Asyl statt Altenheim

RÖTHENBACH/PEGNITZ, LKR NÜRNBERGER LAND. Die Stimme des Volkes, sie wird laut. Aus einem Röthenbacher Altenheim sollen noch dieses Jahr alle Bewohner ausziehen. Schon ab Oktober werden hier bis zu 50 Asylbewerber einziehen. Doch entgegen vieler Meldungen im Internet wird hier niemand zwangsumgesiedelt. Der Heimvertrag wurde gekündigt und der neue Betreiber will nun lieber an die Regierung vermieten statt weiterhin die pflegebedürftigen Menschen zu beherbergen.

krone
Foto: Reporter24|Reißer

Die Entrüstung war groß, als bekannt wurde, dass das traditionelle Altenheim Krone in Röthenbach geschlossen werden soll. Nach Informationen der Pegnitz Zeitung weiß Bürgermeister Klaus Hacker schon seit Mitte Februar darüber Bescheid, als die Stadt Röthenbach nämlich Post vom Landratsamt bekam. Am 19. Februar unterrichtete er die Fraktionsvorsitzenden der Parteien, am 26. Februar erfuhr es der Stadtrat. Doch die vorliegenden Informationen sind nicht viel.

Seit 35 Jahren existiert das Alten – und Pflegeheim bereits im Röthenbacher Zentrum. Das „Haus Krone“ war früher ein beliebtes Lokal, in dem auch gefeiert wurde. Unter anderem trat hier Marianne Rosenberg auf. Direkt darüber befand sich die Praxis des Mediziners Dr. Erwin Littmann. Der bekannte Arzt baute das Haus 1979 in ein Pflegeheim um. Ende der 90er Jahre stand das Gebäude fast zwei Jahre lang leer bevor es von der „Laetitia AG“ wieder als Altenpflegeheim genutzt wurde. Doch nun ist damit Schluss. Der bisherige Betreiber, Günther Bieniek will sich der Presse gegenüber nicht weiter äußern. Es wird aber spekuliert, dass er sich zusammen mit seiner Frau Carmen, welche die Vorsitzende der Betreibergesellschaft Laetitia AG ist, zur Ruhe setzen will.


Statt Pflegeausbau jetzt ein Asylbewerberheim

Eigentlich plante Bieniek an einer Erweiterung seiner Einrichtung. Beim Landratsamt liegen bereits genehmigte Baupläne vor, wonach ein neuer Anbau eigentlich nun gestartet werden könnte. Doch dazu kommt es nun nicht mehr. Bieniek hat das Gebäude an eine private Betreibergesellschaft (ROWI) verkauft. Diese wiederrum ist weder für die Medien, noch für den Röthenbacher Bürgermeister Hacker zu sprechen. „Wir haben von Rowi keine Informationen bekommen. Unter einem seriösen, sachlichen, guten Umgang stelle ich mir etwas anderes vor“, so der Rathauschef. Im Zeitalter des demographischen Wandels, sind Pflegeheime sicherlich wichtig und auch wirtschaftlich nicht immer uninteressant. Jedes siebte Pflegeheim in Deutschland ist einer Untersuchung zufolge jedoch von der Pleite bedroht. Schuld sind unter anderem überalterte Immobilien, zunehmender Wettbewerb, Lohnkostensteigerungen und mangelnde Managementkompetenz.

Sicherlich ein Grund, warum ROWI lieber auf Flüchtlinge setzt. Seitens der Regierung hat man hier einen sattelfesten Mieter und Geldgeber. Denn neben den Mietzahlungen an den Betreiber, beteiligen sich die Regierung und das Landratsamt auch an den erforderlichen Umbaukosten und Einrichtungen. Bis zum Jahr 2020 brauchen laut einer Studie 179.000 Menschen mehr als heute stationäre Pflege. Rund 2000 neue Heime würden benötigt. Stattdessen wurden nun in Röthenbach alle Mitarbeiter des Heims entlassen. Auch die 45 bestehenden Pflegeverträge wurden gekündigt. Die Bewohner müssen ausziehen und das möglichst bis Ende September. Denn schon im Oktober sollen 50 Flüchtlinge in das Altenheim einziehen. Die alten Menschen, viele von Demenz betroffen, werden nun aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen und müssen verlegt werden. (mr)