Bei Abstieg in die Oberliga: Margrit Wendel will ihren Posten niederlegen

Aktuell höchst umstritten: Headcoach Sergej Waßmiller.

BAYREUTH. Es brodelt wieder bei den Bayreuth Tigers. Nach dem sportlichen Abstieg aus der Oberliga stehen Verein und GmbH offenbar weiterhin im Interessenskonflikt, weswegen nun sogar ein Gesellschafter in der Gesellschafterversammlung ausgeschlossen wurde. Nach der Versammlung äußern sich nun auch die Geschäftsführer der Bayreuth Tigers Eishockey GmbH zu möglichen Szenarien in der nahen Zukunft.




Nach der langen und schwierigen, kürzlich beendeten Saison und dem sportlichen Abstieg aus der DEL2 stand am vergangenen Mittwoch die Gesellschafterversammlung der Bayreuth Tigers an. „Bis auf ein Mitglied, welches sich im Urlaub befindet, waren die restlichen, mit dem kompletten Stimmrecht ausgestatteten, Gesellschafter vor Ort“, teilte ein Sprecher mit.

Bereits vor Beginn der Versammlung und auf Anraten eines Rechtsbeistandes wurde mehrheitlich für einen Ausschluss des Mit-Gesellschafters Michael Schwellengreber gestimmt, da hier Interessenskollisionen (Schwellengreber ist gleichzeitig 2. Vorsitzender des Stammvereins) zu erwarten waren.




Kapitalerhöhung angeregt

Hauptthema zum Anfang der Versammlung war eine geplante Kapitalerhöhung die durch die einzelnen Gesellschafter zu leisten sei. „Diese Erhöhung hat nichts damit zu tun, dass wir zahlungsunfähig waren oder sind sondern dient einzig dazu, finanziell vernünftig aufgestellt in die nächste Saison gehen zu können. Wir haben weder Verbindlichkeiten, noch hatten oder haben wir Liquiditätsprobleme,“ erklärt Matthias Wendel den angedachten Schritt.

„Während der Versammlung kristallisierte sich heraus, dass der größere Teil aller Gesellschafter unter bestimmten Voraussetzungen diesen Weg mitgehen würden“, hieß es in einer Pressemitteilung der Bayreuth Tigers. Einige Gesellschafter stimmten hier allerdings auch dagegen. Ein weiterer bat um Bedenkzeit, die man ihnen auch einräumen will. Noch bis Ende April soll hier eine Entscheidung fallen.




Die Wendels ziehen Bilanz

Mit dem Verletzungspech und dem Austausch der Kontingentspieler musste man laut Matthias Wendel „mit einer nicht kalkulierbaren Situation“ umgehen. Einher gehe damit aber auch die finanzielle Seite, die sich dann durch ausbleibende Zuschauer nicht wie gewünscht dargestellt hat. Der Austausch bzw. die Nachverpflichtungen neuer Spieler verursachte ebenfalls hohe Kosten, so Wendel. Abgaben an den Verband, Ausrüstung oder z.B. auch Flüge von Familienmitgliedern der Akteure, die von der sportlichen Leitung vereinbart worden sind. Insgesamt habe man mit Raitums, Müller, Chouinard, Luciani, Gams und Ontl auch sechs Spieler nachverpflichten müssen. Dies alles hat die Ausgaben in die Höhe getrieben.




Weniger Zuschauer gekommen

Die beiden Geschäftsführer sehen eine Mitschuld an Terminproblemen, als sie auf den Rückgang der Zuschauerzahlen angesprochen wurden. Aber auch die sportliche Leistung sei ein Grund gewesen. „Das kann man ganz gut mit anderen Standorten, quer durch verschieden Ligen, beobachten und vergleichen oder sich auch die Situation von Crimmitschau in der letzten Saison vor Augen führen“, sagte Matthias Wendel. Zudem seien die Zeiten am Sonntag für Auswärtsfans nicht optimal und auch die Bezirksliga-Mannschaft, wo man für wesentlich weniger Geld zum Eishockey gehen kann, habe eine gewisse Konkurrenz gemacht, laut Margit Wendel.

Probleme mit der sportlichen Leitung

Trotz vollem Kader zum Saisonende, gab es nur wenig sportliche Verbesserung im Spiel der Tigers. Die Wendels sehen die Gründe hierfür nicht bei sich oder dem Streit mit dem Stammverein. Vielmehr sei der Trainer schuld, wenn man zwischen den Zeilen liest. Wie Margrit Wendel berichtet, sei die Kommunikation zwischen dem Trainerstab und der Geschäftsführung nicht nur schwierig, sondern teilweise nicht mehr vorhanden. Auch die Spieler würden von Problemen berichten.




„Wir haben kurz vor den Playdowns mit den Jungs ein Gespräch anberaumt und haben ihnen freigestellt ob dies in Anwesenheit der sportlichen Leitung und dem Trainer geschehen soll“, so Wendel. Ein Spieler habe sich enthalten, ansonsten hätten alle anderen dagegen gestimmt. Dies sage laut Margrit Wendel schon sehr viel aus.



Neuer Trainer für die Oberliga

Der Vertrag von Sergej Waßmiller gilt nur für die DEL2. Aber der Abstieg ist noch nicht sicher. „Als Absteiger sind wir erster Nachrücker. Entsprechend werden wir zweigleisig denken und die Lizensierungsunterlagen zur DEL2 einreichen“, so Matthias Wendel. Man suche aber bereits einen neuen Trainer für den Fall des Abstiegs in die Oberliga. Der künftige Trainer soll das Amt des sportlichen Leiters in Personalunion übernehmen.

