Dramatische Mais-Ernte: Die Bauern haben es schwer

Foto: Markus Roider

Text: Vanessa Lutz und Sina Rees
Fotos:  Markus Roider


BAYREUTH. Die vergangenen Wochen in und um Bayreuth waren heiß und trocken. Es sei schlimmer als 2003, sagen zwei Landwirte aus der Region, Andreas Wunderlich und Hans Engelbrecht.




Es ist ein relativ kühler Tag im Vergleich zu den letzten Sommerwochen. Diesen Zeitpunkt nutzt der 29-jährige Jungbauer Andreas Wunderlich für die Ernte des Maisfelds seines Onkels.

Schon von klein auf hat er im heimischen Betrieb mitgeholfen und schließlich seinen Meister in der Landwirtschaftsausbildung gemacht. Den Hof führt er zusammen mit seinem Vater. Heute hilft ihm sein Cousin Christian Zimmermann bei der Ernte.

Wenn man sich umsieht, sieht man überwiegend braune, trostlose Felder. „Es ist alles ziemlich verdorrt“, sagt Wunderlich. Aufgrund der Dürre in diesem Sommer müssen die Felder sofort abgemäht werden, da der Mais kein grünes Blatt mehr trage und die Kolben bereits nach unten hängen. „Hier ist der Mais aber noch nicht so stark in Mitleidenschaft gezogen, da rundherum Waldfläche ist und der Boden nicht gerade ist.“

Am Waldrand ist es weniger dramatisch als auf „offener Flur“. Foto: Markus Roider




Erträge zurückgegangen

Sowohl bei Getreide, Stroh als auch Gras seien die Erträge merkbar zurückgegangen im Vergleich zum sonstigen Jahresdurchschnitt.

Das bestätigt auch Hans Engelbrecht. Der Landwirt aus Lankendorf habe besonders mit der schlechten Futtersituation für sein Vieh zu kämpfen. „Die Trockenheit ist noch schlimmer als in den Jahren 2003 und 1976. Aber damals hat es im August wieder geregnet“, sagt er.

Es sei problematisch, dass Felder und Gräser fast vertrocknet sind, da sind sich die beiden Landwirte einig.

Doch warum kaufen die Bauern dann kein Futter zu? „Wir würden das zwar gerne tun“, beteuert Wunderlich, „aber woher?“ „Es ist ja nicht nur in Bayreuth trocken, sondern europaweit“, sagt Engelbrecht. Karl Lappe vom Bayerischen Bauernverband sagt dazu: „Es gibt schon noch Futter für Zukäufe, aber natürlich nicht viel.“



Außergewöhnliche Situation

Anders als Wunderlich muss Engelbrecht nämlich dazukaufen: „Wir kaufen jedes Jahr dazu, aber dieses Jahr mehr als in den vorherigen Jahren. Zum Glück haben wir aber noch Rücklagen.“

Die Bauern seien hier in der Umgebung sehr gut vernetzt, so Wunderlich, es herrsche in dieser Situation Zusammenhalt und reger Austausch. Laut Wunderlich könne man also auch die anderen fragen: „Wie sieht die Lage bei euch aus?“ und normalerweise bestünde die Möglichkeit, bei Engpässen auch von befreundeten Bauern Vorräte zu holen.

„Auch wir hätten das heuer gerne gemacht“, gibt Wunderlich zu, „aber keiner unserer Bekannten hatte etwas übrig.“




Laut Wunderlich eine „außergewöhnliche“ Situation. Auch Raphaela Brodmerkel, Öffentlichkeitsbeauftragte vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), sagt, dass aufgrund der hohen Temperaturen Ertragseinbußen bei Grundfuttermitteln wie Heu-, Gras- oder Maissilage und bei Marktfrüchten wie Getreide, Raps und Erbsen zu verzeichnen seien.

„Von manchen Wiesen konnte in diesem Jahr nur die Hälfte des gewohnten Aufwuchses eingefahren werden.“ Sie empfiehlt, für das kommende Jahr eine exakte Futterplanung durchzuführen. Dies tut Wunderlich bereits, er versorgt die Tiere noch mit den Vorräten aus 2017.




Hoffentlich wird es 2019 besser

Wunderlichs Hoffnung ist aber, dass es 2019 wieder besser wird mit dem Wetter, denn sollte es erneut zu einer solchen Dürre kommen, müssen die Tierbestände am heimischen Hof reduziert werden.

Zu den Tierbeständen sagt Lappe, dass diese auf anderen Höfen bereits reduziert würden, da die Schlachtzahlen deutschlandweit erkennbar gestiegen seien. Auch Bauer Engelbrecht musste dieses Jahr schon Tiere vorzeitig abgeben – Kühe, die noch rund vier Monate Milch gegeben hätten.

Als Andreas Wunderlich und sein Cousin auf dem Feld die Erntearbeiten für diesen Tag beenden, fängt es an zu regnen. Doch wieder ist es nur ein kurzer Schauer, der über der Region Bayreuth niedergeht.







Ersten Kommentar schreiben

Antworten