Nürnberger Messerstecher (38) ist ein vorbestrafter Deutscher


NÜRNBERG. Wie von Reporter24 am Freitag bereits berichtet, konnte der mutmaßliche Messerstecher gefasst werden. Die Polizei hielt sich bedeckt, musste den DNA-Abgleich aus München abwarten. Am Samstag wurde die Festnahme dann offiziell bestätigt.  


Nach Festnahme des mutmaßlichen Messerstechers: Pressekonferenz aus Nürnberg



Es waren aufregende Stunden in der Noris. Am Abend des 13. Dezember 2018 kam es im Nürnberger Stadtteil St. Johannis zu drei Angriffen auf Frauen durch einen zunächst unbekannten Messerstecher. Nach aktuellem Kenntnisstand ereignete sich der erste Vorfall gegen 19:20 Uhr. Eine 56-jährige Frau war zu Fuß im Kirchenweg in Richtung Johannisstraße unterwegs, als sie plötzlich von einem Unbekannten, der ihr entgegen kam, in den Oberkörper gestochen wurde. Anschließend flüchtete der Täter in Richtung Friedrich-Ebert-Platz. Die schwer verletzte Frau musste nach notärztlicher Erstversorgung in einem Klinikum notoperiert werden. Die Polizei leitete sofort umfangreiche Fahndungsmaßnahmen ein, ohne Erfolg. Der Täter tauchte unter.

Zweite Tat nach drei Stunden

Gegen 22:45 Uhr wurde eine zweite Frau in der Arndtstraße Opfer eines unbekannten Täters. Der Mann stach völlig unvermittelt auf die 26-Jährige ein, die sich auf dem Heimweg befand. Danach ist der Mann wieder verschwunden. Schnell wurde klar, hier stimmt was nicht. Die Öffentlichkeit wurde zu dem Zeitpunkt noch nicht informiert.



Täter schlägt ein drittes Mal zu

Unmittelbar nach der zweiten Tat schlug der Unbekannte erneut zu. Wieder im Stadtteil St. Johannis. Er attackierte eine 34-Jährige und stach auf sie ein. Sie war in der Campestraße auf dem Heimweg unterwegs. Wieder wieder gelang dem Täter die Flucht und wieder wurde die Öffentlichkeit nicht informiert oder gewarnt. Ein Vorwurf, den sich die Polizei später auf der Pressekonferenz immer wieder anhören musste.

Fahndungsmaßnahmen

Die Frauen erlitten durch die Stiche lebensgefährliche Verletzungen, die im Krankenhaus notoperiert werden mussten. Unmittelbar nach dem dritten Vorfall löste die Polizei erneut umfangreiche Fahndungsmaßnahmen aus. Dabei waren dann sowohl Diensthundeführer als auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz. Die Öffentlichkeit wurde erst in den frühen Morgenstunden informiert. In der Nacht wurden bereits erste Personen überprüft und Spuren gesichert. Auch eine Wohnung, in die ein potentieller Tatverdächtiger geflohen sein soll, wurde überprüft. Doch diese stand leer.




Foto: Eberlein

Letztlich konnte der Verdächtige im Zuge einer Streifenkontrolle festgenommen werden. Auf ihn passte weitgehend die optische Beschreibung, welche die drei Opfer abgegeben hatten. Bei seiner Kontrolle hatte der Mann ein Messer dabei, für das er keine schlüssige Erklärung abgeben konnte. Er wurde zunächst festgehalten, um in der gesetzlich gebotenen Zeit einen eventuellen Tatzusammenhang mit den Übergriffen auf die drei Frauen in Sankt Johannis abzuklären.

Für das Mitführen eines Messers und seinen Aufenthalt in Tatortnähe einen Tag nach der Tat konnte er keine schlüssige Erklärung abgeben. Zum Tatvorwurf selbst äußert sich der Mann nicht. Letztendlich ist er wegen eines Eigentumsdeliktes, das er rund zwei Stunden vor der ersten Messerattacke verübt hatte, auf Antrag der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth in Untersuchungshaft gegangen. Am Samstagabend erhärtete sich dann der dringende Tatverdacht, als das Ergebnis des DNA-Abgleichs übermittelt wurde.




Polizeieinsatz in Obdachlosenunterkunft

Am frühen Abend kam es dann aber auch in der Burgschmietstraße zu einem längeren Polizeieinsatz. Dabei soll es sich um ein Gebäude handeln, in dem auch die Stadtmission untergebracht ist. Offenbar die Unterkunft des Tatverdächtigen. Mehrere Streifen und Zivilbeamte waren hier eingebunden. In einem Hinterhof war alles abgeriegelt. Das dortige Anwesen liegt im direkten Verlauf des Fluchtweges eines mutmaßlichen Täters, wie unsere Grafik zeigt. Ob die Festnahme damit in Zusammenhang steht, will die Polizei derzeit nicht bestätigen.




Polizeieinsatz in der Burgschmietsstraße. Foto: Eberlein

Festnahme am Samstag erst bestätigt 

Ein 38-jähriger Deutscher wurde „in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth aufgrund eines erfolgten DNA-Abgleichs als dringend tatverdächtig festgenommen“, so die Polizei. Er sitzt seit Samstagnachmittag in Untersuchungshaft. Dabei soll es sich um Daniel G. aus Nürnberg handeln. Der gebürtige Berliner ist laut R24-Informationen ohne feste Wohnsitz und erheblich vorbestraft. Der in Thüringen geborene Mann war bereits inhaftiert und ist wegen Drogen und Eigentumsdelikten, aber auch wegen Brandstiftung, Beleidigung und Betrug aktenkundig. 2002 habe er eine Jugendstrafe wegen Vergewaltigung verbüßt. G. war erst einige Tage in Nürnberg, kannte die Stadt aber aus früheren Besuchen, wo es dann auch zu Straftaten kam.

Es ist der hochprofessionellen und unermüdlichen Arbeit aller Einsatzkräfte der SOKO ‚Johannis‘ zu verdanken, dass der Verdächtige bereits am zweiten Tag nach der abscheulichen Tat dingfest gemacht werden konnte und Nürnbergs Bürgerinnen und Bürger damit wieder aufatmen können. (Bayerns Innenminister Joachim Herrmann)

Herrmann dankte auch für die hervorragende Zusammenarbeit der Bürgerinnen und Bürger mit der Polizei. Der Minister verurteilte die Tat auf Schärfste und schickte den drei zum Teil lebensbedrohlich verletzten Frauen beste Genesungswünsche: „Diese unmenschliche Tat lässt keinen Zweifel an Heimtücke und Unmenschlichkeit. Ich bin überaus erleichtert, dass alle drei Opfer außer Lebensgefahr sind und wünsche für ihre Genesung weiterhin alles erdenklich Gute.“ In diesem Zusammenhang dankte Herrmann auch den eingesetzten Rettungskräften und den Ärzten in den betroffenen Kliniken, deren intensivem Einsatz das Überleben der schwerst verletzten Opfer zu verdanken ist.




Nürnberger Messerstecher: Offenbar erste Festnahme gelungen

 

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