Fünfjährige scheinbar versteckt gehalten

PARSBERG, OBERPFALZ. In Parsberg überschlagen sich die Ereignisse. Seit Montagvormittag wurde die fünfjährige Tochter einer tschetschenischen Flüchtlingsfamilie vermisst. Der 26-jährige Vater gab an, abgelenkt worden zu sein. Danach sei das Mädchen verschwunden. 240 Polizisten, zahlreiche Feuerwehrkräfte und freiwillige Helfer suchten seitdem nach dem Kind. Nun wurde bekannt: Das Mädchen ist in Sicherheit. Scheinbar wurde sie extra versteckt. Die Polizei ermittelt weiter.

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Gegen 13 Uhr am Montag, meldete der 26-jährige Vater eine seit 11 Uhr vermisste Tochter bei der Polizei. Noch am Nachmittag wurde er dann selbst von den Beamten vernommen. Die Polizei bezweifelt seine Schilderungen. Die Suche nach dem Mädchen lief in Parsberg auf Hochtouren, erklärte ein Sprecher der Polizei. Zahlreiche Anrufe sind auf der Dienststelle eingegangen. Die Telefonleitungen waren teilweise hoffnungslos überlastet und dauerbesetzt. Viele Spuren wurden verfolgt. Die Polizei suchte bis in die frühen Morgenstunden des Dienstag mit zahlreichen Beamten, Hunden und einem Hubschrauber nach dem Mädchen. Vorerst ohne Erfolg. Gegen 2 Uhr wurde die Suche unterbrochen, was auch „ermittlungstaktische Gründe“ gehabt hätte, so der Einsatzleiter vor Ort. Das Mädchen war noch am Montagvormittag mit dem 26-jährigen Vater bei einem Zahnarztbesuch und anschließend auf dem Spielplatz Elisabethpark an der Dr.-Boecale-Straße gewesen. Danach verlor sich ihre Spur. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Kleine die Nacht wohl im Freien verbracht hat“, teilte Polizeisprecher Albert Brück am Morgen mit. Die Lage schien dramatisch. Zahlreiche Helfer beteiligen sich auch heute wieder an der Suche. Doch möglicherweise lag noch nicht einmal ein Vermisstenfall vor.


Fahndung nach vorgetäuschten Unbekannten

Zwischenzeitlich suchte die Polizei auch nach einem unbekannten Mann. Der Vater des Kindes hatte angegeben, von diesem in ein Gespräch verwickelt worden zu sein. Dann sei die Fünfjährige verschwunden gewesen. Die Polizei hatte große Zweifel an den Ausführungen des Vaters. Trotz Fahndung konnte der Unbekannte nicht gefunden werden. Ein Verbrechen schlossen Ermittler ab diesem Zeitpunkt nicht mehr aus, konkrete Hinweise darauf lagen aber auch nicht vor. Unterdessen wurden bereits erste Stimmen laut, warum man ein Verbrechen zunächst ausschließen konnte und warum die Familienverhältnisse sowie das soziale Umfeld nicht durchleuchtet und entsprechenden Gerüchten dazu nicht nachgegangen werde. Immer mehr Leser hatten berichtet, dass es wohl familiäre Probleme gäbe. Auch Ängste vor einer Abschiebung. „In erster Linie mussten wir uns auf die Suche konzentrieren“, berichtet der Polizeisprecher. Natürlich wurde in alle Richtungen ermittelt, aber zu den Vorwürfen und Gerüchten in sozialen Netzwerken werde man sich weder äußern noch sonst irgendwie nachgehen. Seit Dienstagvormittag waren auch wieder Feuerwehren und die Bayerische Bereitschaftspolizei mit eingebunden.

Am Mittwoch wurde dann bekannt, dass der Vater der angeblich vermissten Fünfjährigen gelogen hatte. Es gab keinen Unbekannten. Vermutlich lag noch nichteinmal ein wirklicher Vermisstenfall vor. Auch auf dem besagten Spielplatz in Parsberg wurden weder Spuren gefunden, noch haben irgendwelche Passanten entsprechende Aktivitäten feststellen können. Lediglich der Zahnarztbesuch konnte belegt werden.

