Der Eiermann und seine Automaten

Foto: Jayden Fish

PEGNITZ. Seit August 2017 gibt es in Pegnitz einen gekühlten Automaten für nachhaltige Lebensmittel. Eier, Butter, Käse und vieles mehr. Die Betreiber, Karina (32) und Norbert (33) Grellner, ziehen nach über einem halben Jahr nun Bilanz und stellen fest: Da geht noch mehr. 




„Heimat ist Genuss“, unter diesem Motto vermarkten die Grellner`s aus Pegnitz nicht nur ihre eigenen Hoferzeugnisse, sondern auch Produkte anderer regionaler Partner. So ist der „Weidehof Shop“ – Automat in der Lohesiedlung neben Eiern, Honig aus eigener Imkerei und Fruchtaufstrichen eben auch mit Biokäse, Chili und Butter bestückt. Saisonal auch Ostereier, Kartoffeln und Gemüse aus eigenem Anbau. In Kürze soll es auch Bratwürste, Schinken und Dosenwurst geben. Natürlich aus der Eigenhaltung heraus. Nachhaltigkeit wird dabei groß geschrieben, sagt der gelernte Landwirt Norbert Grellner, dessen Steckenpferd die Eier sind, wie er selbst sagt. Diese gibt es im Automaten auch unverpackt.




Vom Fipronil-Skandal profitiert

Die Idee kam dem 33-Jährigen, als immer mehr Freunde und Nachbarn im vergangenen Jahr nach den Eiern seiner Hühner fragten. „Das Haustürgeschäft florierte“, erinnert sich Grellner. Doch rund um die Uhr konnte man nicht bereitstehen und viele Menschen hätten auch Hemmungen gehabt, zu klingeln.

Somit entstand die Vision vom Eierautomaten. „Angefangen haben wir damals mit 30 Hühnern in einem umgebautem Bauwagen“, erzählt der Landwirt. Die Nachfrage sei dann stetig angestiegen und der Fipronil Skandal habe sein übriges dazu beigetragen, weil die Verbraucher plötzlich mehr regionale Eier wollten.

Heute zählt er insgesamt rund 175 sprichwörtlich glückliche Hühner, die entsprechende Eier legen. Zum Teil leben die im Anwesen hinter dem Automaten. Die meisten seien jedoch in einem Mobilstall auf der zwei Hektar großen Weidefläche nahe Pottenstein untergebracht, wo auch noch schottische Hochlandrinder gehalten werden. Dadurch könne man ganzjährigen Auslauf und immer wieder frisches Weideland garantieren. „Das schmeckt man dann auch“, behaupten die Grellners.




Weil sie verschiedene Rassen halten, seien die Eier übrigens von Natur aus „bunt“. In einem nahe gelegenen Stall werden auch Wollschweine gezüchtet. „Für die Wurst“. Weil deren Freilandhaltung aber wegen der Schweinepestgefahr generell nicht genehmigungsfähig ist, wurden diese eben ausgelagert.

Foto: Grellner

Regionales statt Bio

Das Futtergetreide kommt aus eigenem Anbau und ohne Antibiotika. Denn im Krankheitsfall werden die Tiere naturheilkundlich behandelt, da Karina Grellner ausgebildete Tierheilpraktikerin ist. Eigentlich sieht das alles nach einem Bio-Bauernhof aus, doch die Grellners winken ab. Tatsächlich halte man sich an die ökologischen Grundsätze, eine Zertifizierung zum Biobetrieb lehnt das Ehepaar bisher aber ab. Rund 300-400 Euro kostet alleine die jährliche Betriebsprüfung.

Außerdem dürfe man dann im Automaten keine anderen Produkte mehr mit anbieten und selbst der regionale Schlachter müsste zertifiziert sein. Viel Aufwand, der sich für ein familiäres Kleingewerbe kaum lohnt. Und die Tiere kilometerweit aus Schlachtgründen gestresst herumzufahren, das komme für das Paar nicht in Frage.




„Der Biotrend habe ohnehin etwas abgenommen“, meint Norbert Grellner. Das blanke Bio-Siegel sei dem Verbraucher nicht mehr so wichtig. Auch die Supermärkte hätten darauf bereits reagiert und ihr Sortiment umgestellt.

Obwohl es frische Eier aus Käfighaltung nicht mehr in den Läden gibt, werden sie in verarbeiteten Ei-Produkten wie Kuchen oder Nudeln hingegen immer noch gebraucht. Die seit 12 Jahren geltende Kennzeichnungspflicht bei Eiern hat jedoch Tieren und Verbrauchern geholfen. Käufer haben Eier aus tierquälerischer Käfighaltung erkennen können, sie abgelehnt und aus den Supermärkten verschwinden lassen.

„Eine transparente Haltungskennzeichnung ist ein wirksames Instrument, um den Tierschutz in der Nutztierhaltung voranzutreiben“, sagt beispielsweise Ina Müller-Arnke, Agraringenieurin der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN. „Konsumenten setzen weiterhin deutliche Zeichen, weil sie statt zu Eiern aus Bodenhaltung immer mehr zu Eiern aus Freilandhaltung greifen.“ Diesen Trend spürt auch Familie Grellner. Ihre derzeit 175 Hühner sind voll ausgelastet und gerade zu Ostern könnte es erste Engpässe geben.



Hüttenflair und Nachhaltigkeit  

Seit einigen Tagen steht ein zweiter Automat, unbefüllt in der Lohesiedlung bereit. „Sobald der Geldscheineinzug da ist, geht es auch hier los“, sagt Grellner, der schon das nächste Projekt im kopf hat. Auf dem Grundstück hier in der Viktor-von-Scheffel-Straße 14 will er eine Hütte mit Photovoltaik errichten. Der Strom wird in die Automaten gespeist und der Unterstand soll den Kunden Witterungsschutz und ein wenig mehr Idylle liefern.




Auch der Mobilstall in Pottenstein, eine umgebaute Wechselbrücke, ist bereits mit Photovoltaik ausgerüstet. „Damit haben wir Strom für Licht und Futtermittelbereitung“, sagt der Landwirt. Weil das so gut funktionierte, soll nun auch die Verkaufshütte damit ausgestattet werden. Neben den beiden Automaten wollen die Grellners hier auch weitere Produkte anbieten wie beispielsweise frisches Weide-Heu und Getreide zum Selbstmahlen. Den Bauvorantrag haben sie diese Woche bereits eingereicht.

=> Der Automat ist in Pegnitz in der Viktor-von-Scheffel-Straße 14 zu finden und hat 24 Stunden geöffnet. Und wer noch Weideflächen verpachten kann, möchte sich bei Familie Grellner melden. Denn in Kürze soll ein weiteren Hühnermobil in Betrieb genommen werden.







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