16. Oktober 2019 - 16:09

Perfide Masche: Betrug im Namen der Polizei


BAYREUTH. Es war ein besonders perfider Trick: Eine 78-jährige Bayreutherin stieg um Mitternacht des Nikolaustags in der Furtwänglerstraße in Bayreuth aus ihrem Auto. In ihrer grünen Tragetasche hatte sie Bargeld und Schmuck im Wert von 120.000 Euro, frisch von der Bank geholt. Die Tasche übergab sie einem Mann, von dem sie glaubte, er sei Kriminalbeamter. Doch die Frau wurde Opfer von organisierten Telefonbetrügern.




Seit Dienstag wurden laut Polizeipressestelle oberfrankenweit 50 Anrufe falscher Polizeibeamter bekannt – können Banken derartigen Betrug verhindern? Leider nicht in jedem Fall. Das sagen Polizeisprecher Jürgen Stadter und auch die Sprecher der Sparkasse, Kunigunda Hass und ihr Kollege von der VR Bank Bayreuth-Hof, Christian Rubner.

Haas und Rubner sagen, die Schalterangestellten seien über das Verbrechensphänomen „Telefonbetrug an Senioren“ informiert und speziell geschult, Kunden im Verdachtsfall auf mögliche Gefahren hinzuweisen. Bei den Banken liegen Informationsunterlagen der Polizei vor, die den Kunden ausgehändigt werden.

Bei der Sparkasse gab es Fälle, wo Kunden aufgrund der Warnungen der Schalterangestellten misstrauisch wurden – was auch Polizeisprecher Stadter bestätigt. Im Fall der am Nikolaustag betrogenen, alleinstehenden Frau konnte ein Bankangestellter nicht misstrauisch werden: Sie hatte ihr Geld und ihren Schmuck in einem Bankschließfach.




Doppeltes Ärgernis

Für die Polizei ist die derzeit laufende Masche ein doppeltes Ärgernis: Zum einen gibt es Betrugsopfer, zum anderen wird der gute Namen der Polizei missbraucht, um Opfer am Telefon davon zu überzeugen, einem Boten Wertsachen und Bargeld zu übergeben. Die Anrufer behaupten, sie seien Polizeibeamte aus, die das Vermögen der Menschen schützen wollen. Das ist eine Variante der alten Betrugsmasche „Enkeltrick“: Vermeintlich ruft ein Enkel oder Neffe an, spielt verzweifelt Geldnot wegen eines Unfalls oder einer ähnlichen Notlage vor und bittet um schnelle Bargeld-Unterstützung. Vermeintliche Freunde werden geschickt, um das Geld abzuholen.

Bei der Polizeivariante geben die Betrüger vor, Polizisten oder Staatsanwälte zu sein, die gerade ein Verbrechen aufklären, in der Nachbarschaft seien Einbrecher unterwegs, Geld und Wertsachen in der betroffenen Wohngegend seien in Gefahr. Oder nach der Festnahme einer Diebesbande sei eine Liste weiterer potenzieller Opfer aufgetaucht – und der Name des Angerufenen stehe drauf. Eine andere Lüge der offenbar geschulten Betrüger, die nach Erkenntnissen der Ermittler aus organisierten Callcentern heraus operieren, sei die Behauptung, das Barvermögen des Opfer sei durch Falschgeld ausgetauscht worden und die Polizei müsse das nun überprüfen.

Die Kriminalbeamtin Manuela Kollroß vom Betrugskommissariat der Bayreuther Kripo sagt: „So etwas macht die Polizei aber nicht. Polizisten fragen niemals nach Wertsachen und nehmen die schon gar nicht zur Sicherheit mit.“ Dies zu wissen, ist der zentrale Tipp der Polizei, um sich vor derartigen Betrügereien zu schützen.




Über Stunden am Telefon gehalten

Dabei werden die Opfer oft über Stunden am Telefon gehalten, so dass nicht zum Nachdenken kommen oder sich mit jemand besprechen können. Die Täter säen Misstrauen, auch gegen Banken. Dort gebe es angeblich einen kriminellen Angestellten, der Geld unterschlage. So versuchen die Täter, die Sicherheitsmechanismen der Banken auszuhebeln.

„Die meisten Opfer schämen sich“, berichtet Kollroß. „Sie haben auch oft Angst, dass noch einmal jemand vorbeikommt. Wir sprechen dann oft lange mit den Menschen, da ist man fast ein bisschen Seelsorger.“ Als vertrauensbildende Maßnahme werde oft eine uniformierte Streife mit Polizeiauto geschickt: „Da ist dann klar, dass es sich wirklich um Polizisten handelt.“ Denn selbst Dienstausweise könnten ja gefälscht sein.

Udo Skrypczak, Vizepräsident der Polizei Oberfranken, sagt: „Wir sind in unserer Arbeit auf das Vertrauen der Menschen angewiesen. Es ist extrem perfide, dass durch solche Betrügereien das Vertrauen in die Polizei missbraucht wird.“




Tipps der Polizei: So schützen Sie sich

> Lassen Sie sich von einem Anrufer, der sich als Polizeibeamter ausgibt, den vollständigen Namen, die Telefonnummer und die Dienststelle geben. Um zu überprüfen, ob diese Angabe stimmt, wählen Sie den Notruf 110. Falls die Angaben nicht stimmen, sind Sie damit schon an der richtigen Adresse.

> Rufen Sie niemals eine Rückrufnummer an, die Ihnen von den Tätern gegeben wird. Auch nicht die Nummer, die im Display angezeigt wird. Wichtig ist: Immer auflegen und selber wählen.

> Lassen Sie sich nicht von vermeintlich vertrauenserweckenden Rufnummern mit der örtlichen Vorwahl oder der 110 in die Irre führen. Die immer professioneller agierenden Betrüger nutzen möglicherweise technische Möglichkeiten, mit denen tatsächlich existierende Telefonnummern von Polizeidienststellen oder Staatsanwaltschaften im Telefondisplay angezeigt werden.







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