Sophienberg: Ermittlungen wegen Mordversuch

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A9 / BAYREUTH. Schüsse weckten Dienstagfrüh die polnischen Fahrer mehrerer Lkw auf dem Rastplatz Sophienberg. Vor ihren Fenstern sahen sie, wie mehrere Polizisten einen Mann (26) festnahmen, der sich heftig wehrte. Vorher hatte er mit einem geklauten Mercedes die Autobahn unsicher gemacht. Er wurde per Haftbefehl gesucht und floh vor der Polizei. Auch zwei Streifenwagen wurden beschädigt. 




Kurz vor 10 Uhr war das Auto mit Berliner Kennzeichen der Polizei im Bereich Marktschorgast aufgefallen. Eine Überprüfung des Kennzeichens ergab, dass dieses in Berlin gestohlen war. Die Beamten verfolgten den ebenfalls gestohlenen silbernen Mercedes C 180 – und der gab Gas. Teilweise, so Polizeisprecher Alexander Czech, sei die Fahrweise des Mannes „auffallend“ gewesen. Ein anderes Wort für halsbrecherisch. Denn der Mann brachte sich und andere Autofahrer in Gefahr. In der Zwischenzeit waren andere Beamte verständigt, die sich auf dem Rastplatz Sophienberg postierten.



Der Mann raste durch die Baustelle bei Bayreuth und schoss dann auf den Rastplatz. Kurz nach der Einfahrt versuchte ihn ein Zivilfahrzeug der Polizei zu stoppen, indem es sich vor ihn stellte. Allerdings gab der Fahrer des Mercedes nochmal Gas und zwängte sich zwischen das Zivilfahrzeug und einen gelben Transporter – und er raste auf einen Polizisten zu, der sich mit einem Sprung hinter die knapp einen Meter hohe Betonwand in Sicherheit brachte.

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Allerdings kam der Mercedes nur noch etwa 100 Meter weiter. Laut Augenzeugen auf dem Parkplatz sind mehrere Schüsse gefallen. Ein Lkw-Fahrer spricht von fünf, ein anderer von zehn Schüssen. „So viele nicht“, sagt Polizeisprecher Czech. Aber zwei Streifenwagen wurden laut seinen Ausführungen beschädigt.




Die Beamten zielten auf die Reifen, zwei davon waren platt. Als das Auto nicht mehr fahren konnte, schlugen sie die rechte Seitenscheibe ein. Auf dem Beifahrersitz lag nach Angaben der Polizei „griffbereit ein großes Messer“. Die Beamten setzten Pfefferspray ein.

Der 26-jährige Deutsche leistete nach Polizeiangaben heftigen Widerstand, auch noch bei seiner Festnahme. Dabei wurde ein Polizist leicht verletzt. Auch der Mercedes-Fahrer erlitt Verletzungen am Kopf. Auf der Fahrerseite waren Blutspuren auf dem Asphalt. Am beschädigten Mercedes, als auch an den beiden Polizeifahrzeugen entstand ein Gesamtschaden von geschätzten 27.000 Euro.

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Zeugen und Geschädigte gesucht

Gegen 11 Uhr war der Einsatz beendet und der Rettungshubschrauber mit dem verletzten Autofahrer an Bord auf dem Flug zum Klinikum. Auch der Polizeihubschrauber hob wieder ab, die Spurensicherung der Kriminalpolizei nahm ihre Arbeit auf. Der Parkplatz war noch nach Mittag gesperrt.

Die Beamten der Bayreuther Verkehrspolizei suchen Verkehrsteilnehmer, die durch den flüchtenden grauen Mercedes mit Berliner Kennzeichen auf der Autobahn A9 gefährdet oder geschädigt wurden sowie weitere Zeugen des Vorfalls. Hinweise nimmt die Verkehrspolizei Bayreuth unter der Tel.-Nr. 0921/506-2330 entgegen.

Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei Bayreuth leiteten gegen den rücksichtslosen Fahrer, der bewusst auf den Polizeibeamten zugefahren war, Ermittlungen wegen versuchten Mordes ein. Er schweigt bislang zu den Vorwürfen. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Bayreuth wurde der Mann in Untersuchungshaft genommen. Weitere Ermittlungen in Absprache mit Kriminalbeamten aus Berlin ergaben, dass er das Auto kurz vorher in der Bundeshauptstadt entwendet hatte. Der 26-Jährige muss sich nun für mehrere Delikte strafrechtlich verantworten.



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