Bunker-Prozess: Angeklagter verwickelt sich in Widersprüche

BAYREUTH. Es ist ein Prozess, der auf mediales Interesse stößt. Wie berichtet (Bunkerprozess) steht seit letzter Woche ein Buchhalter aus Himmelkron vor Gericht. Er soll sich einen Bunker gebaut und darin Drogen, Waffen und Geld eingelagert haben. Sogar zahlreiche Rohrbomben konten gefunden werden. An den ersten beiden Verhandlungstagen äußerte sich der 36-Jährige erstmals öffentlich zu den Vorwürfen.

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Der Angeklagte sitzt in Fußfesseln neben seinem Verteidiger Johannes Driendl. Auf den Prozess sind beide bestens vorbereitet. Zahlreiche Koffer und Tüten mit Akten wurden mitgebracht. Foto: Reporter24|Roider

Der selbstständige Buchhalter soll ab 2009 rund 240 000 Euro unterschlagen haben. SeinHauptauftraggeber, ein Elektrobetrieb in Neuenmarkt sei dadurch nur knapp an der Insolvenz vorbeigeschliddert. Das Geld soll der 35-Jährige aus Himmelkron laut Anklageschrift für Baumaterial ausgegeben haben, um sich im Keller seines Wohnhauses einen Bunker zu bauen. Doch diese Vorwürfe wurden zum Teil entkräftigt. Denn das Geld für den Bunkerbau hatte sich der Angeklagte zusammengespart. Rund 100.000 Euro Materialkosten seien für den Bau notwenig gewesen, schätzt eine Tresorfirma aus Nürnberg.

Alleine 77.000 Euro schöpfte der 35-Jährige aber aus angelegten Goldmünzen seines Erbes. Aus seinen Einkünften konnte er nach eigenen Angaben Monat für Monat knapp 1.000 Euro abschöpfen. So kamen hier in den letzten zwei Jahren rund 24.000 Euro zusammen. Mit Zahlen kann der Buchhalter umgehen, er konnte auch jede seiner Aussagen belegen.

Neuenmarkter Elektrobetrieb schwer belastet

Schwere Vorwürfe hegte der Angeklagte gegen eine große Elektrofirma aus Neuenmarkt. Dessen Firmeninhaber hatte bereits 2014 gegenüber Reporter24 angekündigt, dass sich noch ein „großes Verfahren auftun würde“. Damals besuchte ein Reporter das Firmenhaus in Hegnabrunn, weil der Keller nach der großen Überschwemmung meterhoch unter Wasser stand. Doch nun scheint die Sache für den Unternehmer unangenehm zu werden. Der Angeklagte hatte die Anschuldigungen gegen sich nämlich regelrecht zerlegt. Er sollte im Auftrag des Elektrobetriebes Scheinrechnungen erstellen, um dem Inhaber angeblich Barmittel freizugeben, die am Fiskus vorbeigelaufen sind. Demnach sollen teilweise fünfstellige Beträge eines Lieferanten gefälscht worden sein. „Ich durfte 25 Prozent einbehalten, 75 Prozent hatte ich auf ein Kreditkarte gebucht“, schilderte der 35-Jährige den gemeinsamen Plan mit seinem damaligen Auftraggeber. Von der Kreditkarte aus, hätte er die Gelder abgehoben und dann dem Firmenchef übergeben. Demnach hätte es keine Untreue gegeben, vielmehr sei er mitschuldig an diesem Steuerbetrug des Elektrohauses aus Hegnabrunn.

Der Bayreuther Kripo liegen Unterlagen vor, aus denen hervorgehen soll, dass die Scheinrechnungen dem Elektrobetrieb zugegangen sind. Denn Quittungen für die Schwarzgeldabhebungen gab es freilich keine. Der Unternehmer selbst kann der Verhandlung nicht beiwohnen, weil er noch als Zeuge gehört werden soll. Als sein Rechtsanwalt im Zuschauerraum auftauchte, wurde auch er kurzerhand als Zeuge benannt. Die Verteidigung befürchtet, dass der Unternehmer nun kalte Füße habe und vorbereitet sein will. Seit Freitag sitzt nun eine enge Freundin der Familie im Saal. Am Dienstagvormittag muss der Firmenchef dann Farbe bekennen. Seine Vernehmung ist für 8:30 Uhr vorgesehen.