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Fünfjährige lebend gefunden

Am Dienstagmittag gab die Polizei bekannt, ein Pressegespräch führen zu wollen. Hierzu wurden die Medienvertreter für 13 Uhr in die Polizeidienststelle nach Parsberg geladen. Zunächst hatte alles ganz normal begonnen und Kripo-Chef Franz Schimpel erläuterte die Ausgangssituation. Noch bevor er auf die neuesten Ermittlungsansätze zu sprechen kam, wurde die Information eingereicht, dass das kleine Mädchen gefunden sei. Zwar befände sie sich noch nicht in polizeilicher Obhut, aber die Beamten seien wohl auf dem Weg zum möglichen Auffindeort. Tatsächlich würde sich das Mädchen im sozialen Umfeld der Familie befinden. Was sich genau zugetragen hatte, wollte die Polizei am späten Nachmittag bekanntgeben. Bislang gibt es hierzu aber keine weiteren Stellungnahmen. Sicher ist nur, dass es sich bei der Familie um Flüchtlinge handelt, deren Asylantrag bislang noch nicht genehmigt wurde. Ob das Mädchen durch die eigene Familie vor der Abschiebung gerettet werden sollte, bleibt abzuwarten. Auch ein Familienstreit ist denkbar. Die Möglichkeiten zu den Hintergünden sind vielfältig und rein spekulativ. Seit Januar lebten die Eltern mit ihren drei Kindern in einer dezentralen Asylunterkunft in Hohenfels (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz).

Ein Sprecher der Kriminalpolizei wollte sich zum „Schutze der Familie“, auch auf direkte Nachfrage durch Reporter24, am Mittwoch nicht weiter zu einer möglichen Abschiebung äußern. Das Kind befände sich weiterhin in einer gesicherten Umgebung. Die Polizei wüsse den Aufenthaltsort aber selbst nicht. Weitere Hinweise bitte auch jetzt noch an die Polizeiinspektion Parsberg unter Telefon 09492/94110. (red)


Die schreckliche Chronologie:

Montag, 09:00 Uhr. Zahnarztbesuch mit dem Vater
Montag, 10:30 Uhr. Besuch auf dem Spielplatz
Montag, 11:00 Uhr. Nach einem angeblichen Ablenkungsgespräch verschwindet Rajana
Montag, 13:00 Uhr. Der 26-j.Vater meldet Rajana als vermisst
Montag, ganztags. Rettungskräfte leiten Suchaktion ein
Dienstag, 02:00 Uhr. Suchaktion wurde eingestellt. Ermittlungen im Umfeld laufen.
Dienstag, 07:00 Uhr. Suchaktion geht weiter mit FW und Bereitschaftspolizei.
Dienstag, 10:00 Uhr. Polizei dementiert Facebook-Gerüchte.
Dienstag, 11:00 Uhr. Polizei bestätigt Fahndung nach einem unbekannten Mann.
Dienstag, 12:05 Uhr. Die Polizei informiert über eine Pressekonferenz um 13 Uhr.
Dienstag, 13:00 Uhr. Die Pressekonferenz hat begonnen.
Dienstag, 13:05 Uhr. Rajana lebt!!!!!
Dienstag, 13:15 Uhr. Das Mädchen soll irgendwo im sozialen Umfeld versteckt sein.
Dienstag, 13:16 Uhr. Polizei auf dem Weg zum Auffindeort.
Dienstag, 13:40 Uhr. Die Kripo will am Nachmittag eine neue PK einberufen
Dienstag, 14:30 Uhr. Die PK für den Nachmittag wurde angesagt.
Dienstag, 14:45 Uhr. Das Mädchen befindet sich in Sicherheit.
Dienstag, 15:10 Uhr. Das Mädchen stammt aus einer Flüchtlingsfamilie.
Dienstag, 15:11 Uhr. Der Asylantrag der Familie ist bislang nicht genehmigt worden
Mittwoch, 12:30 Uhr. Der Vater gesteht, gelogen zu haben.
Donnerstag, 11:30 Uhr. Der Vater befindet sich seit Dienstagabend in Haft.
Freitag, 22 Uhr. Die Polizei meldet: Rajana war in Berlin.


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