Eltern mit Hammer erschlagen und eingemauert

Foto: Zier

SCHNAITTACH, LKR NÜRNBERGER LAND. Nach dem das seit 13. Dezember 2017 vermisste Ehepaar Elfriede und Peter Placzek aus Schnaittach tot aufgefunden wurde, kommen immer mehr Details ans Licht. Reporter24 hat sich im Umfeld der Familie umgehört und berichtet dabei nochmal ausführlich über den gesamten Fall.




Über fünf Wochen lang war das Schnaittacher Ehepaar vermisst. Sohn und Schwiegertochter zeigten sich den Medien, sammelten Geld und wollten dann auch das elterliche Wohnmobil verkaufen. Am 23. Januar setzte die Polizei dem Treiben ein Ende. Schon seit drei Wochen ermittelte die Kripo gegen den Sohn der Familie. Zu einem Zeitpunkt, als „besorgte Facebooknutzer“ über die angeblich „tatenlosen Ermittler“ herzogen, hatten diese bereits konkrete Verdachtsmomente und zogen die Schlinge immer weiter zu. Ingo Placzek (25) und seine frisch vermählte Ehefrau Stephanie (22), sie hatten nach dem Mord noch schnell geheiratet, fühlten sich sicher und spielten ihr Theater weiter.

Unter einem Vorwand lockten die Beamten das Paar auf die Laufer Polizeidienststelle. Man wolle sie zur Medienarbeit und etwaigen Vorfällen befragen. Doch in Wirklichkeit sollten sie einfach nur das Haus verlassen. Haftbefehle lagen bereits vor und so schlug das SEK auf der Bayreuther Straße zu und zog das Paar aus dem Auto. Weil dabei auch eine Fensterscheibe eingeschlagen wurde, verletzte sich das Paar leicht.




SEK Zugriff in Schnaittach. Foto: red




Eingemauert und einbetoniert

Schon während der Festnahme riegelten Beamte die Hedersdorfer Straße ab. Die Polizei rückte mit schwerem Gerät an. Bagger, Radlader, Sonargeräte und vieles mehr. Schon jetzt war klar: Hier liegt ein ganz konkreter Verdacht vor. Und tatsächlich wurden die Ermittler gegen 13 Uhr fündig. In der Garage lag das vermisste Elternpaar hinter einer Mauer. Eingehüllt in Folien und mit Salz bedeckt. Der Vorsprung wurde zugemauert, „völlig laienhaft“, wie die Polizei feststellte.

In einer KFZ Grube der Garage ein ähnliches Bild. Dilettantische Betonierarbeiten. Als die Polizei mit einem Presslufthammer alles freilegen konnte, kamen die vermissten Koffer der Eltern zum Vorschein. Es sollte aussehen, als wäre das Ehepaar wirklich im Urlaub. Doch die ganze Taktik des Sohnes ging nicht auf. Die Polizei war ihm bereits seit 9. Januar auf den Fersen, hatte einen schlimmen Verdacht.




Noch heute befindet sich eine mit Beton verschmierte Schubkarre im Anwesen. Wurden damit die Verstecke zugemauert? Foto: red

Widersprüche führten zu Anfangsverdacht 

Ingo Placzek führte zahlreiche Interviews mit Reporter24, der Pegnitz-Zeitung und Reporter24. Überall verstrickte er sich in Widersprüche, egal zu welchem Thema. Bei R24 sprach er von einem Inserat zur Veräußerung des elterlichen Wohnmobils. Das habe er am 11. Dezember online gestellt und dann wieder gelöscht, weil er seinen Vater dabei haben wollte. Unser Reporter fand jedoch ein Inserat vom 1.Januar 2018, also zu einem Zeitpunkt, wo die Eltern bereits tot und das junge Paar frisch verheiratet war. Auch wollten die beiden Rentner es keineswegs verkaufen, wie es der Sohn behauptet hatte. Im Gegenteil: Für 2018 war eine große Reise geplant und offenbar sogar die Versicherung neu angepasst.




Das Inserat vom 1.1.2018

Auch die angebliche Reise und verschwundene persönliche Gegenstände (sie lagen später in der Betongrube) machten Ermittler und Reporter stutzig. Als der Sohn am 13.12.2017 mit seiner Mutter gesprochen haben will, weil er auf die gepackten Koffer aufmerksam wurde, war diese vermutlich schon tot. Am Morgen wurde sie noch im Ort getroffen, hatte einen lange geplanten Zahnarzttermin, bei dem sie auch gewesen sein soll. Weitere Arzttermine am Donnerstag und Freitag wurden nicht mehr wahrgenommen. Irgendwo hier dazwischen muss also der Mord passiert sein.

Wie Nachbarn und Freunde der Familie wissen, war das Elternpaar gerne auf Reisen unterwegs. Fast immer nutzten die Eheleute hierzu das eigene Wohnmobil. Nun sollen sie laut ihrem eigenen Sohn aber mit Zug und / oder Taxi unterwegs gewesen sein. „Das glaubt dem doch kein Schwein“, sagte auch ein unmittelbarer Nachbar am 23. Januar gegenüber Reporter24.