Ein Kilo Cannabis für den Eigenbedarf

Der schwer kranke Angeklagte räumte ein, das knappe Kilo Marihuana in Nürnberg gekauft zu haben. Allerdings wollte er das nicht weiterverkaufen. Vielmehr sei dies für den Eigenbedarf gedacht gewesen. Der 35-Jährige wollte damit seine Schmerzen lindern. Ein Bayreuther Arzt habe ihm das empfohlen, aber nicht verordnet. Deswegen hatte er sich im Musik-Center Trockau durchgefragt, immer auf der Suche nach einem Großdealer. „Ich wollte das Zeug auf einmal haben. Es widerte mich an, grammweise in der Drogenszene unterwegs zu sein“, schilderte er sein Vorhaben. Für 100 Euro Provision sei ihm dann eine Adresse in Nürnberg genannt worden. Dort habe er dann die 971 Gramm für rund 3.800 Euro gekauft. Neben seiner üblichen Medikation, welche hochdosiert zu starken Nebenwirkungen führte, rauchte er zwei mal täglich an zwei Tagen pro Woche das verbotene Gras. „Dadurch konnte ich die Medikation senken und meine Nebenwirkungen nahmen ab.

Waffennarr aus Spaß an der Freude

Während die Angaben zur Untreue und dem Drogenbesitz relativ glaubwürdig und nachvollziehbar waren, verstrickte sich der Angeklagte im Bezug auf seine Waffen immer mehr in Widersprüche. Er habe die vielen Rohrbomben gebastelt, um einen sprengbaren Notausstieg am Bunker zu installieren. Dieser Schutzraum sei aus seinen militärischen Interesse entstanden. Der ehemalige Pionier bezeichnet Waffen und Distanzschießen als sein Hobby. Der Bau des Bunkers sei aus Spaß an der Freude entstanden. Erst nach und nach habe sich die Idee weiterentwickelt. Weil er in der Bauphase bemerkte, dass es wohl in Deutschland und Österreich keine druckfesten Tresortüren geben würde, konstruierte er kurzerhand selbst welche. Beim Einbau in seinen Bunker, gründete er eine Vertriebsfirma, wollte seinen Schutzraum nun vermarkten.

Rollende Bomben auf der Autobahn

Wie berichtet, hatte der Angeklagte bei seiner Festnahme im Dezember 2014 zwei selbst gebastelte Handgranaten im Rucksack mitgeführt. Er sei auf dem Weg Richtung Silberhaus (Fichtelgebirge) gewesen, um die Granaten zurückzubauen. „Die Dinger waren 15 Jahre alt und gefährlich“, teilte er dem Gericht mit. Doch die gefährlichen Waffen hatte er in Österreich gelagert und exportierte sie dann nach Oberfranken. Weil die Granaten durch ihr Alter unberechenbar waren, wollte er sie entschärfen. „Es gab einfach keinen geeigneten Platz, die Teile in Österreich zu entschärfen“, führte er weiter aus. Deswegen wollte er das in einem Steinbruch im Fichtelgebirge machen und transportierte die gefährliche Fracht über die Autobahn. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn das Fahrzeug des 35-Jährigen in einen Unfall verwickelt worden wäre.

Diese Aussage steht jedoch im Widerspruch zu den gefundenen Rohrbomben in Himmelkron. Waren sie doch einst für den sprengbaren Notausstieg im Bunker gedacht, so habe er erkannt, dass diese für einen Sprengring nicht geeignet waren. „Ich habe insgesamt zehn Test-Detonationen durchgeführt, nur einmal hat es geklappt“, berichtete er dem Gericht. Auf die Frage, wo diese Sprengung durchgeführt wurde, reagierte der 35-Jährige zunächst etwas verzögert. Denn das ganze passierte in Österreich. Eben genau dort, wo der Rückbau der Handgranaten zu gefährlich gewesen sei, dort habe er insgesamt zehn Sprengungen durchgeführt. Die Staatsanwaltschaft schenkte den Ausführungen keinen Glauben und geht davon aus, dass sämtliche Granaten und Bomben wohl doch erst gefertigt, statt zurückgebaut wurden.

Der Prozess wird am Montagvormittag fortgesetzt.