Rehkitz aus Weiher gerettet

Foto: red

PREBITZ, LKR BAYREUTH. Das Unwetter forderte am Montagnachmittag die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk. Wie bereits berichtet, liefen Keller voll Wasser, Straßen und Schienen waren unpassierbar. Durch die Überschwemmungen gelangten auch Öl und Diesel auf Flüsse und Bäche. Aber auch Tiere gerieten in Not. In Bieberswöhr bei Prebitz musste ein Rehkitz vor dem Ertrinken gerettet werden. 



Die beiden Brüder Johannes (28) und Cornelius (22) Hartmann aus Bieberswöhr bei Prebitz sind Feuerwehrmänner aus Leidenschaft. Doch als es am Montagnachmittag rund ging, konnten sie selbst nicht ausrücken. „Bei uns stand selbst alles unter Wasser“, sagte Cornelius Hartmann. Als das Schlimmste vorbei war, wollten sich die beiden jungen Männer ihren überfluteten Fischteich in Bieberswöhr ansehen, der im Regelfall mit Frischwasser aus einem Bach versorgt wird. Die Sorge galt zunächst dem Fischbestand.

Hilfeloses Kitz trieb im Wasser

„Da war alles übergetreten und mit Unrat überschwemmt“, erinnert sich der 22-Jährige. Auch die Böschung wurde zum Teil weggespült. Am Weiherdamm entdeckte er dann plötzlich ein zappelndes Tier. „Ich dachte erst an eine Katze“. Aus näherer Entfernung war klar: Hier kämpft ein Rehkitz um sein Leben. Die beiden Brüder fischten das Tier aus dem Wasser und Cornelius zog sein T-Shirt aus, um „Bambi“ warm zu halten.

Foto: C. Hartmann

„Es fühlte sich nass und kalt an“, sagte der 22-Jährige. Sein Bruder lief zum ein Kilometer entfernten Haus und bereitete einen Waschkorb mit Decken vor. Liebevoll wurde das Kitz darauf gebettet und dann abgetrocknet. „Wir haben auch eine Wärmelampe organisiert“, erzählt Cornelius. Dann habe sich der Zustand des Tieres von Minute zu Minute verbessert. Johannes wählte die Rufnummer einer Bayreuther Tierschutzorganisation, informierte sich über die notwendigen Schritte und holte sich Pflegetipps.




Pflegestelle bei Tüchersfeld

Von den Tierschützern wurde den Brüdern gesagt, sie sollen eine Traubenzuckerlösung herstellen. Damit würde das Rehkitz wieder zu Kräften kommen. Allerdings wollte der Vierbeiner nicht aus einer normalen Flasche trinken. Mit der schnell organisierten Babyflasche einer Bekannten aus dem Nachbarort haben sie ihren Findling dann versorgt und gefüttert. „Erst wollte es nicht saugen“, berichten die Brüder. Als aber die ersten Tropfen das Mäulchen berührten, war der Bann gebrochen. Rund 60 Milliliter habe es getrunken.

Nachdem sich der Zustand des Tieres wesentlich verbessert hatte, kam auch der zweite Rückruf der Tierschützer. „Sie hatten eine Pflegestelle gefunden“, freute sich Cornelius. Denn die zeitraubende Handaufzucht konnte er auf Dauer nicht sicherstellen. Schnell wurde Bambi in eine notdürftige Transportkiste gepackt und mit Decken umwickelt. „Wir haben uns dann in Trockau getroffen und das Kitz noch am Abend übergeben“, sagten die Brüder voller Stolz. Ihnen war nicht entgangen, dass sie dem Tier wohl das Leben gerettet haben.




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Milch statt Traubenzucker

Von der Traubenzuckerlösung raten Fachleute allerdings ab. „Finger weg vom Zucker“, sagt Michael Reichert, Wildtierexperte und Jäger. „Das ist reine Glukose und die gast den Pansen auf“, so der Fachmann. Im schlimmsten Fall bleibt dann nur noch die Erlösung. Besser wäre Kuh – oder Ziegenmilch, das würde der Muttermilch am nächsten kommen. Auch Gerhard Steininger, Servicestellenleiter der bayerischen Staatsforsten Pegnitz und Gehegeleiter des Wildparks Hufeisen in Pegnitz schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.



Von der Zuckerlösung habe er noch nie gehört. Seine Tierpfleger nutzen Ziegenmilch und reichern sie so an, dass sie der Geisenmilch in nichts nachsteht. Allerdings müsse man auch spezielles Grünzeug zufüttern. Ein Sprecher der Tierschutzorganisation betonte gegenüber R24, dass es sich bei der Zuckerlösung auch nicht um eine Dauerlösung handelt. Vielmehr sei dies eine Notfallmaßnahme.

In der Pflegestelle des Vereins wird „Bambi“ nun aufgezogen. Wie es dann weitergeht, ist noch unklar. Denn eine Auswilderung ist nicht möglich, sagt Gerhard Steininger. Wie bei jeder Handaufzucht hätte das Kitz keine Überlebenschancen. Steininger bietet aber an, das Tier in Obhut zu nehmen. Die Betreuung bedarf laut seiner Aussage einer „intensiven und fachlichen Begleitung“.







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