Die Unterlagen für die DEL2 müssen bis Mitte/Ende Mai bei der Ligaleitung eingereicht werden. Eine Entscheidung fällt dann spätestens im Juni. Die Lizenzierung für die Oberliga läuft zeitlich versetzt. Hier hat man mehr Zeit, so Wendel.

Aktuell höchst umstritten: Headcoach Sergej Waßmiller.




Spieler „kaputttrainiert“

Sofern die Tigers in der DEL2 verbleiben dürfen, müsse man intensive Gespräche mit Sergej Waßmiller führen und eine Lösung herbeiführen müssen, so Wendel. Offenbar ist man mit Waßmiller aber nicht mehr so ganz glücklich. Ein Spieler, der nicht genannt werden möchte, berichtet von Trainingsmethoden, die an die Grenzen gingen. Man habe die Gesundheit der Spieler riskiert. Auch das habe die Verletztenserie beeinflusst.

Sponsoren seien treu geblieben

Im Vergleich zu den Zuschauern, seien die Sponsoren auch durch den sportlichen Leistungsabfall am Ball geblieben. Durch die sportliche Misere und den dadurch eingetretenen Fall des Abstiegs habe man bereits seit geraumer Zeit mit den Partnern über Optionen gesprochen und könne sagen, dass der größere Teil sein Engagement nicht von der Liga abhängig machen wird. Laut Margrit Wendel setzen sich die Sponsoren hauptsächlich aus regionalen Unternehmen zusammen. „Wir haben das Glück, dass diese auch in der Oberliga ihr Klientel erreichen werden“.




Das Ende der GmbH?

Ein Rückabwicklung der GmbH, wäre das Schlimmste, was sich Matthias Wendel vorstellen kann. „Nach dieser Gesellschafterversammlung sehe ich dies aber nicht als Option“. Man sei guter Dinge, dass es weiter geht. Wendel wehrt sich unterdessen, dass die sechsstellige Deckungslücke im Stammverein ihm anzulasten sei. „Als ich im Dezember 2015 den kommissarischen Vorsitz übernommen hatte, habe ich Antrag auf Sozialversicherungsprüfung gestellt“.

Die Verbindlichkeiten, die aus den Jahren 2013 bis April 2016 stammen, also aus einer Zeit, in der die Wendels noch nicht aktiv waren, seien nun seit einem Jahr bekannt. „Scheinbar hat man bisher nichts unternommen, diese abzutragen oder anzugehen“, vermutet Wendel. Nun scheine sich laut seiner Meinung, der Druck der Sozialversicherungen zu erhöhen. „Dies kann man aber nicht uns oder unseren derzeitigen Gesellschafter anlasten“, so Wendel weiter. „Wir haben zu Beginn der letzten Spielzeit, im Auftrag der Gesellschafter, gut 100.000 Euro aus dem Stammkapital der GmbH an den Verein abgeführt“.

Prominenter Bewerber zum Geschäftsführer

Welche Konsequenzen drohen, wenn der Stammverein Insolvenz anmelden muss, darüber wollen die Wendels noch nicht nachdenken. „Noch ist es nicht so weit und wir denken, dass die Zeit vorbei sein muss in Bayreuth, wo man einen Verein „einfach liquidiert“ hat um im nächsten Moment einen neuen zu gründen und so weiter zu machen wie vorher“, meint Margrit Wendel.

Zu einer möglichen Kooperation mit einem anderen Verein habe man sich bisher keine Gedanken gemacht. „Wir haben auch keine Kontakte zu Nachbarvereinen geknüpft wie in der Bayreuther Gerüchteküche zum Teil verbreitet wird“, so Wendel, die aber den Weg in die Oberliga nicht mitgehen will.



Margrit Wendel will bei Abstieg hinwerfen

„Wir bleiben im Amt wobei wir nicht am Posten eines Geschäftsführers kleben“, sagte Matthias Wendel. Wenn sich die Gesellschafter dafür aussprechen sollten, wonach es aber nicht aussieht, würde er seinen Platz räumen. An den „Wendels“ soll es laut seinen Ausführungen nicht scheitern, dass es in Bayreuth weiterhin höherklassiges Eishockey geben wird. Und auch ihre Aktivität als Gesellschafter sei hiervon nicht betroffen. Es gebe derzeit aber auch einen prominenten Bewerber für die Stelle des Geschäftsführers. „Diesen Umstand und den Namen des Bewerbers haben wir in der Versammlung auch kommuniziert.

„Für mich gibt es eine Einschränkung“, sagte Margrit Wendel. „Als Geschäftsführerin stehe ich ausschließlich zur Verfügung, wenn es für die Tigers in der DEL2 weiter geht“. Man habe Ziele, die in der Oberliga nicht umzusetzen seien. „Wenn dieser Fall eintritt, werde ich vorerst alleine als Geschäftsführer fungieren bis man einen geeigneten Kandidaten gefunden und eingearbeitet hat“, so Matthias Wendel.




Margrit Wendel wehrt sich gegen Hetze

„Wir machen, wie alle anderen Menschen auch, Fehler. Das ist völlig normal“. Die Art und Weise, wie Kritik geübt wird, sei allerdings grenzwertig. „Ich habe trotzdem schon einigen Leuten angeboten mich kennen zu lernen und ein persönliches Gespräch zu führen“, so Margrit Wendel. Leider nehme das „keiner dieser Kritiker“ wahr. Es sei laut Wendel wohl leichter, oft auch anonym, in Foren oder sozialen Netzwerken „auszuteilen“ ohne wirkliche Hintergründe zu kennen.







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