Zu viele Tiere – Nürnberger Tiergarten führt 60 Tötungen durch

NÜRNBERG. „Das Töten von Tieren als unvermeidliches Instrument des Populationsmanagements ist ein Thema, das Tierfreunde nur schwer akzeptieren können“, teilte Sprecherin Nicola mögel vom Tiergarten mit. Emotionen und Verantwortungsbewusstsein spielen in diesem Konflikt gleichermaßen eine Rolle und führen zu nicht immer eindeutigen Antworten.




In den letzten Jahren variierte die Zahl der getöteten Tiere zwischen 31 im Jahr 2013 und 60 im vergangen Jahr 2015. Durch die gezielten Tötungen soll laut Tiergartenchef Dag Encke „die langfristige Erhaltung von genetisch variablen Zuchtgruppen“ gesichert werden. Im Einzelfall müssen dann eben auch Empfängnisverhütung oder Tötungen in Kauf genommen werden.

Dieser „Einzelfall“ ereignete sich im vergangenen Jahr 60 Mal. Dem Populationsmanagement fiel zuletzt eine Fuchsmanguste zum Opfer. Encke selbst bedauerte diese „notwendigen Schritte“, denn auch im Tiergarten bestehe eine enge emotionale Bindung zu den Tieren.

Aktuell wird die Tötung elf überzähliger Paviane diskutiert. Diese seien im Gut Mittelbüg bei Schwaig ausgelagert, so Encke. Man sehe sich nach anderen Einrichtungen um, doch die Tiere scheint niemand haben zu wollen. Ein chinesischer Zoo zeigte zunächst Bereitschaft, ein Transport war bereits organisiert. Doch dann kam aus China die kurzfristige Absage. Nun geht die Suche weiter, erneut in China.




Tierfreunde sind empört

Sollte sich nicht weiter ergeben, so müsse auch bei den elf Pavianen eine gezielte Tötung durchgeführt werden. Alles im Rahmen des Populationsmanagements, so der Tiergartenchef. Tierfreunde sind entsetzt und diskutieren im Internet über Lösungen. Tötungen seien nicht angebracht, schreiben viele. Man solle „verhüten“ oder die Tiere in gute Hände geben. Andere reden von Befreiungsaktionen.

Immer wieder gerät der Nürnberger Tiergarten in die Kritik. Die zuletzt hochgelobte Delfin-Lagune bekommt auch immer mehr Gegner. Man könne einen solch „künstlichen Tümpel“ nicht Lagune nennen, schreibt ein User aus Röthenbach an der Pegnitz. Er habe nicht gewusst, dass Nürnberg am Meer liegt, damit es überhaupt Lagune heißen darf.