23. Oktober 2019 - 17:16

Joints für Kulmbach: Vier Kilo Marihuana in vier Monaten

Archivfoto

 


BAYREUTH/KULMBACH. Vier Jahre und zehn Monate Jugendstrafe verhängte das Landgericht am Freitag gegen einen 21-Jährigen. Der Mann hatte zu Prozessbeginn gestanden, in Bayreuth vier Kilo Marihuana gekauft und die Szene in Kulmbach mit dem größten Teil der Droge versorgt zu haben.




Es war eine Verkehrskontrolle im April, die ein in wenigen Monaten stark angewachsenes Rauschgiftnetzwerk aufdeckte: Der kontrollierte Autofahrer hatte 120 Gramm Marihuana bei sich, das er zuvor in einer Wohnung in einem Ort im Landkreis Kulmbach abgeholt hatte. Dort wohnt ein Handwerker, der am Freitag als Zeuge vor Gericht sagte: „Zuletzt habe ich so viel geraucht, dass ich nicht mehr sagen kann, wie gut die Qualität des Rauschgifts war.“ Der Handwerker nahm Drogen, um sich vom Berufsstress zu entspannen.

Bei den Ermittlungen der Kripo stellte sich heraus, dass der Handwerker mit einem Heranwachsenden zusammenarbeitete. Dieser 21-Jährige war seit Jahren in der Kulmbacher Drogenszene aktiv. In seiner Vorstrafenliste stehen mehrere Verurteilungen, zuletzt bekam er im November 2017 eine Jugendstrafe von zwei Jahren, die zur Verwunderung der beteiligten im aktuellen Landgerichtsprozess noch einmal zur Bewährung ausgesetzt worden war.




Dem Jugendkammervorsitzenden Michael Eckstein war das Bedauern darüber anzuhören, als er sagte: „Er hat das nicht ernst genommen.“ Unter Bewährung stehend, bekam der 21-Jährige eine Anfrage von einem damals 18-Jährigen, der nach einem Drogenlieferanten suchte.

Der 21-Jährige wiederum wandte sich an einen Bekannten in Bayreuth – und der konnte große Mengen liefern. In 14 Fällen holte der 21-Jährige Liefermengen zwischen 100 und 600 Gramm in Bayreuth ab.

Im Prozess gestand er – anders als noch im Ermittlungsverfahren – dass alles seine Deals waren: „Ich habe die Verhandlungen geführt und die Preise bestimmt.“ Damit entlastete er den 31-jährigen Handwerker etwas: Dieser sei in den meisten Fällen sein Fahrer gewesen, habe in seiner Wohnung ein Versteck bereit gestellt und habe ihm teile des Marihuana abgekauft.




Die Kripo machte dem Netzwerk im Mai ein Ende, der 21-Jährige kam ins Gefängnis, der Handwerker blieb vorerst auf freiem Fuß. Einer der Abnehmer durfte im Mai noch die Abiturprüfung schreiben, dann wurde er von der Polizei abgeholt. Jener Abnehmer, der die erste Anfrage an den Angeklagten gestellt hatte, wurde im September für den Handel mit 1,3 Kilo Rauschgift zu einer Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt.

Die vier Jahre und zehn Monate, die die Jugendkammer nun gegen seinen Lieferanten verhängte, beinhalten auch die zweijährige Vorstrafe und sind exakt das, was Staatsanwalt Daniel Götz im Plädoyer beantragt hatte. Verteidiger Ralph Pittroff beantragte dreieinhalb Jahre. Weil der Angeklagte stark drogensüchtig ist, ordnete das Gericht die von einem Psychiater zuvor empfohlene Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Das Urteil wurde rechtskräftig.