Fränkischer Stormchaser aus Stadtsteinach bekommt Tornado vor die Linse


FREYSTADT / OHAUSEN, LKR NEUMARKT IN DER OBERPFALZ. Am 29.05.2015 kam es in den Abendstunden im Landkreis Neumarkt i.d.Opf. zu einem schweren Unwetter. Kurz nach 18 Uhr fegte durch den Ortsteil Ohausen (Gemeinde Freystadt) nach Angaben der Bewohner für ca. fünf Sekunden ein Tornado. Die oberfränkischen Stormchaser waren live vor Ort.


Durch den Sturm wurden bei ca. 20 – 25 Gebäuden (überwiegend Wohnhäuser und Stallungen) die Dächer beschädigt. Es wurden Ziegel, bei einigen Gebäuden auch in größerer Menge, abgedeckt, welche an mehreren abgestellten Pkw´s wiederum Schäden verursachten. Weiterhin wurden im gesamten Ort Bäume umgeknickt und entwurzelt. Es wurden keine Personen verletzt. Am Einsatzort waren neben Polizeieinsatzkräften die gesamten Feuerwehren der Gemeinde Freystadt, sowie die Feuerwehr Neumarkt und Hilpoltstein. Mithilfe der Feuerwehr (ca. 100 Einsatzkräfte) und verschiedenen Handwerksbetrieben wurde sofort mit der Beseitigung der Schäden begonnen.

Erfolg für „Stanicher Sturmjäger“

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Christopher Pittrof (25), der schon seit geraumer Zeit auch als Admin Wettermeldungen für Reporter24 koordiniert, war live dabei und erfüllte sich damit einen kleinen Lebenstraum, wie er sagte. Seit über 10 Jahren ist der sympathische Wetterfrosch nun schon im Dienste der Wissenschaft unterwegs. Dabei bezeichnet er sich selbst als „kleinen Schisser“ in der Kinderzeit. Doch dadurch entstand wohl die Faszination für Sturm und Gewitter.

Am 29.07.2005 erlebte er ein schweres Gewitter mit bis zu 90 Blitzen in der Minute. „Ich habe das damals „hautnah“ mitbekommen und war so überwältigt von dieser schieren Macht und Kraft, die sich da entlädt. Dann habe ich mir Bilder, Videos und Berichte von Stormchasern angeschaut und wusste, das will ich auch. Seitdem beschäftige ich mich intensiv mit dem Wetter und eben auch mit dem Stormchasing“.

Dabei distanziert sich der 25-Jährige vom Katastrophen-Tourismus, wie ihn leider manche seiner „Kollegen“ ausleben. „Unwetter passieren, da hat der Mensch keinen Einfluss darauf. Als Stormchaser ist man keinesfalls daran interessiert, dass jemand sein Hab und Gut verliert oder zu Schaden kommt“. Vielmehr gehe es um künstlerische Fotos und die Vorwarnung der Bevölkerung. „Ich bin Mitglied beim Verein Skywarn Deutschland, der es sich zur Aufgabe gemacht, Wetterdienste bei ihren Unwetterwarnungen zu unterstützen“, sagte Pittrof. In seiner Arbeitsgruppe gäbe es niemanden, der ein solches Interesse am Katastrophen-Tourismus habe.

 

Die oberfränkischen Sturmjäger der Gruppe “Stromchasing Oberfranken – Dem Unwetter auf der Spur” waren am Freitagabend im betroffenen Gebiet vor Ort und stießen auf eine Superzelle, aus der sich dann der Tornado bildete. Nach ihren bisherigen Erkenntnissen und Auswertungen hatte er wohl eine Stärke von F1.

Windhosen und Mini-Tornados

Zur Klassifizierung von Sturmschäden (oder auch Tornados) gibt es die Fujita-Skala die von F0 bis F5 reicht. Parallel dazu gibt es noch die Torro-Skala (T-Skala), die nochmal doppelt so „fein“, wie die Fujita-Skala ist, da in Europa die Bebauung meist stabiler ist als in den USA und man daher beide Skalen F- und T-Skala parallel verwendet. Der gestrige Tornado hatte nach aktuellem Stand die Stärke von F1/T2-T3 gehabt.

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Ärgerlich wirkt der Stormchaser, wenn die Medien derartige Ereignisse herunterspielen. Es ist die Rede von Windhosen und Minitornados. Doch ein Tornado bleibt ein Tornado. „Auch bei uns gab es schon immer starke und auch verheerende Tornados. Pforzheim 1968, dann einige Fälle aus den 80er und 90er-Jahren, Großenhain vor ein paar Jahren und eben der heftig F3, der vor zwei Wochen bei Augsburg für enorme Schäden sorgte“, berichtet Pittrof. „Es gibt keine Mini-Tornados und die sehen bei uns auch nicht anders aus als in den USA. Zwar gibt es in den USA statistisch mehr verheerende Tornados von der Gattung F3 aufwärts, aber auch nur, weil dort die Landfläche und die meteorologischen Gegebenheiten anders sind“. (mr)