Verhandlungen erneut gescheitert: Drohen weitere Streiks beim Nordbayerischen Kurier?

BAYREUTH. Der Streit um einen Sozialplan beim Nordbayerischen Kurier in Bayreuth, er geht in die nächste Runde. Auch das Treffen beider Seiten mit einem neutralen Schlichter des Arbeitsgerichts brachte keine Einigung. Die Vorstellungen klaffen weit auseinander. Ob nun weitere Streiks drohen und was mit den Mitarbeitern unterdessen schon passiert ist, hat unser Reporter in Erfahrung gebracht.




Während sich Arbeitgeber und Betriebsrat weiter streiten, scheint es beim Kurier für die Mitarbeiter bergab zu gehen. Denn 43 Kündigungen wurden bereits ausgesprochen, teilten Arbeitnehmervertreter mit. Teilweise seien bereits mehrere Kollegen freigestellt worden, heißt es. Sie hätten zum Teil sogar Kündigungsschutz-Klagen eingereicht. Bei vielen herrsche Fassungslosigkeit, sie seien deprimiert und paralysiert, sagte ein am Verfahren Beteiligter.

Vor fünf Jahren habe man dem Kurier geholfen, mit Verzicht auf tausende Euro. „Jetzt bekommen sie dafür den Rausschmiss, möglichst noch mit einem Billigst-Sozialplan“, bemängelt verdi-Sprecher Bernd Bauer. Viele seien langjährige Mitarbeiter, die völlig unvorbereitet von der „Abriss-Birne der SWMH“ getroffen wurden. Vielen aber hat die Zeitungsgruppe um die Frankepost auch ein neues Job-Angebot gemacht, einige, nicht alle, hätten es angenommen.




Schlichtungsgespräch abgebochen

Betroffen sind vor allem Mediengestalter, Medienkaufleute, Buchhaltung, das Sekretariat und sogar die Personalabteilung. Von den Redakteuren sei wohl niemand mehr gefährdet, weil 16 von ihnen bereits selbst gekündigt haben, bei einer weiteren Mitarbeiterin lief der Vertrag aus. Einen fairen Sozialplan für die Betroffenen gebe es noch nicht, denn die Beteiligten sind sich nicht einig. Am Dienstag (04.04.2017) war der erste Verhandlungstag der Einigungsstelle.

Nachdem beide Seiten ihre Argumente vorgetragen hatten, ging man auseinander und auch der Bamberger Einigungsstellen-Vorsitzende, Arbeitsgerichts-Direktor Ulrich Schmottermeyer konnte bislang nicht vermitteln. „Das war die übliche Pendel-Diplomatie“, berichtet verdi-Sprecher Bernd Bauer gegenüber Reporter24.




Ab kommender Woche wieder Streik möglich

Dieses Herantasten an eine zielgerichtete Einigung, musste nach fünf Stunden jedoch ergebnislos abgebrochen wurde. Zu groß seien derzeit noch die Differenzen zwischen den Beteiligten. Der nächste Termin für die Einigungsstelle ist der 24. April 2017. Doch schon in einer Woche, also am 12. April, ist eine Sozialtarifverhandlung angesetzt. Diese ist unabhängig von den Sozialplan-Verhandlungen der Einigungsstelle.




„Falls das Ergebnis der Sozialtarifverhandlungen besser ist als das der Einigungsstelle, kommt für die Gewerkschaftsmitglieder der Sozialtarif zur Anwendung“, berichtet ver.di auf Nachfrage. Dies habe dann auch für die aus anderen Abteilungen zukünftig entlassenen Kollegen Gültigkeit. Teilnehmen werden am 12. April jeweils ein Vertreter des Bayerischen Journalistenverbandes, zwei von den Gewerkschaftsmitgliedern gewählte Mitarbeiter des Kuriers und der ver.di-Vertreter Bernd Bauer.




Doch selbst wenn hier eine Einigung erzielt werden kann, ist dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn das Ergebnis dieser kleinen Elefantenrunde gilt dann nur für die rund 20 gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter beim Kurier. Anders als bei dem erwünschten Übereinkommen durch die Einigungsstelle, denn dies betrifft dann alle 43 Entlassene. „Sollte sich die Arbeitgeber-Seite am Mittwoch nicht von ihrem provokanten Sozialplan-„Angebot“ verabschieden, sind weiter Streiks und Aktionen zwingend erforderlich“, so Bauer. Betroffen wäre dann vermutlich vor allem die Osterausgabe des Kuriers.

 

 

Ersten Kommentar schreiben

Antworten