Das Wohnmobil der Eltern. Es brachte dem Sohn der Familie kein Geld ein. Foto: red

In den vielen Telefongesprächen mit Reporter24, wirkte Ingo Placzek sehr abgeklärt und „künstlich besorgt“ wie unser Redakteur berichtet. Ohne gefragt zu werden, sprach er plötzlich von einem innigen Verhältnis zwischen seinen Eltern und seiner Lebensgefährtin. Er versuchte offenbar, den Medien und der Polizei eine Geschichte aufzudrängen, die zum Himmel stank.



Heimlich geheiratet, während die Eltern vermisst wurden.

Eko „Lack“ gegründet

Wie bei jedem Vermisstenfall, suchten die Beamten im persönlichen Umfeld der Familie nach Hinweisen. Dabei sind den Ermittlern offenbar schon frühzeitig verdächtige Wahrnehmungen ins Auge gefallen. Laut R24-Recherchen war die gesamte Wohnung der Eltern frisch renoviert. Wände und Decken frisch gestrichen, neue Böden gelegt und sogar die Möbel wurden neu lackiert. Bei den Kripobeamten klingelten die Alarmglocken. Die Eko „Lack“ nahm ihre Arbeit auf und rückte den Verdächtigen auf die Fersen. Ingo und Stephanie P. fühlten sich aber scheinbar sicher und waren nicht in der Annahme, schon dringend verdächtig zu sein.




Mit Hammer zugeschlagen

Über die genaue Ermittlungsarbeit wollte natürlich niemand sprechen, aber die Polizei muss Proben genommen haben und war sich schon frühzeitig sicher: Das vermisste Paar ist tot. Nachdem die Haftbefehle eingeholt und der Großeinsatz geplant war, schlugen die Ermittler wie berichtet zu. In den Stunden und Tagen nach dem Leichenfund durchsuchte die Spurensicherung das Anwesen in der Hedersdorfer Straße in Schnaittach. Auch 3-D-Scanner kamen zum Einsatz. Obwohl alles renoviert wurde, konnten umfangreiche Spuren gesichert werden. Und die Beamten sind auch Dienstag und Mittwoch in dem Einfamilienhaus tätig.

Im Hintergrund: Kriminaltechniker setzen spezielle Messgeräte ein. Foto: red




Als Haupttäter wurde zunächst Sohn Ingo geführt. Er soll nach einem Streit völlig durchgedreht sein, das erfuhr Reporter24 aus dem Umfeld der Familie. Laut unbestätigten Informationen, habe der 25-Jährige mit einem Hammer zugeschlagen. Wie von Sinnen muss er ausgerastet sein, befand sich im Blutrausch. „Dazu kann ich ihnen noch nichts sagen“, äußerte sich Oberstaatsanwältin Anita Traud am Mittwoch in Nürnberg. „Die Obduktionen sind am Laufen“. Frühenstens am Mittag rechne man mit neuen Ergebnissen, so Traud weiter.

Messpunkte wurden auf dem gesamten Grundstück angebracht. Foto: red




Mordverdacht: Junges Paar bleibt in Haft

Ob es bei dem mutmaßlichen Streit um Geld ging, welches der langzeitkranke Informatiker für die Tilgung seiner Spielschulden brauchte oder ob die anstehende Hochzeit wieder Streitthema war, ist derzeit noch spekulativ. Er selbst habe sich bis heute nicht geäußert, seine Ehefrau belaste ihn aber schwer. Sie soll auch die Version mit dem Hammer bestätigt haben, bestreitet aber eine Tatbeteiligung.

Laut Oberstaatsanwältin Anita Traud, seien beide Verdächtige bereits dem Haftrichter vorgeführt worden und dieser habe auch beide Anordnung bestätigt. Dabei habe sich besonders auch der Verdacht gegen die 22-jährige Stephanie P. erhärtet. Habe man gegen sie zunächst wegen Beihilfe zum Mord ermittelt, stehe auch sie jetzt unter dem dringenden Tatverdacht des gemeinschaftlichen Mordes. „Beide Untersuchungshaftbefehle lauten auf Mord“, so Traud weiter.




Bud Spencer Fan und Comupterfachmann 

Bei den Recherchen zum Vermisstenfall Placzek traf sich unser Reporter auch mit Vertrauten der Familie. Sogar Kinder – und Jugendfreunde des Sohnes haben sich gemeldet, zeigten Freundebucheinträge. Der 25-Jährige wurde als „launisch“ und „zurückgezogen“ beschrieben. Der Computerfachmann habe bei einer großen Firma in Nürnberg gearbeitet, sei aber schon seit Anfang November dauerhaft krankgeschrieben. Warum, dazu liegen bislang keine Informationen vor.

Seine 22-jährige Lebensgefährtin sei Kindergärtnerin, aber derzeit ohne Job. Die Polizei geht offenbar auch davon aus, dass die 22-Jährige zur Tatzeit nicht nur im Haus gewesen sei, sondern auch am Mord beteiligt war. Im Moment befindet sich das Paar in getrennten Haftanstalten in Untersuchungshaft.




Eigene Eltern in der Garage eingemauert







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