Reitlehrer vergeht sich an 15-Jähriger

SPEICHERSDORF, LKR BAYREUTH. Er hat einer damals 15-jährigen Reitschülerin in den entblößten Schritt gefasst und befriedigte sich vor ihren Augen bis zum Schluss. Zuvor hatte er sein Opfer entkleidet. Am Montagnachmittag stand der Reitlehrer vor Gericht. In dem Reitstall ist er schon seit langer Zeit nicht mehr.




Der heute 59-Jährige war ein angesehener und beliebter Mann im Gemeindegebiet von Speichersdorf. In einem kleinen Ortsteil der Gemeinde hatte er einen Reitstall gepachtet. Er organisierte kleine Feste, kümmerte sich um die großen und kleinen Anliegen und hatte stets ein offenes Ohr. Doch der Reitlehrer hatte auch noch eine düstere Seite, die niemand an ihm kannte.

Am 20. November 2013 soll er sich an einer Reitschülerin vergriffen haben. Zunächst bestritt er alle Vorwürfe und suggerierte jedem, dass sich das Mädchen das alles nur ausgedacht habe. Selbst die Freundinnen des Opfers glaubten lieber dem 59-Jährigen. Eine psychische Belastung für die 15-Jährige.

Reitlehrer gesteht seine Tat

In der Hauptverhandlung vom Montagnachmittag, konnte der Angeklagte weder seinem Opfer noch den Eltern in die Augen schauen. Mit gesenktem Kopf folgte er der Anklageschrift. Über seinen Rechtsanwalt lies er dann verkünden: „Ja, die Vorwürfe sind richtig“. Er bestritt lediglich, dass auf einer gemeinsamen Autofahrt nach Kemnath bereits eine sexuelle Belästigung stattgefunden habe. Laut Anklageschrift habe die 15-Jährige an diesem schulfreien Buß- und Bettag schon seit dem frühen Morgen im Stall mitgeholfen. Sie versorgte die Pferde, machte die Boxen sauber und fuhr im Anschluss daran mit dem Stallbesitzer nach Kemnath um Futtermittel zu besorgen.




Im Auto soll er dem Mädchen bereits mehrfach zwischen die Beine gegriffen haben. Im Stall zurückgekehrt lockte er sein Opfer mit einer vermeintlichen Überraschung in die Kellerwohnung der Reitanlage. Sofort zog er der 15-Jährigen die Reithose herunter. Auch den Slip schob er bis zu den Knien zurück. Wie geschockt lies das Mädchen die nun folgenden Handlungen über sich ergehen.

Der damals 58 Jahre alte Mann griff mit seinen Fingern an den entblößten Unterleib des Mädchen und befriedigte sich dabei selbst. Erst als er fertig war, ließ er von seinem Opfer ab und forderte Stillschweigen über den Vorfall. Zwar blieb die 15-Jährige danach noch im Stall und verrichtete ihre Arbeit, doch schon am nächsten Abend vertraute sie sich ihrer Mutter an.




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Die juristische Bewertung des Vorfalls

Als die Mutter von der Tat erfuhr, erstattete sie Anzeige gegen den Stallbesitzer. Es folgten Beweissicherungen, Anhörungen und Zeugenbefragungen. Erst im Oktober 2014 wurde dann Anklage erhoben und am Montag kam es zur Hauptverhandlung. Doch wie das ganze nun zu bestrafen sei, darüber waren sich die Juristen nicht einig.  Eine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern, falle laut Richter Mayer schon alleine deswegen weg, weil das Opfer über 14 war.

Das Verhältnis zwischen einem Reitlehrer und seiner Schülerin gelte auch nicht als besonders schutzbefohlene Beziehung. Zwar bessere der Gesetzgeber hier derzeit bereits nach, nach aktueller Rechtssprechung sei aber auch dieser Tatbestand hier nicht gegeben. Auch der sexuelle Missbrauch von Jugendlichen sei fragwürdig, so der Richter. Hierzu müsse eine fehlende Fähigkeit der sexuellen Selbstbestimmug vorliegen. Das Opfer muss also wehrlos oder überfordert sein.

Während Staatsanwaltschaft und Nebenklage eben genau diese Fähigkeit nicht erkennen konnten, folgte das Gericht der Ansicht der Verteidigung und verurteilte den Täter nur wegen einer exhibitionistischen Handlung zu 3.000 Euro Geldstrafe (100 Tagessätze zu je 30 Euro) und den Kosten des Verfahrens. Damit ist der Täter jetzt zumindest vorbestraft und erhält einen Eintrag im Führungszeugnis. In seinem letzten Wort schaffte es der Angeklagte dann doch noch, so etwas wie eine kleine Entschuldigung vorzubringen: „Es tut mir wirklich leid“.




Eltern und Prozessbeobachter enttäuscht

Der mittlerweile insolvente Reitlehrer ist längst aus Speichersdorf verschwunden. Heute wohnt der 59-Jährige in der Nähe von Hannover und lebt von 1.000 Euro Nettogehalt als Leiharbeiter. Mitleid hatten die anwesenden Zuschauer im Saal nicht. Sie forderten eine viel höhere Strafe. Der Eigentümer der Reitanlage, ein Unternehmer aus Eschenbach in der Oberpfalz, hat das Anwesen bereits an einen neuen Pächter vergeben und ist froh, dass nun endlich Ruhe einkehrt. „Ich bekomme noch viel Geld“, klagte er.

Doch wie so viele andere Menschen aus der Region, wird wohl auch er leer ausgehen. Die Eltern des jungen Mädchens sind doppelt verärgert. Gegenüber Reporter24 äußerte sich auch der Vater des Opfers, dass das Strafmaß viel zu gering ausgefallen sei. „Was wir alles für diesen Kerl gemacht haben. Zum Dank vergeht er sich an unserem Kind“.

Der Verurteilte hat die Strafe direkt angenommen und auf Rechtsmittel verzichtet. Die Staatsanwaltschaft will nun prüfen, ob das Urteil so gerecht ist oder ob Revision eingelegt werden muss. Wir bleiben an diesem Fall dran. (mr)