppen und anderen Besuchern die Geschichte des Glashandwerks und der Werksiedlung als Musterbeispiel für den Marshall-Plan und die gelungene Integration anschaulich zu vermitteln.

„Lebendiger Geschichtsunterricht für Jung und Alt – auf diese Art und Weise werden wir ein Stück bayerisches Kulturgut erhalten können“, betonte die Bayreuther Abgeordnete. Sie hoffte, dass das Projekt anderweitig unterstützt wird und sich so realisieren lässt. Aufgrund der Einzigartigkeit des Gesamtkomplexes könnte mit der Geschichtswerkstatt ein weiteres touristisches Highlight in der Region Bayreuth entstehen. Die Werkstatt des Bernt-Hauses befindet sich noch im Originalzustand der 50er Jahre, die Zukunft des Gebäudes war bislang ungewiss.



Bund zahlt 60 Prozent

Der Bund gibt laut Launert 60 Prozent Förderung, die Kofinanzierung von 40 Prozent (eine Million Euro) müssten von anderer Seite fließen. Hier kämen die Landesstiftung Bayern und die Oberfrankenstiftung in Bayreuth in Frage. Launert ging davon aus, dass die fehlende Million kommen wird. Wenn nicht, verfallen die Bundesmittel. Bürgermeister Hans Wittauer (Freie Wähler) befindet sich derzeit im Urlaub.

Verwaltungsleiter Klaus Bauer wies erneut darauf hin, dass Weidenberg eine sogenannte Konsolidierungsgemeinde ist und deshalb auf die Zahlung von freiwilligen Leistungen verzichten muss. Der Marktgemeinderat habe sich mit dem Thema noch nicht befasst. Zu klären wäre, wer künftig neuer Eigentümer des Gebäudes werden könnte und wer die laufenden Kosten trägt, erläuterte Bauer. Die Hauptfinanzierung durch den Bund bezeichnete er als „gute Lösung“.




Oberfrankenstiftung weiß Bescheid

Die Oberfrankenstiftung sei bereits über das Vorhaben informiert, erläuterte dessen Geschäftsführer Stefan Seewald. Grundsätzlich sei die Unterstützung von Museen in Oberfranken ein Förderzweck der Stiftung. Damit bestehe für das Projekt – das nach Ansicht der Gutachter der Oberfrankenstiftung eine überregionale Bedeutung hat – eine gute Aussicht auf eine Unterstützung. Für Anfang Januar sei dazu ein erster tiefergehender Austausch zur Erstellung eines Förderantrags zusammen mit den Projektverantwortlichen terminiert.

Die eigentliche Entscheidung über eine Förderung trifft dann der Stiftungsrat. Brigitte Hadlich, Vorsitzende des Vereins Werksiedlung Weidenberg, machte deutlich, dass es bei dem Vorhaben um den Erhalt des Bernt-Hauses als Geschichtswerkstatt geht. Am geplanten Umzug des inzwischen geschlossenen Museums in den nächsten Jahren nach Warmensteinach ändere sich nichts. Sie nannte es „eine tolle Sache“, dass sich der Bund hier mit 1,5 Millionen Euro engagiert. Gespräche mit der Besitzerin des denkmalgeschützten Gebäudes laufen derzeit. Hadlich hofft, dass sich auch private Sponsoren finanziell engagieren.







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