17. Juni 2019 - 19:22

Blindenbund: Höchste Ehrung für zwei Ehrenamtliche

Ehrungen in Himmelkron beim Blindenbund für besonderen Einsatz und langjährige Mitgliedschaft (von links): Bezirksleiter Manfred Voit, Bianca Kellerer (25 Jahre), Irma Dippold (25 Jahre), Hartmut Peckmann (Ehrenmedaille), Hilde Heilmann (Ehrenmedaille), Gerd Schropp (Landesvorstand), Christina Flauder (stellvertretende Kulmbacher Landrätin) und die Integrationsbeauftragte Gudrun Brendel-Fischer. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH / HIMMELKRON. Hilde Heilmann aus Bayreuth und Hartmut Peckmann aus Weidenberg haben einen Schicksalsschlag gemeinsam. Einen, der sich erst langsam entwickelt. Erblich bedingt sind sie im Laufe ihres Lebens erblindet. Aber sie verzweifelten nicht, sondern machten es sich zur Aufgabe, anderen Betroffenen zu helfen. Dafür werden sie nun mit der Verdienstmedaille des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB) ausgezeichnet.




Die Ehrung fand am Samstag im Gasthof Opel in Himmelkron statt. Dort hat der oberfränkische Bezirk des BBSB seine Weihnachtsfeier veranstaltet und weitere Mitglieder für ihre langjährige Treue zur ehrenamtlichen Selbsthilfeorganisation geehrt. Unter anderem den ehemaligen Bezirksgruppenleiter Richard Rahmer (Hallstadt) für 50 Jahre BBSB-Mitgliedschaft, Frieda Dorsch aus Memmelsdorf für 40 Jahre sowie Irma-Lies Dippold aus Hof und Bianca Keller aus Kulmbach für jeweils 25 Jahre Mitgliedschaft. Dippold hat die Verdienstmedaille bereits früher erhalten.




Besonders aktiv im Verein

Die Verdienstmedaille für Hilde Heilmann und Hartmut Peckmann begründet Bezirksgruppenleiter Manfred Voit so: „Die beiden haben einfach sehr viel für den Verein getan und sich ehrenamtlich engagiert.“ Nicht nur als einfache Mitglieder, sondern besonders aktiv sind die Bayreutherin und der Weidenberger in der oberfränkischen Bezirksgruppe. Hilde Heilmann setzt sich vor allem für Eltern ein, deren Kinder sehbehindert oder blind sind. Dabei leistet sie entweder organisatorische Unterstützung. Welche Anträge kann ich stellen? Welche Hilfsmittel beantragen? Oder sie ist einfach eine emotionale Stütze für die betroffenen Kinder und Familien. Seit sie sechs Jahre alt ist, wusste Heilmann: Irgendwann werde ich mein Augenlicht verlieren. Über die Jahre wurde die Sehkraft immer schlechter. Heute kann sie nur noch hell und dunkel unterscheiden.




Selbstbestimmtes Leben

Aber ihr Leben führt sie doch selbstbestimmt. Zum Pressegespräch hat sie Kaffee und Kuchen bereitet. Die Abstimmung läuft per E-Mail. Einen Monitor hat sie an ihrem Computer. Aber den braucht sie nur, wenn sie Besuch hat. Sie navigiert am Rechner per Sprachausgabe. Eine spezielle Tastatur gibt ihr Texte in Blindenschrift aus.




Das Schlüsselerlebnis

All das zeigt: Das Leben geht weiter. Auch mit einer starken Sehbehinderung. Und genau das will Hilde Heilmann anderen Betroffenen vermitteln. Ihr eigenes Schlüsselerlebnis, so berichtet sie, hatte sie bei einem Seminar mit Irmgard Badura, die heute Behindertenbeauftragte des Freistaats Bayern ist. Badura war damals schon fast blind und leitete das Seminar für Betroffene ganz selbstverständlich. „Da wusste ich, an der muss ich mich orientieren.“ Auch Hilde Heilmann wollte helfen. „Einfach aus innerer Überzeugung“, wie sie sagt.




Sprechstunden für Betroffene

Hartmut Peckmann beschreibt seinen Antrieb ganz ähnlich. Er ist beim BBSB im Arbeitskreis Barrierefreiheit aktiv. Außerdem bietet er im RW21 in Bayreuth regelmäßig Sprechstunden für Betroffene an, nachdem er sich zum Blinden- und Sehbehindertenberater hat ausbilden lassen – ebenso wie Hilde Heilmann. Auch Hartmut Peckmann verliert durch eine erbliche Erkrankung nach und nach seine Sehkraft. Das wurde beim dem 54-Jährigen diagnostiziert, als er 17 und noch in der Lehre war. Der Weidenberger sagt: „Ich habe selbst erfahren, wie es ist, Hilfe zu bekommen.“ Er sei damals gut beraten worden. Und dann hat ihn der frühere Bezirksgruppenleiter des BBSB, Richard Rahmer, angesprochen, ob er sich nicht im Verband engagieren wolle. „Ich weiß, wie andere sich fühlen“, sagt Peckmann. „Da habe ich gesagt, das mache ich.“




640 Mitglieder in Oberfranken

Welche Hilfestellung die Ehrenamtlichen des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes den Betroffenen sind, das zeigen schon die nackten Zahlen. Laut Zahlen der Staatsregierung erhalten in Bayern rund 13.300 Menschen Leistungen nach dem Bayerischen Blindengesetz. Rund 7800 Menschen sind im BBSB organisiert. Der Bezirk Oberfranken zählt rund 640 Mitglieder. Kaum eine Selbsthilfegruppe hat einen so hohen Organisationsgrad unter den Betroffenen.




Dabei sieht sich der BBSB einerseits als Helfer für die Betroffenen. Andererseits aber auch als Gruppierung, die den gemeinsamen Interessen der Blinden und Sehbehinderten in der Politik Gehör verschafft. „Man kann auch nur was erreichen, wenn man seine Interessen bündelt“, sagt der Bezirksgruppenleiter Manfred Voit. Die Barrierefreiheit für Blinde sei ein großes Thema für die Sozialpolitik. Dabei denken die meisten an Hürden im öffentlichen Raum oder zu Hause. Hilde Heilmann zeigt noch einen ganz anderen Bereich auf. Sie sagt: „Gerade was die digitale Welt angeht, liegt noch einiges im Argen.“