Niklas: Die Sturmbilanz der Oberpfalz

OBERPFALZ. Etwa 230 Notrufe waren es, die seit 09.00 Uhr bis 16.00 Uhr dieses Tages allein bei der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberpfalz zum Sturmtief „Niklas“ und dessen Folgen eingingen. Es begann in den nördlichen Landkreisen und Regionen und setzte sich während des Tagesverlaufs in den Süden bzw. den östlichen Bereich fort.

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Foto: Reporter24|Zeilmann

Das gravierendste gemeldete Schadensereignis war dabei ein schwerer Verkehrsunfall auf der A3 zwischen Velburg und Neumarkt-Ost, als  gegen 13.00 Uhr  eine Windböe ein in Richtung Nürnberg fahrendes Lkw-Gespann erfasste und durch die Mittelleitplanke auf die Gegenfahrbahn drückte, wo es umstürzte. Der Fahrer wurde hierbei mittelschwer verletzt. Wegen der folgenden Rettungs- und Bergemaßnahmen mussten zeitweise beide Richtungsfahrbahnen komplett gesperrt werden. Gleiches geschah Lkw-Fahrern auf der A 93 bei Pentling, sowie zwischen Nabburg und Pfreimd und auf der A 3 in Nähe der AS Nittendorf/Richtung Nürnberg. In einem der Fälle wurde der Fahrer leicht verletzt. Heftige Windböen hatten die Fahrzeuggespanne oder zumindest die Anhänger erfasst und umgedrückt.

wirsbergDas absolute Gros der Anrufe bezog sich aber auf umgestürzte Bäume auf allen Straßen der Oberpfalz, in einigen wenigen Fälle auch auf den Autobahnen. Des Weiteren wurden beschädigte oder aus den Verankerungen gerissene Verkehrszeichen und – einrichtungen, zerfetzte Plastikplanen. herabfallende Dachziegel, angehobene Wellblechdächer  und zerlegte Gartenhäuschen gemeldet. Hinzu kamen zerrissene Telefon- und Stromleitungen verursacht durch die Wucht des Sturms oder stürzende Bäume, die sich in den Leitungen verfangen hatten. Zum Geschoß wurde ein Sonnenschirm den der Sturm in Regensburg von einem Balkon wehte und der die Scheibe eines vorbeifahrenden Autos durchschlug.

 

In Amberg fiel eine 3 x 4 m große Schaufensterscheibe aus ihrer Verankerung und beschädigte ein davor geparktes Auto. Sowohl ein Polizeifahrzeug als auch ein Fahrschulfahrzeug musste im Bereich der mittleren Oberpfalz von Kräften der Feuerwehr aus der misslichen Lage befreit werden, dass umgestürzte Bäume in beiden Fahrtrichtungen eine Weiterfahrt verhinderten. Auf dem Parkplatz des Krankenhauses Cham stürzte ein Baum auf einem Pkw, der glücklicherweise unbesetzt zwar. Anders in Nittenau, wo ein Baum auf einen fahrenden PKW stürzte glücklicherweise aber niemand verletzte. Gleiches geschah auch im Stadtgebiet Regensburg, wo es wieder eine Fahrschulauto war, auf das ein Baum fiel. Auf der B 15 bei Schwandorf beschädigte ein umstürzender Baum einen Pkw- Verletzte gab es auch hier nicht.

Aus Sicherheitsgründen musste die Verbindungsstraße von Kürn nach Thanhausen im Landkreis Regensburg gesperrt werden. So auch die Kreisstraße zwischen Bömischbruck und Kleinschwand/Lk. Neustadt/WM, nachdem mehrere Bäume die Straße blockieren. Diese Sperre soll bis morgen Vormittag andauern. Bei Weiden stürzten Bäume auf die Gleisanlagen der Bahnstrecke nach Bayreuth, so auch auf die Bahnverbindungsstrecke Cham – Bad Kötzting und Schwandorf – Regensburg, was zu entsprechenden  Behinderungen führte.



Hochbetrieb auch bei der ILS in Weiden

ilsDie Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz registrierte bis 16:45 Uhr, 676 Mitteilungen bzw. Notrufe über Unwetterschäden. Zu 327 Einsätzen mussten Feuerwehren und Technisches Hilfswerk bislang ausrücken. Größtenteils wurden Bäume entwurzelt und Straßen blockiert. Die zuständigen Feuerwehren beseitigen aktuell die Schäden.

 

Auch Bauzäune und Werbeeinrichtungen hielten dem Sturm nicht stand. Dächer wurden u.a. in Neudorf, Kondrau und Waldthurn abgedeckt. Die Ortschaften Püchersreuth, Plößberg, Kaltenbrunn, Neustadt an der Waldnaab, Grafenwöhr, Reuth bei Erbendorf und weitere Ortschaften waren teilweise oder ganz ohne Strom. Zahlreiche Telefonleitungen wurden ebenfalls ein Opfer die Sturmtiefes „Niklas“. Dadurch konnten Notrufe meist nur mit dem Handy abgesetzt werden. Die Leitstelle war teilweise mit knapp 20 Mitarbeitern besetzt.

Zeitgleich beschäftigte die ILS Nordoberpfalz, der kurz nach 11 Uhr gemeldete Großbrand, auf einem Bauernhof in Münchsreuth bei Speinshart im Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Hier ist ein Großaufgebot an Rettungskräften mit insgesamt 297 Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst, THW und Polizei im Einsatz. 23 verschiedene Feuerwehren mit 53 Fahrzeugen sind im Einsatz eingebunden. Darunter befanden sich auch Feuerwehren aus den Nachbarlandkreisen und die US-Lagerfeuerwehr Grafenwöhr mit ihrem Flugfeldlöschfahrzeug, welches alleine 12.000 Liter fasst. 30 Kälber die in der Scheune untergebracht waren, konnten nicht mehr gerettet werden.

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Hier ein ausführlicher bericht dazu: Großbrand Münchsreuth