16. Dezember 2018 - 08:51

Amokalarm nach Zettelfund: Polizeieinsatz am Gymnasium in Pegnitz

Zivilstreife vor dem Gymnasium. Foto: Markus Roider

PEGNITZ. Auf einer Mädchentoilette des Gymnasiums Pegnitz wurde am Dienstag ein Zettel gefunden, auf dem von einem Amokalarm am Donnerstag die Rede ist. Der Verfasser gab an, sich darauf zu „freuen“. Weil dieser nicht ausfindig gemacht werden konnte, rückte am Donnerstag die Polizei an. 




Es könnte ja auch klappen – so dachte vermutlich ein Schüler des Gymnasiums Pegnitz, der am Dienstag in einer Schultoilette eine Botschaft hinterlassen hatte. In einem auf der Mädchentoilette gefundenen Zettel stand „Alle Lehrer sind kacke! Ich freue mich schon auf den Amokalarm am Donnerstag in der zweiten Stunde“. Das teilte die Polizei auf Nachfrage am späten Donnerstagvormittag mit. Zusätzlich habe der Verfasser geschrieben, dass dieser Zettel im Direktorat abgegeben werden sollte. Der mutmaßliche Plan, dass die Schulleitung den Unterreicht an diesem Tage ausfallen lässt, er ging gründlich in die Hose.



Wie in solchen Fällen üblich, verständigte die Schulleitung die Polizei Pegnitz, die zusammen mit den Lehrern den ungestörten Unterrichtsverlauf am Donnerstag sicherstellte. Um Gerüchten und Halbwahrheiten vorzubeugen und übertriebene ängstliche Reaktionen zu verhindern, informierte die Schulleiterin, Frau Becker, zudem die betroffenen Eltern ausführlich über den vorliegenden Sachverhalt in Form eines Elternbriefes, der am Mittwoch ausgegeben wurde.

„Wir gehen davon aus, dass es sich bei dem Zettel um einen dummen Scherz handelt und dem Verfasser nicht bewusst ist, was damit in Gang gesetzt wird“, heißt es in dem Elternbrief, der unserer Redaktion schriftlich vorliegt. Da bei ersten Befragungen der Verfasser des Zettels nicht ausfindig gemacht werden konnte, habe die Schule die Polizei informiert. Auf Nachfrage wollte Becker keine weiteren Informationen zu dem Vorfall geben. Beunruhigt sei sie aber nicht gewesen. Schließlich habe die Polizei alles im Griff gehabt.




Eltern hatten Angst

Auch wenn Polizei und Schule von einem üblen Scherz ausgehen, die Angst war an diesem Morgen ein enger Begleiter auf dem Schulweg. Zumindest bei den Eltern. Eine Mutter (32) aus Neudorf sagte am frühen Donnerstagmorgen im R24-Gespräch, dass sie sich unsicher sei, ob sie ihre Tochter zur Schule schicken könnte. Die Angst sei auf jeden Fall vorhanden.  Natalie Grosch (23), die von dem Vorfall über die R24-Facebookseite erfahren hat, sorgte sich um ihre Nichte. „Ich weiß nicht ob man das ernst nehmen kann“, sagt die 23-Jährige. Es handle sich bei solchen Menschen um „lauter Verrückte mit Drang zur Aufmerksamkeit“.




So haben letztlich viele Eltern entschieden. Andrea H. (45) aus Trockau hat diesen Entschluss ihrer 17 Jahre alten Tochter selbst überlassen. „Mama ich geh zur Schule. Das ist doch nur ein dummer Scherz“, habe sie am Morgen gesagt. „Als Mutter hat man da ein mulmiges Gefühl“, so die 45-Jährige. Aber man könne und wolle es einem Teenager auch nicht ausreden. Gegen 9:45 Uhr habe sich Tochter Julia über WhatsApp gemeldet, dass alles in Ordnung sei.

Polizeieinsatz an der Schule

Man solle den Zettel nicht überbewerten, sagte Roman Markert, stellvertretender Leiter der Polizei Pegnitz. Man stehe im engen Kontakt mit der Schule. Seit dem Donnerstagmorgen war die Polizei vor Ort. In welchem Umfang, dazu wollte sich auch Pressesprecherin Anne Höfer vom Polizeipräsidium Oberfranken aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst nicht äußern.



Zu sehen war ein Zivilfahrzeug mit verdeckten Ermittlern. Sie observierten den Eingang der Schule und überprüften das Gelände. „Der Einsatz läuft noch“, sagte Höfer am Donnerstagvormittag im R24-Gespräch. Wie lange noch, dazu könne sie auch nichts sagen. Mit einer Stellungnahme sei erst am Mittag zu rechnen. Auch während der großen Pause, bewachten Polizisten das Schulgelände.

Zurzeit werde der Zettel laut Angaben der Polizei von entsprechend geschultem Personal hinsichtlich Schriftbild, Farbe und Formulierungen untersucht. Hinweise auf den Verfasser liegen offenbar noch nicht vor. Die Beamten haben jedoch ein Strafverfahren eingeleitet, „das nach Abschluss der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zugeleitet wird“, sagte Polizeisprecher Markert. „Sollte es gelingen, den Täter zu ermitteln, erwarten ihn polizeiliche Maßnahmen und unter Umständen zusätzlich eine erhebliche Rechnung über den Polizeieinsatz sowie selbstverständlich auch schulische Konsequenzen“.



Die Pegnitzer Polizisten lobten in diesem Zusammenhang ausdrücklich das vernünftige und besonnene Verhalten der betroffenen Eltern, die ebenso wie die Schulleitung „die Lage richtig einschätzten“.  Es ei alles andere als ein Spaß, dass dadurch Hunderten von Menschen Angst eingejagt wurde. Am Pegnitzer Gymnasium ist am Donnerstag ein Workshop zu „Schule ohne Rassismus“ geplant gewesen. Ob damit ein Zusammenhang besteht ist unklar.

Vor zwei Jahren hatte es am Pegnitzer Gymnasium schon mal einen Polizeieinsatz wegen einer Mail mit einer Bombendrohung gegeben. Eine Drohmail war bundesweit an Schulen verbreitet worden. Die Suche im Gebäude hatte aber nichts ergeben. Rund 800 Schüler und Lehrer waren damals evakuiert worden. Foto: Ralf Münch

 







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