Misshaltung in Hof: Mehrere Tiere offenbar qualvoll verendet

Foto: nordbayern-aktuell

HOF. Eine Spaziergängerin (31) findet tote Tauben, Hühner und Hasen in einem verwahrlosten Grundstück. Als sie der Sache nachgeht, entdeckt sie in Säcke verpackt auch noch mehrere tote Ziegen. Der Verantwortliche ist den Behörden offenbar kein Unbekannter. Er hatte bereits ein Tierhalteverbot.




Angela Luley (31) aus Hof ist bekannt für ihr ehrenamtliches und couragiertes Handeln im Sinne der Tiere. Ohne jegliche Vereinsbindung kümmert sie sich um herrenlose, verletzte und verwahrloste Tiere rund um Hof. Ihre Fahrt – und Tierarztkosten, die bestreitet sie stets aus eigener Tasche. Dieses vorbildliche Engagement brachte die junge Frau am Samstag (08.04.2017) jedoch an ihre absolute Belastungsgrenze.

Als die 31-Jährige gegen 19 Uhr im Hofer Stadtteil Vogelherd einer augenscheinlich kranken Katze über ein Feld folgte, wurde sie auf einen merkwürdigen Bretterverschlag aufmerksam. Ein offensichtlich verwahrlostes Grundstück weckte ihre Neugier und brachte zugleich zwei tote Tauben zu Tage.




Auf Grund des starken Verwesungsgeruchs, setzte die Tierschützerin ihre Absuche fort und machte eine grausige Entdeckung. Nachdem sie zunächst auf tote Hühner und Hasen stieß, erblickte Angela Luley mehrere blaue Müllsäcke. Als sie diese geöffnet hatte, entdeckte sie auch noch mehrere tote Ziegen. Umgehend lief sie nach Hause, alarmierte Familie, Nachbarn und die Polizei.




Eine lange Vorgeschichte

Bereits im Dezember 2015 wurde seitens der Behörden festgestellt, dass die Haltung in dem Verschlag nicht den tierschutzrechtlichen Anforderungen entsprach. „Die Tiere selbst waren in einem zufriedenstellenden Zustand“, teilte die Stadt Hof auf Nachfrage mit. Der Tierhalter (55) bekam Auflagen und musste die Missstände innerhalb sechs Monate beseitigen. Doch es wurde eher noch schlimmer.

„Da bei einer Kontrolle am 01.06.2016 keine Änderung eingetreten war und ein Tier sich verletzt hatte, wurden die Tiere fortgenommen und bis zum Nachweis einer geeigneten Haltungseinrichtung behördlich untergebracht“, heißt es seitens der Stadt weiter. Nachdem auf dem Gelände ein altes Gartenhaus als Stall hergerichtet worden war und das Veterinäramt dessen Eignung als Haltungseinrichtung bestätigt hatte, mussten die Tiere im Juli 2016 dann aber wieder herausgegeben werden.




Foto: nordbayern-aktuell

„Der Halter wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass dieser Stall für winterliche Temperaturen nachzurüsten ist“. Am 28.12.2016 wurde die Haltung bei moderaten Temperaturen kontrolliert. Die Haltungseinrichtung war nachgerüstet worden und der reduzierte Tierbestand laut Veterinäramt in einem zufriedenstellenden Zustand.




Tiere waren bei Kontrolle offenbar versteckt

Bereits im Januar kam es dann zu erneuten, diesmal heftigen Feststellungen. „Bei erheblichen Minustemperaturen wurde festgestellt, dass die Tiere augenscheinlich entgegen der Auflage seit längerer Zeit nicht mehr versorgt worden waren und es wurden tote Tiere vorgefunden“, so die Stadt. Das einzige überlebende, jedoch erheblich vernachlässigte und leidende Tier wurde beschlagnahmt.

Dabei handelte es sich nach Auskunft der Polizei um ein Schaf. „Die Tiere wurden offenbar allesamt längere Zeit nicht versorgt“, bestätigt Polizeisprecher Mirko Mutterer, von der Polizeiinspektion Hof. Ausschlaggebend sei hierfür vor allem die geschlossene Schneedecke gewesen. „Es waren keinerlei Spuren auszumachen, als die Behörden am Objekt eintrafen“.




Handyfoto: Luley

Der Halter war zu keinen Auskünften bereit. Nicht gegenüber der Stadt, der Polizei oder gar der Presse. Ein sofort vollziehbares Tierhaltungsverbot wurde umgehend erlassen. „Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass hiergegen dann verstoßen wurde“, berichtet ein Sprecher der Stadt Hof. Laut Veterinäramt ist davon auszugehen, dass die aktuell in einem Verschlag vorgefundenen Kadaver zum damaligen Zeitpunkt im Januar bereits dort abgelegt worden waren.

Die Bilder von nordbayern-aktuell und der Tierschützerin zeigen allerdings die von der 31-Jährigen aufgefundenen Ziegen. Und augenscheinlich ohne starken Verwesungsprozess. Hier muss also nochmals geprüft werden, ob vielleicht nicht doch gegen das Tierhalteverbot vertoßen wurde. Laut Polizeisprecher Mutterer wird gegen den 55-jährigen Hofer wegen eines Vergehens nach dem Tierschutzgesetz ermittelt.



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