Potenziell krebserregende Substanzen in Kosmetika nachgewiesen

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In Deutschland erhältliche Kosmetika auf Mineralölbasis enthalten nach Informationen von BR Recherche und dem WDR offenbar nach wie vor Substanzen, die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen. Bei einer Studie im Auftrag des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums hat das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe 31 Kosmetika untersucht, darunter vor allem Lippenpflegeprodukte. Bei neun Proben seien so genannte aromatische Kohlenwasserstoffe („Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons“, MOAH) nachgewiesen worden. Diese gelten als potenziell Krebs auslösend.




 

Dieser Befund sei „besonders kritisch zu sehen, da eine orale Aufnahme vorhersehbar“ sei, so das Untersuchungsamt in dem siebenseitigen Untersuchungsbericht, der BR Recherche und dem WDR vorliegt. Nach Ansicht von NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel ist dieses Studienergebnis „beunruhigend, solche Stoffe gehören einfach nicht in Pflegemittel.“

Den höchsten MOAH-Gehalt wies der Untersuchung zufolge ein Hautschutzmittel auf (4,85 g pro 100 g). Bei den Lippenpflegeprodukten lagen die ermittelten Werte zwischen 0,06 g und 0,18 g pro 100 g. „Lebensmittel werden bereits bei Gehalten größer 0,5 mg/kg (entsprechend 0,00005 g/100 g MOAH) als nicht mehr rechtskonform beurteilt“, betont das Untersuchungsamt in seiner Bewertung. Das heißt, dass die Werte bei Lippenpflegeprodukten bis zu mehr als 3.000 mal höher lagen als die Werte, bei denen Lebensmittel noch als rechtskonform gelten. Mineralöle werden seit Jahrzehnten in Form von Paraffin oder Wachs in den meisten Kosmetika eingesetzt.

Nutzung sei bedenklich und gefährlich

Das NRW-Verbraucherschutzministerium hat die Untersuchungsergebnisse dem Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin vorgelegt. Eine Sprecherin dieses Ministeriums teilte mit, das Ressort habe vom Bundesinstitut für Risikobewertung eine Stellungnahme angefordert. Sobald diese vorliege, werde das Ministerium weiteren Handlungsbedarf prüfen. Das Bundesinstitut betonte auf Anfrage, das krebserregende Potenzial bei MOAH könne nicht ausgeschlossen werden. Deswegen sollte „auf eine Minimierung entsprechender Gehalte im Endprodukt hingewirkt werden.“ Aufgrund bestehender Datenlücken seien allerdings noch weitere Untersuchungen notwendig.




Birgit Rehlender, Chemikerin von der Stiftung Warentest, bezeichnete die Untersuchungsergebnisse als bedenklich: „Wir raten davon ab, Lippenpflegeprodukte mit Mineralölkomponenten zu verwenden und appellieren an die Hersteller, ihre Risikobewertung zu verstärken.“ Die Stiftung Warentest hatte im vergangenen Jahr eine ähnliche Untersuchung veröffentlicht und dabei in allen von ihr untersuchten Kosmetika entsprechende Substanzen nachgewiesen.

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