Mann vergewaltigt Jungen (14) und kommt mit Bewährung davon

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BAYREUTH. Es war ein Strafverfahren um Schuld, Scham und Tabuthemen. Weil ein heute 29-jährigen Mann aus dem Landkreis Kulmbach eine homosexuelle Attacke auf einen 14-Jährigen gestand, kam er mit einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren davon.





Der Mann hatte Anfang des Jahres 2015 den befreundeten Jugendlichen bei sich zuhause im Landkreis Kulmbach zu Gast. Man übernachtete gemeinsam in einem Bett. Dabei soll der Ältere den Jugendlichen oral missbraucht haben. Das Opfer wachte davon auf. Das Vorgehen wertete das Amtsgericht in Kulmbach im Sommer 2018 als Vergewaltigung und verurteilte den Mann zu zwei Jahren und zwei Monaten Freiheitsstrafe. Er und sein Verteidiger Karsten Schieseck gingen in Berufung.

In dem Berufungsprozess vor dem Landgericht erklärte der Angeklagte zunächst, er wolle freigesprochen werden, weil er damals der Meinung gewesen sei, sein Freund sei wach und habe seine Handlungen als „passiver“ Sexualpartner gebilligt. Der Mann trug vor, er und der Jugendliche hätten sich zwei Jahre zuvor beim gemeinsamen Hobby kennen gelernt. Der Kontakt sei immer besser geworden, eine Freundschaft sei entstanden.




Doch – warum zeigte der Jugendliche den Angeklagten im Herbst 2016 wegen des Übergriffs an? Warum ließ der Jugendliche im Verlauf des erstinstanzlichen Prozesses peinliche Fragen eines Glaubwürdigkeitsgutachters über sich ergehen? Warum blieb der Jugendliche dabei, von dem Angeklagten ohne sein Einverständnis missbraucht worden zu sein?

Eine Belehrung zeigt Wirkung

Der Vorsitzende der Berufungskammer, Richter Werner Kahler, empfahl dem Angeklagten und seinem Verteidiger, die Verteidigungsstrategie zu überdenken – eine Bewährung in einem solchen Fall sei nur möglich, wenn ein mutmaßlicher Täter seinem Opfer eine erneute Befragung erspare. Und dass diese Befragung und die gesamte Beweisaufnahme ausführlich und schmerzlich werden könnte, daran ließ Kahler keinen Zweifel: „Wenn ich einmal bohre, dann höre ich erst auf, wenn ich in Neuseeland rausgekommen bin.“



Die Belehrung wirkte: Nach einer intensiven Beratungspause ließ der Angeklagte seinen Verteidiger erklären, damals ausgenutzt zu haben, dass der Jugendliche schlief.

Dass die Anzeige des Jugendlichen erst viel später erfolgt war, lag daran, dass trotz des sexuellen Übergriff die Freundschaft nicht beendet war. Der Übergriff war ein Tabuthema und wurde lange nicht mehr angesprochen, bis ein Streit die Freundschaft beendete.

Das Opfer erstattete Anzeige, weil der Angeklagte als Pädagoge tätig ist und als solcher Kontakt zu Jugendlichen hat. Sein Anwalt Thomas Dreesen erklärte, mit einem Eintrag im Polizeiregister könne verhindert werden, dass der Angeklagte weiter als Lehrer tätig sei. Dass der Angeklagte aber ins Gefängnis muss, das wolle sein Mandant nicht unbedingt.

Staatsanwalt Jan Köhler, Dreesen und der Verteidiger plädierten aufgrund des Geständnisses für eine Bewährungsstrafe.

Das Gericht gewährte diese „ausnahmsweise“. Als Auflage soll der Verurteilte 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit ableisten.