Nach Bombenalarm in Pegnitz: Koffermann spricht über sein Schicksal

Foto: Markus Roider

PEGNITZ, LKR BAYREUTH. Es war der große Aufreger am letzten Wochenende in Pegnitz. Ein verwirrter Mann stellt zwei Koffer im Kaufland ab und verschwindet im Gebüsch. Im Anschluss wurde Bombenalarm ausgelöst, alles abgeriegelt. Sprengstoffexperten aus München rückten an. Wir haben den Koffermann aufgespürt und unter Tränen berichtet er von seiner Geschichte. 





Böse Absichten hatte der junge Mann (29) aus Rumänien nicht im Kopf, das versicherte er am Dienstag im Gespräch mit der Hilfsorganisation „Reporter24 – hilft“. Die Kollegen haben den Mann aufgesucht, der seit gut einer Woche in Pegnitz auf der Straße lebt. Als er am Samstag sein Reisegepäck im Kaufland abstellte und sich dann ins Gebüsch zum Schlafen zurückzog, alarmierte die Marktleitung die Polizei. Weil der 29-Jährige nicht mehr auffindbar war, stufte man die herrenlosen Taschen als mögliche Gefahr ein. Zudem sagte ein ADAC Mitarbeiter des am Kaufland aufgestellten Infopoint, dass der Mann „verwirrt und betrunken gewesen“ sei.

Zahlreiche Streifen aus Oberfranken, Mittelfranken und der Oberpfalz wurden zusammengezogen. Sämtliche Straßen wurden abgeriegelt, aus München rückten Sprengstoffspezialisten an. Vier Stunden lang herrschte der Ausnahmezustand, bis dann Entwarnung gegeben werden konnte. Die Spezialisten der technischen Sondergruppe fanden in den Taschen Schmutzwäsche und eine Flasche Schnaps. „Nichts gefährliches“, sagte Polizeisprecher Alexander Czech.



Während des Einsatzes wollte der 29-Jährige zu seinem Koffer, wurde aber zunächst von der Polizei weggeschickt. Offenbar wegen Verständigungsproblemen. Denn der Rumäne sprach kein Wort deutsch und befand sich in der Evakuierungszone. Später erst erkannte ihn der ADAC Mitarbeiter wieder und die Polizei nahm sich den mutmaßlichen Kofferbesitzer zur Brust, der inzwischen wieder im Gebüsch hinter einer Bank Platz nahm. Er blieb dann bis zum Einsatzende bei der Polizei und durfte im Anschluss mit seiner Habe das Kaufland-Areal verlassen.

„Wir sind froh, dass dieser Vorfall durch das professionelle Vorgehen der Einsatzkräfte gut ausgegangen ist“, sagte eine Kaufland-Sprecherin. Man werde weder ein Hausverbot erteilen noch Schadensersatzansprüche geltend machen. Auch seitens der Polizei sind weder Einsatzkosten, noch Strafen zu erwarten, sagte hier bereits am Samstag ein Sprecher.

Video zum Bombenalarm in Pegnitz: Passanten hatten mit dem Kofferbesitzer gesprochen




In Pegnitz ausgesetzt 

Weil sich der junge Mann auch am Dienstag noch auf der Bank und im Gebüsch neben der Nürnberger Straße aufhielt, informierten Passanten „Reporter24 – hilft“. Es hatte bereits stark geregnet, der 29-Jährige war durchnässt und hungrig. Mit einem telefonischen Dolmetscher haben die Helfer herausgefunden, dass der Mann seit bereits einer Woche in Pegnitz gestrandet ist. „Komm mit nach Deutschland, da kann man gut Leben und Geld verdienen“, soll ein Kumpel zu ihm gesagt haben.

Der 29-Jährige musste einen dreistelligen Betrag bezahlen und wurde dann in Pegnitz ausgesetzt. „Der hat mich verarscht“, sagte der Mann auf italienisch zu Reporter24. Denn in Italien soll er noch eine Exfrau und einen Sohn haben. Kontakt gebe es aber keinen. Auch habe ihm die Polizei am Samstag sein Handy abgenommen, weil er keinen Eigentumsnachweis vorweisen konnte. Darin sind alle seine Kontakte gespeichert, sagt der junge Mann. Ein Polizeisprecher dementierte das auf Anfrage am Mittwoch. Demnach habe man seine beiden Mobiltelefone routinemäßig überprüft und ihm mittlerweilen wieder ausgehändigt.

 



Ferner soll der 29-Jährige bereits am Freitag von einer Streife kontrolliert worden sein. Das berichten mehrere Anwohner. Demnach sei der Polizei der Fall bekannt gewesen. Eine Stellungnahme der Behörde war am Dienstag nicht mehr zu bekommen. Einsatzleiter Roman Markert hatte keinen Dienst, sein Vorgesetzter wusste nichts über den Einsatz. Mit einer Einlassung ist daher erst am Mittwoch zu rechnen gewesen. Polizeisprecher Alexander Czech teilte daraufhin mit, dass der 29-Jährige am Freitagabend stark alkoholisiert gewesen sei. Im Stadtgebiet von Pegnitz habe man ihn dann aufgegriffen und ins Krankenhaus gebracht.

Foto: Jürgen Zier

Eine Perspektive hat der junge Mann derzeit nicht. Ohne Geld sitzt er in der Sackgasse. Arbeiten würde er gerne, „auch schwarz“. Dass dies neue Probleme bringt, hat er aber offenbar verstanden. „Reporter24-hilft“ hat den 29-Jährigen zunächst mit dem Nötigsten versorgt. Belegte Brötchen, Obst, Gemüse und Getränke. Am Nachmittag wurde der junge Mann in die Hände der Diakonie übergeben. Dort fand er einen Platz zum Übernachten. Seit Mittwoch kümmern sich die Stadt Pegnitz und das Landratsamt um den Mann.




Helfer brauchen Hilfe

Damit „Reporter24-hilft“ weiterhin schnell und unbürokratisch helfen kann, sind die Kollegen auf Sach – und Geldspenden angewiesen. Jeder, der unverschuldet in Not geraten ist, kann die Hilfe anfordern. Auch Opfer von Bränden oder Naturereignissen können im Notfall auf Sach – und Geldleistungen zurückgreifen.

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