Bayreuther Tierschützer fordern Böller-Verbote zum Jahreswechsel

Symbolbild

BAYREUTH. Gerhard Schoberth will die Reißleine ziehen. Entweder über den Stadtrat oder – falls nötig – über das Verwaltungsgericht. Der Tierschützer will erreichen, dass in Bayreuth in bestimmten Bereichen zum Jahreswechsel nicht geböllert werden darf. Überall dort, wo Tiere besonders darunter leiden. Andere Tierschützer stützen seine Forderung.




Wenn Menschen in der Nacht von Silvester auf Neujahr das Leuchten von Raketen und Feuerwerksbatterien genießen, untermalt von lauten Schlägen, ist Tieren nicht zum Feiern zumute. „Wir sammeln jedes Jahr massenhaft Hunde ein, die panisch davon rennen“, berichtet Schoberth, der bei der Tierrettung Bayreuth aktiv ist. Regelmäßig kämen Hunde ums Leben.

Umkreis von 1,5 Kilometern

Schoberth berichtet von Eseln am Lindenhof, die im vergangenen Jahr aus Angst in den Elektrozaun gerannt sind. Besonders leid tun ihm die Greifvögel, die dort in der Auffangstation aufgepäppelt werden, um sie wieder in Freiheit zu entlassen. „Nachts fängt da plötzlich im Dunkeln von allen Seiten das Knallen an“, sagt Schoberth. Die Vögel flögen dann in Netze und gegen Wände. Einige hätten sich dabei im vergangenen Jahr ernsthafte Verletzungen zugezogen.



Der Tierschützer hat einen Antrag aufgesetzt, dessen Inhalt er über eine Fraktion oder einzelne Abgeordnete irgendwie vor den Stadtrat bringen will. Rund um Tierheime, ähnliche Einrichtungen, Pferdehöfe, aber auch um historische Gebäude, die durch Feuerwerk beschädigt werden könnten, sollen weiträumige Zonen ausgewiesen werden, in denen Feuerwerk zum Jahreswechsel verboten ist. Schoberth hält einen Umkreis von 1,5 Kilometern für angemessen, da der Lärm aus dieser Distanz für Mensch und Tier erträglich sei. In seinem Antrag zählt er das Tierheim Bayreuth, den Tierpark Röhrensee, die Greifvogelstation Lindenhof, die Eremitage und den Hofgarten auf.




Feuerwerk auf dem Feld direkt vor dem Tierheim

Grundsätzlich hält Guido Zahn das für eine „gute Idee“. Der Vorsitzende des Tierschutzvereins Bayreuth, Träger des Tierheims, sagt: „Viele Tiere leiden unter dem Krach.“ Er und seine Leute vom Tierheim machten Jahr für Jahr die Erfahrung, dass zum Beispiel die Hunde im Tierheim am Neujahrsmorgen völlig verängstigt in ihren Zwingern liegen. Gerade das große, freie Feld vor dem Tierheim locke viele Menschen an, die dort in der Nacht ihr Feuerwerk zünden. „50 bis 100 Meter vom Tierheim weg“, stellt Zahn fest.

Ob es gleich eine Bannmeile von 1,5 Kilometern sein muss? „Darüber kann man sich sicher unterhalten“, sagt der Vereinsvorsitzende. „Aber das ist ein Anliegen, über das man diskutieren sollte“, sagt er.

Notfalls vor das Verwaltungsgericht

Das findet auch Jürgen Greim vom Verein Menschen für Tierrechte. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und schlägt vor, dass man keine Bannmeilen für Feuerwerke einrichten soll, sondern umgekehrt Plätze, an denen Geböllert werden darf. „Wenn man selbst Tiere hat, merkt man erst mal, was das für Auswirkungen hat“, sagt Greim. Seine Hunde bräuchten „zwei, drei Tage, bis sie wieder normal sind“. Er könne das Bedürfnis der Menschen nachvollziehen, die böllern wollen. „Aber man muss eben auch die andere Seite sehen“, sagt er.




Gerhard Schoberth ist entschlossen, seiner Idee für Feuerwerks-Bannmeilen in Bayreuth Nachdruck zu verleihen. Wenn sich im Stadtrat niemand finde, der den möglicherweise unpopulären Antrag einbringen will, dann will er das Verwaltungsgericht anrufen und eine einstweilige Anordnung erwirken. Dafür rechnet er sich Chancen aus. Es gebe Beispiele von anderen Kommunen, in das Abbrennen von Feuerwerk in bestimmten Bereichen gerichtlich verboten worden sei.

Der Tierschützer berichtet von einer Eule in der Auffangstation Lindenhof, die sich beim letzten Jahreswechsel während des Feuerwerks in Panik schwer am Schnabel verletzt habe. Er findet: „Das muss ja nicht sein, nur, weil jemand rumböllern will.“

Sind Verbotszonen in Bayreuth möglich?

Grundsätzlich hat die Stadt die Möglichkeit, Verbotszonen für Feuerwerk festzulegen. Das teilt die Pressestelle auf Anfrage mit. Aktuell gebe es aber keine Bereiche, in denen es solche Verbote gibt, sagt Stadtsprecherin Kerstin Dettlaff-Mayer. In einer Verbotsanordnung müsse der Zweck enthalten sein, der erreicht werden soll. Außerdem müsse ein Verbot auch durchgesetzt werden. „Die Stadt Bayreuth hat daher über all die Jahre von entsprechenden Festlegungen Abstand genommen“, sagt die Sprecherin.