Nürnber: Mehrere Schüsse auf Tauben

NÜRNBERG. Leider häufen sich in letzter Zeit die Tierrettungseinsätze, bei denen in der Nürnberger Südstadt Tauben aufgefunden werden, die durch Schussverletzungen schwer verletzt wurden. Manche Taube hatte so bis zu drei Druckluftwaffen-Projektile im Körper stecken. Die Tiere fliegen nachdem sie angeschossen wurden mit diesen Verletzungen oft noch weiter, bis sich die Wunden so stark entzünden, dass sie letztlich qualvoll daran verenden.

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Foto: Archiv

Eine Anzeige gegen Unbekannt bleibt in der Regel ohne Erfolg, da die Täter nicht zu ermitteln sind. So bittet der Tierschutzverein Noris alle Tierfreunde um erhöhte Aufmerksamkeit. Sollte ihnen ein Fall bekannt werden oder Sie sogar Augenzeuge einer solchen Tat werden, rufen Sie bitte umgehend die Polizei.

Den Tätern ist sicherlich nicht bewusst, dass es sich hierbei nicht um einen Kavaliersdelikt, sondern sowohl um einen eklatanten Verstoß gegen das Waffengesetz als auch um ein Vergehen nach dem Tierschutzgesetz handelt. Hier sieht der Gesetzgeber hohe Geldstrafen oder sogar eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor.



Tauben – Die Ratten der Lüfte?

Aber warum sind Tauben für viele Menschen so verhasste Vögel und werden oft als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet?“ Wir haben Robert Derbeck vom Tierschutzverein Noris e.V. dazu befragt. „Nun zum einen fürchtet man, das die Taube ein gefährlicher Krankheitsüberträger und damit ein Risiko für den Menschen ist, zum anderen gibt man der Taube die Schuld bezüglich der Schäden an den Gebäudefassaden, die der Taubenkot verursacht“, berichtet der versierte Tierrechtler.

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Foto: Archiv

Ist dem wirklich so? Die Stadttaube ist ein Vogel aus der Familie der Tauben (Columbidae). Sie ist eigentlich kein Wildtier, denn die in der Stadt angesiedelten Tauben sind meist verwilderte Nachkommen von gezüchteten Haustauben. So wurde das „Taubenproblem in den Städten“ vom Menschen selbst geschaffen.

Die von Stadttauben ausgehende Gefahr für die Gesundheit der Menschen ist eher gering und nicht höher zu bewerten als die von anderen Tieren. Eventuelle Parasiten die eine Taube beheimatet sind nicht taubenspezifisch, sondern können ebenso auch bei anderen Vögeln wie z. B. Singvögeln, Greifvögeln und Geflügel vorkommen. Tauben sind nach einer Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts zufolge, selbst für das hochaggressive Influenzavirus vom Typ H5N1 (Vogelgrippe) nicht empfänglich.



 

Nur wenige Gefahren für den Menschen

Infektionskrankheiten beim Menschen durch Tauben (Zoonosen) treten nur selten auf. Tauben ernähren sich von Körnern. Nachdem Stadttauben diese aber in den Städten in der Regel nicht finden, wird von ihnen alles gefressen was sie so in den Abfällen für fressbar halten. Durch die ungesunde und mangelnde Nahrung der Stadttauben, verändert sich die Konsistenz des Kots ins Wässerige (Hungerkot). Der Taubenkot wäre bei gesunder Ernährung eigentlich pH-neutral, jedoch durch die veränderte Konsistenz ist er ein Nährboden für Pilze, die wiederum Säure abscheiden, welche dann letztlich die Gebäudefassaden angreift.

Beschäftigt man sich näher mit diesen liebenswerten Tieren, die mit ihrem Partner in lebenslanger Monogamie leben ist es eigentlich unverständlich, dass sie als „Ungeziefer“ betitelt und so vehement bekämpft werden. Wie kann man dem begegnen? Viele Städte setzen bereits auf ein wissenschaftlich ausgearbeitetes Taubenkonzept und praktizieren dieses mit großem Erfolg.

Die Taubenpopulationen sind dort rückläufig, die Bestände reduzieren sich. In Nürnberg ist man den guten Argumenten gegenüber leider verschlossen. Stattdessen reagiert man mit einem unsinnigen Fütterungsverbot, das Verwaltungsaufwand kostet, Tierfreunde verärgert, Denunziationen zur Folge hat und das „Taubenproblem“ letztlich nicht im mindesten mindert. So fühlt sich sicherlich auch weiterhin mancher Bürger aufgefordert, als selbsternannter „Taubenscheriff“ Selbstjustiz zu betreiben. Eine fatale Schlussfolgerung. (rd/mr)