F16 – Kampfjet abgestürzt: Pilot hatte Bomben und Außentanks abgeworfen

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PREUNERSFELD, LKR BAYREUTH. Tragisches Flugzeugunglück im Wald zwischen Engelmannsreuth und Preunersfeld. Eine riesige Rauchsäule ist zu sehen. Der Qualm soll gifitg sein. Der Raketentreibstoff „Hydrazin“ wurde freigesetzt. Laut Augenzeugen sei zunächst ein „Kampfflugzeug“ über die Region hinweggeflogen. Kurz darauf habe es einen Knall gegeben und es stieg eine riesige Rauchsäule auf. Bislang vier Verletzte.

 



Wie das US-Militär mitteilte, war der Kampfjet vom Typ F-16 am Dienstagmorgen mit fünf anderen Jets vom Stützpunkt Spangdahlem in Rheinland-Pfalz zu einem Übungsflug nach Grafenwöhr (Lkr. Neustadt an der Waldnaab) gestartet. Der Pilot ist mittels Rettungsschirm vor dem Absturz ausgestiegen und wurde leicht verletzt ins Klinikum Bayreuth gebracht. Ob das Flugzeug Waffen an Bord hatte, war zunächst unklar. Dann wurde bekannt, dass sich an Bord der F16 wohl insgesamt sechs Übungsbomben befanden. Die Einsatzkräfte sind mit einem Großaufgebot vor Ort und dürfen sich nur besonders geschützt nähern. Der Brandrauch soll giftig und hautreizend sein. Zwischenzeitlich mussten alle Retter das Unglücksgebiet Hals über Kopf verlassen, weil unklar war, ob die Bomben explodieren können. Kurz darauf war klar: Die Bomben wurden mit den Außentanks zusammen noch vor dem Absturz abgeworfen.

Hochgefährliches Hydrazin an Bord

Nach Informationen von Reporter24 soll es sich bei den Übungsbomben um sechs kleinere Einheiten handeln mit einer Gesamtsprengkraft von 100 Kilogramm. Eine akute Explosionsgefahr kann nicht ausgeschlossen werden. Die Trainingsgranaten sind mit Phosphor bestückt. Unklar ist jedoch, ob sie sich am ausgebrannten Wrack befinden oder irgendwo im Wald. Der aus Trier stammende Pilot hatte vor dem Absturz die Außentanks abgeworfen. Möglicherweise auch die Trainingsbomben. Danach stieg er selbst aus der Maschine. Nun suchen die Einsatzkräfte nicht nur nach den tanks mit über 1.000 Litern Treibstoff, sondern auch nach den Bomben.

An Bord befand sich auch das krebserregende Hydrazin. In welcher Menge es vorhanden war und ob eine akute Umweltgefahr besteht, das klärten  Spezialkräfte der Nürnberger Berufsfeuerwehr. Ein Messtrupp wurde an den Unglücksort hinzugerufen. Am Ende des Artikels haben wir eine technische Erklärung zum Hydrazin erstellt. Um 17 Uhr die Entwarnung: Der Hydranzinbehälter blieb unbeschädigt.

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Foto: Flo Bernt

10:05 Uhr: Drei Rettungshubschrauber im Einsatz
10:07 Uhr: US – Hubschrauber im Einsatz
10:15 Uhr: Angeblich keine Waffen an Bord
10:30 Uhr: Hochgiftiger Rauch. Erste Augenzeugen bereits verletzt
10:41 Uhr: Maschine sebst noch nicht gefunden
10:48 Uhr: Polizeihubschrauber hat das Wrack gefunden
10:53 Uhr: Die Feuerwehr ist unter schwerem Atemschutz im Löschangriff
10:58 Uhr: Absturzursache vermutlich Motorschaden
11:02 Uhr: Bislang vier Verletzte
11:13 Uhr: Akute Exoplosionsgefahr – Übungsbombe im Flugzeugwrack
11:14 Uhr: Sicherheitszone von 1 Kilometer eingerichtet
11:20 Uhr: Übungsbombe hat eine Sprengkraft von 100 Kilo
11:40 Uhr: Unterstützung der Berufsfeuerwehr Nürnberg angefordert
12:20 Uhr: Pilot hatte vor dem Absturz die Außentanks abgeworfen
12:40 Uhr: Die F16 hatte 6 Übungsbomben an Bord
13:00 Uhr: Feuerwehr bestätigt Hydrazin – Unfall / Jedoch ohne Verletzte!
14:00 Uhr: Löschpanzer im Einsatz
15:00 Uhr: Noch immer suchen die Rettungskräfte nach den Außentanks
17:00 Uhr: Entwarnung: Hydrazin-Behälter soll unbeschädigt geblieben sein
17:50 Uhr: Polizei bestätigt: Mindestens ein Tank aufgefunden



 Informationen zu Hydrazin:

Hydrazin ist eine anorganische chemische Verbindung aus Stickstoff und Wasserstoff mit der Summenformel N2H4. Es ist eine farblose, ölige, ähnlich wie Ammoniak riechende, an Luft rauchende Flüssigkeit. Hydrazin verbrennt mit einer kaum sichtbaren Flamme. In den Handel kommt es meist als wässrige Lösung oder als Hydrazinhydrat (H2N−NH2 · H2O).

Aufgrund seiner hochreaktiven Eigenschaften verwendet man Hydrazin vor allem als Raketentreibstoff, der mit den Oxidatoren Distickstofftetroxid oder Salpetersäure eine hypergole Treibstoffkombination bildet. Hydrazin wird nicht nur pur, sondern auch gemischt zusammen mit 1,1-Dimethylhydrazin mit den oben genannten Oxidatoren verwendet. Bekannte Gemische mit verschiedener Konzentration der beiden Bestandteile zueinander sind Aerozin 50 und UH 25. Auch allein wird Hydrazin in Korrekturtriebwerken verwendet, wo es katalytisch zersetzt wird, zum Beispiel auch bei den Voyager-Sonden.

Hydrazin wird als lagerfähiger Treibstoff in vielen Raketen, Satelliten und Raumsonden verwendet. Dies kann zu einer erheblichen Umweltgefahr führen. Außerdem ist es sehr giftig, im Tierversuch krebserzeugend und wirkt hochtoxisch auf Wasserorganismen. Hydrazin wird auch über die Haut resorbiert. Hydrazin hat eine Akzeptanzkonzentration von 0,17 ppb und eine Toleranzkonzentration von 17 ppb nach TRGS 910.

Die Verwendung von Hydrazin in Wasser-Dampf-Systemen (Dampfkesselanlagen und Fernwärmesystemen) unterliegt bereits seit 1991 strengen Vorschriften, die in der TRGS 608 definiert sind. So ist z. B. die direkte Trinkwassererwärmung bei Fernwärmesystemen, die mit Hydrazin konditioniert sind, nicht zulässig, sondern es muss ein Zweikreissystem installiert werden.

Hydrazin ist seit Juni 2011 wegen des Verdachts auf krebserregender Wirkung in die SVHC-Kandidatenliste (Liste besonders besorgniserregender Stoffe) aufgenommen. Dies hat zunächst nur Auswirkungen auf besondere Informationspflichten in der Lieferkette.