30 Kilometer lange Verfolgungsfahrt bis nach Tschechien

Foto: Polizei

FURTH IM WALD / DOMAZLICE. Bereits am Karfreitagnachmittag, gegen 13.20 Uhr, wollte eine Schleierfahndungsstreife der Polizeiinspektion Furth im Wald einen VW Golf, mit Zulassung aus dem Landkreis Pfarrkirchen, kurz vor der Grenze nach Tschechien, einer verdachtsunabhängigen Kontrolle unterziehen.  Jedoch missachtete der Fahrer die Anhaltezeichen, zog trotz entgegenkommender Fahrzeuge links an einer Verkehrsinsel vorbei und flüchtete mit überhöhter Geschwindigkeit nach Tschechien.




Die Fahnder der Bayerischen Polizei blieben am Fahrzeug dran und teilten der Einsatzzentrale Oberpfalz sofort einen so genannten „Nacheilefall“ mit. Hierdurch wurden über das Gemeinsame Zentrum der deutsch-tschechischen Polizei- und Zollzusammenarbeit in Schwandorf alle im Grenzgebiet eingesetzten tschechischen Streifen in die Fahndung eingebunden.

Flüchtiger versuchte Polizei zu rammen

Während der Verfolgungsfahrt konnte bereits in Erfahrung gebracht werden, dass der Fahrer offensichtlich nicht im Besitz eines Führerscheines ist und er zudem wegen Betrug mit Haftbefehl gesucht wird. Mehrere Anhalte- und Überholversuche einer Fahndungsstreife verhinderte der 47-jährige Fahrer, indem er versuchte, das Polizeifahrzeug zu rammen.




Nachdem den Beamten auf Grund dieses rücksichtslosen Verhalten klar wurde, dass der Fahrer offensichtlich nicht gewillt war, sein Fahrzeug zu stoppen und zudem reger Feiertagsverkehr herrschte, wurde der Abstand zu dem Verfolgten auf mehrere 100 Meter vergrößert, um eine Gefährdung für die Verkehrsteilnehmer zu minimieren.

30 Kilometer Verfolgungsfahrt

Doch der gesuchte Straftäter setzte seine Flucht unvermindert mit überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Domazlice fort, missachtete dabei rücksichtslos mehrere Überholverbote und rote Ampeln. Kurz nach der Ortschaft Březi, ca. vier Kilometer vor Horšovsky Tyn konnten zwei Fahndungsfahrzeuge der Further Polizei und ein tschechischer Streifenwagen auf den flüchtenden Pkw aufschließen. Ein erneuter Überholversuch auf freier Strecke wurde von ihm wieder mit einem Rammversuch verhindert.




Polizei errichtet gezielte Sperre

Etwa zwei Kilometer nach der Ortschaft stellte die Polizei Domazlice einen Streifenwagen zum Zwecke einer Straßensperre quer. Der Flüchtende fuhr mit ca. 130 km/h ohne zu Bremsen auf die Straßensperre und die Beamten zu und konnte durch eine bewusst offengelassene, sehr enge Gasse durchfahren, um einen Frontalaufprall zu verhindern. Dennoch gelang ihm die Flucht.

Foto: Polizei

Nach insgesamt 30 Kilometer Flucht kam er auf Höhe Horšovsky Tyn offensichtlich durch einen Fahrfehler von der Fahrbahn ab und fuhr sich nach ca. 200 Metern im Feld fest, wo er durch tschechische und bayerische Polizisten festgenommen werden konnte. Er hatte griffbereit ein feststehendes Messer auf dem Beifahrersitz, welches er aber durch das professionelle und umsichtige Handeln der Polizeibeamten nicht zum Einsatz bringen konnte.




Täter klagte über vorgetäuschte Herzprobleme

Der Mann klagte über massive Herzprobleme, weshalb er mit dem Rettungsdienst in Polizeibegleitung in das Krankenhaus Domažlice verbracht wurde. Der Arzt stellte dort fest, dass der Anfall nur vorgetäuscht war. Der geschiedene, arbeitslose Mann war vom Amtsgericht Laufen im März diesen Jahres wegen Betrug zu einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil er im Jahr 2015 im Internet Waren im Wert von mehreren hundert Euro bestellte und nicht bezahlen konnte.




Auslieferung beantragt

Er ist schon seit Jahren nicht mehr im Besitz eines Führerscheines und wurde auch schon mehrfach wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis angezeigt. Die Staatsanwaltschaft Traunstein beantrage noch am Karfreitag einen Europäischen Haftbefehl für die Auslieferung des Täters, welcher derzeit noch in der JVA Pilsen einsitzt.

Durch die mehrfach begangenen massiven Verkehrsverstöße, Widerstandshandlungen gegen Polizeibeamte durch die Rammversuche mittels seines Fahrzeuges und wiederholtem Fahren ohne Fahrerlaubnis, wird er sich in Kürze vor den Gerichten auf deutscher oder tschechischer Seite verantworten müssen.




Zeugensuche

Diese grenzüberschreitende Fahndung hat wiederum gezeigt, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Bayerischen und tschechischer Polizei, auch über die Ländergrenze hinweg, klappt. Verkehrsteilnehmer, die die Verfolgungsfahrt beobachtet haben oder sogar durch das grob verkehrswidrige Verhalten des Flüchtenden gefährdet worden sind, mögen sich mit der Polizeiinspektion Furth im Wald unter Tel. 00973/5040 in Verbindung setzen.




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