Alkoholtests im Winter: Polizei bestätigt eingeschränkte Funktionsfähigkeit

BAYERN. Laut einer Recherche der Bayerischen Rundfunks steht fest, dass Geräte zur Bestimmung des Atemalkohols bei Minusgraden tatsächlich nur eingeschränkt funktionieren. Für Autofahrer ist das dennoch kein Freibrief, zu trinken und sich ans Steuer zu setzen. Reporter24 hat mit Alexander Czech vom Polizeipräsidium Oberfranken gesprochen.




Ein Radiohöhrer aus Wunsiedel in Oberfranken hatte sich bei Bayern 1 gemeldet und sein Erlebnis einer üblichen, routinemäßigen Polizeikontrolle vom Wochenende geschildert: „Die holten den Alkomaten und sagten dann zu mir ‚dass ich Glück hätte, weil bei minus sechs Grad das Gerät nicht funktionieren würde. Mir war das egal, ich hätte sowieso 0.0 geblasen.“

Bayern1 udn Reporter24 war das nicht egal Beide Redaktionen hakten bei Alexander Czech vom Polizeipräsidium Oberfranken nach. Und tatsächlich hat sich bestätigt, dass ähnlich wie Smartphones mache Geräte zur Bestimmung des Atemalkohols bei eisiger Kälte schneller schlapp machen. „Gerade bei Minustemperaturen ist natürlich der Betriebsbereich bei solchen Geräten zu beachten. Sie werden mit Akkus betrieben und auch hier kann es mal vorkommen, dass solche Geräte ausfallen“, so der Polizeisprecher gegenüber Bayern 1.




Gegenüber Reporter24 ergänzte Alexander Czech, dass die Werte generell aber nicht verfälscht werden. „Entweder das Gerät funktioniert, oder es funktioniert nicht“. Das ist jedoch kein Freibrief, sich im Winter betrunken ans Steuer zu setzen. Denn die Polizei kann trotzdem testen, ob der Autofahrer Alkohol getrunken hat.

„Wir haben ja noch andere Geräte auf den Dienststellen. Diese Tests, die wir im Streifenwagen, draußen vor Ort mit dabei haben, das sind so genannte Vortestgeräte, die uns nur einen Anhaltspunkt bieten. Wenn wir den Verdacht haben, dass jemand alkoholisiert unterwegs ist, dann wird er natürlich gebeten, mit zur Dienststelle zu kommen“, so Czech gegenüber dem BR.




Präzisionsgeräte auf den Dienststellen

Und diese Geräte funktionieren, auch wenn es draußen einige Grade unter Null hat. Im Regelfall nutzt die Polizei den s.g. „Evidential“ von Dräger. Eine Fachfirma für medizinische Geräte. Das Gerät sei amtlich zugelassen und geeicht. Deshalb könnten die Gerichte – falls nicht im Einzelfall konkrete Anhaltspunkte für einen Messfehler bestehen oder behauptet würden – grundsätzlich davon ausgehen, dass das Messergebnis zutrifft. So urteilte beispielsweise vor einigen Jahren das Amtsgericht Kronach.




Ein Richter hatte den Betroffenen wegen einer Verkehrsordnungswidrigkeit nach § 24a StVG zu einer Geldbuße verurteilt. Er hatte außerdem ein Fahrverbot verhängt, weil der Betroffene im öffentlichen Straßenverkehr ein Kraftfahrzeug geführt hat, obwohl er 0,40 mg/l Alkohol in der Atemluft hatte. Die dagegen eingelegte Rechtsbeschwerde hatte beim BayObLG keinen Erfolg.

Freiwilliger Test

Das Pusten zur Bestimmung des Atemalkohols ist freiwillig. Wenn die Polizei jedoch den Verdacht hat, dass ein Autofahrer alkoholisiert ist, wird er gebeten, auf der Dienststelle den Alkoholgehalt auf einem gerichtsverwertbaren Gerät testen zu lassen. In letzter Konsequenz kann auch eine Blutentnahme angeordnet werden. Entkommen kann man kaum – und das ist gut so!




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