Heike H. aus Naila: Vor 30 Jahren in der Disko-Nacht verschwunden

Foto: medianews24

von Sören Göpel


NAILA/BAYREUTH. Die Grabung in der Staatsstraße zwischen Naila und Marxgrün in der vergangenen Woche war noch nicht das Ende der Suche nach Heike H. „Die Ermittlungen gehen weiter“, sagt Anne Höfer, Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberfranken in Bayreuth. Die Ermittler vermuten, unter der Straße die Überreste der Frau zu finden. Die 18-Jährige wurde laut Polizeibericht am 7. November 1986 als vermisst gemeldet.





„Sie hat am 4. November auf ungewöhnliche Weise ihr Elternhaus verlassen“, schrieb die Frankenpost in der Wochenendausgabe vom 7./8. Februar 1987. Da waren seit dem Verschwinden bereits drei Monate vergangen. „Nicht ungewöhnlich lange“, sagt Höfer dazu, schließlich müsse die Polizei zunächst alle nötigen anderen Maßnahmen ergreifen, ehe sie diesen letzten Schritt wählt.

Zuletzt gesehen wurde Heike H. am 6. November in der Diskothek in Naila. Danach verliert sich ihre Spur. In den örtlichen und überörtlichen Medien blieb es bei einem kleinen Aufruf.

Kein Lebenszeichen seit mehr als 30 Jahren

Seit über 30 Jahren gibt es kein Lebenszeichen mehr von Heike H. Für Axel Petermann, einer der bekanntesten Kriminalisten Deutschlands, nichts Ungewöhnliches. Jüngst erst habe sich eine Frau nach einer Einbruchsserie in Niedersachsen geoutet, jene Vermisste zu sein, die vor 30 Jahren, mit 20, von der Geburtstagsfeier ihres Bruder in Berlin verschwand.

Seltene Fälle zwar, aber nicht auszuschließen. „Menschen, die volljährig sind, können dahin gehen, wohin sie wollen, müssen es niemandem erzählen“, sagt der frühere Chef der Bremer Mordkommission im Gespräch mit unserer Zeitung. „Es ist daher nicht Aufgabe der Polizei, Aufenthaltsermittlungen durchführen, wenn keine Gefahr für Leib oder Leben vorliegt“, schreibt das Bundeskriminalamt (BKA) dazu.



Fälle erledigen sich oft von selbst

Mehrere Monate suchen Ermittler zunächst nach Vermissten, ehe weitere Maßnahmen in Betracht gezogen werden. „Befragungen, Überprüfungen und sonstige Recherchen, um möglichst viele Informationen zu der Person, deren Umfeld und möglichen Aufenthaltsorten zu bekommen.“ Die Maßnahmen stehen „unter dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“, schreibt Höfer. Die Suche müsse in Einklang gebracht werden mit den Persönlichkeitsrechten der vermissten Person und der drohenden Gefahr.

Die Hälfte aller Vermisstenfälle erledigt sich nach einer Woche. Meist sind es Kinder und Jugendliche, die wegen Problemen in der Schule oder im Elternhaus ihrem Lebensumfeld entfliehen. Nach vier Wochen sind bereits 80 Prozent der Fälle geklärt. Nur drei Prozent der als vermisst gemeldeten Menschen bleiben länger als ein Jahr verschwunden.



Im Fall Heike H. übernahm „wie in den meisten Fällen die Kriminalpolizei die weiteren Ermittlungen“, schreibt Anne Höfer. In den vergangenen 30 Jahren schien es jedoch noch keinen Grund gegeben zu haben, eine Straße aufzugraben. Bis zu 30 Jahre lang bleibt ein ungelöster Vermisstenfall in der Fahndung stehen. Jede Polizeidienststelle kann über das „Informationssystem der Polizei“ (INPOL) einsehen, welche Menschen erfasst sind.

Im Fall H. hat das Landeskriminalamt nach 30 Jahren Kontakt mit der an der Suche beteiligten Polizeidienststelle in Naila aufgenommen. „Daraufhin wurden die gesamten Erkenntnisse von damals neu bewertet und die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft Hof nahmen die Ermittlungen auf. Zwischenzeitlich hatte es keine weiterführenden Ermittlungsansätze gegeben“, schreibt Anne Höfer.




Neue Ansätze

Welche neuen Ansätze das sind, darüber hüllen sich die Ermittler in Schweigen. Die neue Bewertung basiere nicht auf einem Hinweis, das hat die Polizei bereits während der Grabungsarbeiten Ende September ausgeschlossen. Bei der Betrachtung des Falls muss die Polizei mit einbeziehen, dass in den Monaten von H.s Verschwinden die Straße gebaut wurde, unter der die Ermittler die menschlichen Überreste vermuten. Dieses Wissen hatte die Polizei vor drei Jahrzehnten ebenfalls. Wie dies in die aktuelle Bewertung einläuft, bleibt offen.

Drei Archäologiehunde hatten vor einigen Monaten Knochengeruch in einem 50 Meter breiten Bereich der Straße wahrgenommen. Die Stelle auf Höhe des Klärwerks wies zudem eine Störung im Untergrund auf, die ein Bodenradar angezeigt hatte. Diese stellte sich letztlich als Betonklotz heraus, der baulich zwar keinen Sinn ergibt, aber auch keine Überreste enthielt. Die Hunde schlugen allerdings an einer weiteren Stelle an, die noch untersucht werden muss.







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