Reichsbürger hatte WhatsApp Kontakt zur Polizei: Zwei Kommissare wurden bereits suspendiert

Foto: Reporter24|Schumann

GEORGENSGMÜND, LKR ROTH. Überraschung im Ermittungsverfahren um den 49-jährigen Reichsbürger Wolfgang P. Offenbar wusste er von der bevorstehenden Razzia gegen ihn. Auch Ermittlungsergebnisse wurden ihm übermittelt. Es bestanden im Vorfeld Kontakte zu zwei Polizisten, die offenbar selbst mit der Reichsbürger-Szene sympathisieren.




Bei den intensiv geführten Ermittlungen der Kriminalpolizei Schwabach, die in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth erfolgen, kristallisierte sich der Verdacht heraus, dass zwei Polizeibeamte bereits im Vorfeld Kontakte zu dem festgenommenen 49-jährigen Reichsbürger pflegten. Laut Staatsanwaltschaft pflegten ein Oberkommissar (49) und ein Hauptkommissar (50) regen Kontakt zu Wolfgang P. Einer der Beamten lieferte sogar Informationen aus dem Polizei-Computer.

Polizisten in der Reichsbürger-WhatsApp-Gruppe

Laut Oberstaatsanwalt Alfred Huber, soll es eine WhatsApp Gruppe gegeben haben. Das ergab die Auswertung des Mobiltelefons von P. In der Gruppe waren unter anderem die beiden Kommissare aus dem westlichen Mittelfranken und die Lebensgefährtin des Oberkommissars. Hier wurden dem mutmaßlichen Polizistenkiller dann auch die Abfrageergebnisse mitgeteilt.

Mitte der Wochen wurden die Wohnungen und Dienststellen der Beamten und der Lebensgefährtin durchsucht. „Wir haben dabei elektronische Datenträger sichergestellt“, so der Oberstattsanwalt. Deren Auswertung laufe noch. Die beiden Polizisten wurden umgehend suspendiert. Der Polizeipräsident wörtlich: „Wir zweifeln unter anderem an ihrer Verfassungstreue“. Der Oberkommissar war offenbar sogar in Besitz illegaler Waffen.




Angeblich keine Warnung vor der Razzia

Laut Huber habe man bislang keine konkreten Hinweise darauf gefunden, dass der Reichsbürger von Georgengmünd vor der Razzia gewarnt wurde. Fest steht aber: Wolfgang P. war gut vorbereitet auf die Razzia bei ihm. Allerdings wurde ihm auch des Öfteren schon mitgeteilt, dass man ihm seine Waffen entziehen wolle. In jedem Fall kam der SEK Einsatz am 19. Oktober nicht überraschend.


Notwehr damit vom Tisch

Wie Reporter24 im Oktober aus Justizkreisen erfahren hat, wollte P. offenbar auf Notwehr bzw. Putativnotwehr (Erlaubnistatbestandsirrtum) plädieren und den Haftbefehl außer Vollzug setzen lassen. Er sei völlig überrascht gewesen, dass plötzlich bewaffnete Männer in sein Haus eingedrungen sind. Er dachte an Einbrecher oder ein Attentat, soll er in der Haft berichtet haben. Daraufhin wollte er entlassen werden. Doch daraus wird nun offenbar nichts.




„Der Mann bezieht sich auf eine Entscheidung des BGH vom 02.11.2011 ( 2 StR 375/11) bei der ein Mitgtlied der Hell’s Angels freigesprochen wurde, der zuvor einen Polizisten durch die gechlossene Tür erschoss“, vermutet Rechtsanwalt Jürgen Lubojanski gegenüber Reporter24. Der in dem Fall bechriebene Rocker bekam nämlich Recht. Er sollte genau wie der Reichsbürger aus Georgensgmüd durch den polizeilichen Eingriff überrascht werden, so dass keine Vorwarnung erfolgte. Außerdem konnte eine konkrete Bedrohungslage durch eine konkurrierende Rockergruppe belegen.




Diese Belege fehlen Wolfgang P. nicht nur, jetzt scheint sich herauszukristallisieren, dass er von dem „Überraschungseinsatz“ etwas wusste. Vermutlich trug er deswegen eine Waffe und eine schusssichere Weste.

 

Der Reichsbürger aus Georgensgmünd – Ein Freak in seinem Element gründet eigenen Staat

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