Große Durchsuchungsaktion in Kulmbach: Kripo nimmt TÜV-Mitarbeiter ins Visier

Durchsuchung im Landkreis Kulmbach. Foto: Melitta Burger

KULMBACH. Am Montagmorgen kam es in Baumgarten bei Kulmbach zu einer größeren Durchsuchungsaktion. Wie bereits am Dienstagmorgen mitgeteilt, wollte sich die Polizei zunächst nicht dazu äußern. Unsere Kollegin hat den Fall allerdings durchleuchtet. Dabei stellte sich heraus, dass es zeitgleich zu weiteren Durchsuchungen kam.




Polizei und Staatsanwaltschaft sind am Dienstag in den frühen Morgenstunden zeitgleich an insgesamt neun Orten in Bayern und Thüringen angerückt. Ziel der Durchsuchungsaktionen, die sich zum Teil über Stunden hinzogen, waren unter anderem die Niederlassungen des Tüv Süd in Kulmbach und Kronach und private Wohnhäuser von Mitarbeitern. Unter anderem in München, Kronach, Kulmbach, Bayreuth, Hof und im thüringischen Sonneberg schlugen die Ermittler zu.

Polizeieinsatz in Kulmbach



Oberstaatsanwalt Dr. Andreas Cantzler von der Hofer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität bestätigte unserer Zeitung den Einsatz und auch, dass es ein Ermittlungsverfahren gibt. Es gehe um den Verdacht auf eine Straftat im Geschäftsverkehr. „Wir ermitteln im Zusammenhang mit einer Prüforganisation.“ Um welche Prüforganisation es geht, sagte Cantzler offiziell nicht.

Er erklärte aber, dass auch Niederlassungen dieser Prüforganisation am Dienstagmorgen von der Polizei durchsucht worden seien. Die Ermittler wollten sich offenbar des Überraschungseffekts sicher sein. Bereits weit vor 7 Uhr fuhr eine ganze Kolonne von Fahrzeugen in dem kleinen Kulmbacher Stadtteil vor dem gepflegten Einfamilienhaus vor, das von einem hohen Metallzaun umgeben ist. Es ist das Haus eines Prüfingenieurs des Tüv.




Es sollte ein langer „Besuch“ werden, auch wenn einige der Fahrzeuge nach einer Weile wieder abgezogen wurden und die Polizeiinspektion in Kulmbach anfuhren. Nach 10 Uhr standen immer noch zwei VW-Busse der Polizei und zwei zivile Fahrzeuge auf dem Grundstück beziehungsweise auf der Straße. Zu sehen war auf dem Grundstück niemand. Alles spielte sich im Haus ab. Doch das große Polizeiaufgebot blieb in dem Dorf natürlich nicht unbemerkt. Sehr schnell sprach sich dann herum, dass nicht nur der Mitarbeiter des Tüv in Kulmbach, sondern auch die Prüfstelle selbst an diesem Morgen „Besuch“ von der Polizei hatte.




Foto: Melitta Burger

Behörden melden sich zu Wort

Die Ermittler hielten sich zunächst bedeckt. Kurz nach 9 Uhr gab Alexander Czech vom Bayreuther Polizeipräsidium dann doch erste Informationen heraus. Auch er sprach vom Verdacht auf Straftaten im Geschäftsverkehr. „Wir stehen aber noch ganz am Anfang unserer Ermittlungen. Es ist zu früh, um Einzelheiten zu nennen.“ Am Nachmittag äußerte sich Staatsanwalt Cantzler dann noch einmal zum aktuellen Stand der Polizeiaktion. Demnach ermittle man gleich gegen etliche Mitarbeiter des Tüv an mehreren Standorten. Wie viele Verdächtige es gibt, dazu machte Cantzler keine Aussagen. Aber gegen alle, die jetzt ins Visier der Ermittler geraten sind, bestehe der „Verdacht von Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Prüfleistungen.“



Unregelmäßigkeiten festgestellt

Dabei geht es offenbar nicht darum, dass Prüfplaketten ohne Untersuchung gegen Bares verkauft wurden. Laut Staatsanwalt seien Prüfleistungen tatsächlich erfolgt. „Zum Teil waren sie sogar richtig. Aber bei der Höhe des Entgelts gibt es Fragezeichen.“ Welche genau, ließ Cantzler offen. „Wir haben umfangreiche Dokumente sichergestellt, die jetzt erst ausgewertet werden müssen.“ Das könne Monate dauern. Vorerst spricht Cantzler bei dem angenommenen Schaden von einem Betrag im sechsstelligen Bereich. Ob es dabei bleibt, müssten jetzt die weiteren Ermittlungen zeigen.

Auch zu der Frage, ob die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass sich die jetzt in Verdacht geratenen Tüv-Mitarbeiter möglicherweise abgesprochen und gemeinschaftlich gehandelt haben, äußert sich der Staatsanwalt nicht.




Beim Kulmbacher Tüv hält man sich ebenfalls bedeckt. Wer am Dienstag bei der Prüfstelle anrief und den betreffenden Mitarbeiter sprechen wollte, erfuhr, dass dieser „im Moment“ nicht erreichbar sei. Auf die Frage, wann man den TÜV-Ingenieur wieder sprechen könne, kam die Antwort: „Das weiß ich nicht. Er ist in einer Besprechung.“

Viel sagt auch die Zentrale des Tüv Süd in München nicht. Sprecher Vincenzo Lucà bestätigte die Durchsuchungen. „Zum aktuellen Zeitpunkt können wir leider keine Angaben zum Grund dieser Maßnahme machen, aber wir kooperieren mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft vollumfänglich.“