Sanierungen wegen Geldmangel in Gefahr: Bad Berneck habe zu viele Asylbewerber aufgenommen

Wie lange hält sie noch durch: Die Burg Hohenberneck muss dringend saniert werden. Foto: Archiv/Albrecht Diller

BAD BERNECK. Schlechte Nachrichten im Stadtrat Bad Berneck: Die Zukunft der Bernecker Burgen ist ungewisser denn je, das Programm zur Sanierung von Fassaden in der Stadt wackelt und zu allem Übel wird auch noch die Sanierung des Gemeinschaftshauses Bärnreuth teurer als geplant – weil Bad Berneck viele Asylbewerber aufgenommen hat.




Die Burgen: Dreifacher Burgherr ist die Stadt Bad Berneck. Ihr gehören die Burgen Hohenberneck, das Alte Schloss und die Marienkapelle, eine befestigte Wehrkapelle. Man ist stolz auf die Burgen, spricht von einem Alleinstellungsmerkmal, veranstaltet Burgenfeste und möchte am liebsten ein Burgenmuseum in der Stadt einrichten.

Mehr als eine Million Euro

Doch die Burgen bröckeln beängstigend, auch an den Fundamenten, obwohl der Förderverein Historische Stätten sehr viel Geld und Eigenleistung in den Erhalt der historischen Bauwerke investiert. Dem Stadtrat Bad Berneck legte Bürgermeister Jürgen Zinnert am Donnerstagabend die Kostenschätzung für die Sanierung von Hohenberneck vor: Allein dafür würde mehr als eine Million Euro fällig werden.

…dann sind sie für immer weg

Dem Vorschlag, dass die Stadt sich in einem Grundsatzbeschluss bereit erklären soll, die erforderlichen Eigenmittel für dieses Projekt bereit zu stellen, wollten die Stadträte nicht folgen. Obwohl die Zeit drängt, wie Sandra Schiffel (FW) sagte: „Es ist unverantwortlich, sich des Themas nicht anzunehmen. Wenn die Burgen erst in sich zusammenfallen, sind sie für immer weg.“

Andere sollen die Last tragen

Hans Kreutzer (CSU) sagte, der Grundsatzbeschluss wäre ein falsches Signal, der Unterhalt der Burgen werde auf Dauer ein dicker Brocken für die Stadt sein. Selbst bei 80-prozentiger Förderung werde die Sanierung die Stadt finanziell überfordern. Christof Seidel (CSU) und Alexander Popp (FW) kritisierten, dass eine kleine Kommune wie Bad Berneck überhaupt die Baulast für so einmalige Baudenkmäler trage. Seidel sprach sich für die Übertragung auf überörtliche Behörden aus.

Katharina John (SPD) warnte vor einem Grundsatzbeschluss, mit dem man jetzt viel kaputtmachen könne. Ihrem Antrag, den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen, folgte der Stadtrat. Zunächst sollen interne Gespräche, vor allem auch mit Robert Pick vom Landesamt für Denkmalpflege geführt werden, der sich sehr für den Erhalt der Burgen starkmache.

Burgenregion

Albrecht Diller, Zweiter Vorsitzender des Fördervereins, nannte die bauliche Situation bei den Burgen auf Kurier-Anfrage „dramatisch“. Die Bad Bernecker Burgen seien Kulturerbe, stifteten Identität und hätten großes touristisches Potenzial. Hier seien sämtliche Typen aus dem zehnten bis 15. Jahrhundert zu finden. „Nirgendwo sonst gibt es eine Burgendichte wie bei uns.“ Die Hoffnung auf einen Erhalt der Burgen aufgeben will er auf keinen Fall. Es könnten Mittel aus dem Entschädigungsfonds des Freistaats, der Landesstiftung, der Oberfrankenstiftung und möglicherweise  der Kulturstaatsministerin des Bundes beantragt werden.

Fassadenprogramm: Für große Ernüchterung, auch Empörung im Stadtrat sorgte ein Schreiben des Landratsamtes Bayreuth an die Regierung von Oberfranken, das Bürgermeister Zinnert verlas. Darin lehnt die Rechtsaufsicht das von der Stadt geplante Förderprogramm für die Verschönerung von Hausfassaden nach Vorgabe einer neuen Gestaltungsfibel wegen mangelnder finanzieller Leistungsfähigkeit der Stadt ab. Das Programm hätte die Stadt bis 2021 im Jahr 10000 Euro gekostet, weitere 40000 Euro pro Jahr sollten aus Mitteln der Städtebauförderung fließen.




„Das Isek floppt“

Zinnert äußerte in Anbetracht der geringen Summen sein Unverständnis, Udo Sauerstein (SPD) zeigte sich sehr frustriert: „Wozu haben wir viel Zeit und Geld in ein städtebauliches Konzept (ISEK) gesteckt, wenn uns das Landratsamt schon beim kleinsten aller Programme Knüppel zwischen die Beine wirft?“ Alexander Popp sprach von einer „Beingrätsche“, Wolfgang Kruhme (SPD) sagte: „Das Isek floppt.“ Christof Seidel riet, die Flinte nicht ins Korn zu werfen und das Gespräch mit dem Landratsamt zu suchen. Genau das soll jetzt geschehen. Gegen die Stimme von Klaus Sowada (CSU) bekräftigte der Stadtrat seine Absicht, am Fassadenprogramm festzuhalten, unter dem Vorbehalt, dass die Förderung gewährt wird.




Feuerwehrhaus: Eine eigentlich gute Nachricht soll die Stadt Extrageld kosten. Weil die Bevölkerungszahl Bad Bernecks zuletzt gestiegen ist, soll es für den auf 167000 Euro geschätzten Um- und Anbau des Feuerwehrhauses Bärnreuth, der bereits in vollem Gange ist, nicht die in Aussicht gestellten 90 Prozent, sondern nur 60 Prozent Förderung geben, teilte das Amt für Landwirtschaftliche Entwicklung mit. Das macht rund 50000 Euro weniger aus.

Für Asylbewerberaufnahme bestraft?

Die Bevölkerungszunahme habe mit der Aufnahme von Asylbewerbern zu tun, sagte Alexander Popp. „Es kann nicht sein, dass man dafür auch noch bestraft wird.“ Udo Sauerstein äußerte sich empört: „Ich bin völlig aus dem Häuschen.“ Schlecht sehe es bei diesem Fördersatz für den geplanten Dorfweiher am Feuerwehrhaus aus, sagte Geschäftsleiter Christian Hohlweg. Die Stadt will nun das Gespräch suchen: Mit den Bärnreuthern, damit sie noch mehr Eigenleistung erbringen, und mit dem Amt und Landtagspolitikern, um diese als ungerecht empfundene Kürzung abzuwenden.







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