„Hobbyfahnder“ bewegen sich auf dünnem Eis

INFO. Immer wieder werden im Internet Vermisstenmeldungen verbreitet und geteilt. Doch nicht immer sind diese Beiträge seriös und aktuell. Immer mehr private Portale und auch ahnungslose Helfer tappen auf dünnem Eis, wenn sie entsprechende Bilder und Suchmeldungen posten. „Die Presse macht es doch auch“ – ist ein oft genutztes Argument. Doch diese professionellen Seiten von Freien Journalisten und Zeitungsportalen unterstehen der polizeilichen Federführung. In enger Abstimmung mit den Behörden werden hier Art und Umfang von Suchmeldungen bestimmt.

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Für die Polizei gilt eine Person als vermisst, wenn sie „ihren gewohnten Lebenskreis verlassen hat, ihr Aufenthalt unbekannt ist und für sie eine Gefahr für Leib oder Leben angenommen werden kann“. Das ist zum Beispiel bei Opfern einer Straftat, bei einem Unglücksfall, bei Hilflosigkeit oder Selbsttötungsabsicht der Fall. Vermisstenfälle gehörten zum polizeilichen Alltag. Insofern habe die Polizei große Erfahrung im Umgang mit der Suche nach vermissten Personen heißt es aus Behördenkreisen. „Je größer die Wahrscheinlichkeit einer Gefahr für die gesuchte Person, desto schneller, intensiver und umfangreicher muss auch die Suche nach ihr sein“. Dass bei einer Suche die Öffentlichkeit eine wichtige Rolle spiele – und „ die überaus schnelle Kommunikation in Sozialen Netzwerken“ erfolgreicher Bestandteil einer polizeilichen Fahndung sein könne – sei unstrittig. Auch durch Reporter24 – Mittelfranken konnte so vor kurzem eine vermisste Person in Erlangen aufgegriffen werden.

Nicht immer wird eine Vermisstenmeldung mit einer Öffentlichkeitsfahndung publiziert. Manchmal werden auch einfach nur keine Bilder veröffentlicht. Die gesetzlichen Bestimmungen hierzu sind sehr streng geregelt. Sollte eine medienwirksame Suche im Internet gestartet werden, so muss diese auch beim polizeilichen Widerruf sofort entfernt oder berichtigt werden. Weil Privatpersonen und deren Portale im Internet im Regelfall keinen Kontakt zu den Polizeidienststellen haben, ist auch ein Widerruf der Suchmeldung oft nicht möglich. Daher sollten diese Aufrufe Hoheitsaufgaben der Pressevertreter bleiben.



Persönllichkeitsrechte müssen gewahrt bleiben

Bei der Suche nach einem minderjährigen Vermissten, können die Eltern selbst natürlich eine solche Öffentlichkeitsfahndung streuen. Doch auch dann sollte dies in Abstimmung mit der Polizei geschehen, damit entsprechende Bilder und Texte auch widerrufen werden können. Leider haben sich aber auch noch nicht alle Medien auf die sozialen Netzwerke eingestellt. Eine geteilte Suchmeldung wird immer sichtbar bleiben. Deswegen muss sie entweder im Ursprungsmedium gelöscht oder geändert werden, damit auch in den Verlinkungen der Beitrag neutralisiert wird.

Bei volljährigen Vermissten ist eine Öffentlichkeitsfahndung noch viel komplizierter. Hier muss ein Richter explizit zustimmen, bevor eine entsprechende Meldung publiziert werden darf. Schließlich müssen konkrete Gründe und Gefahren vorliegen, welche eine solche Veröffentlichung rechtfertigen. Es könnte ja auch sein, dass der oder die Gesuchte einfach nur mal aus dem Alltag fliehen wollte, aber im Vollbesitz seiner geistigen und körperlichen Fährigkeiten ist. Sollten hier dann Suchmeldungen durchs Internet wandern, wie beispielsweise bei der vermissten 18-Jährigen aus Marktredwitz, so kann hier sehr schnell der Schuss nach hinten losgehen. Denn ohne richterliche Anordnung werden die Persönlichkeitsrechte des Betroffenen verletzt.

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Finger weg von Hobbydetektiven

Die „Freiheit der Person“ bedeutet grundsätzlich auch, dass sich jede erwachsene Person bewegen und aufhalten kann, wo sie möchte. Wer sich auf eine „private Vermisstenfahndung“, zum Beispiel in Sozialen Netzwerken als Betreiber oder „Teiler“ einlasse, wenn noch keine polizeiliche Öffentlichkeitsfahndung bestehe, müsse sich selbstständig über die damit einhergehenden rechtlichen Risiken informieren.

Daher gilt: Keine privaten Suchmeldungen teilen sondern auf die offiziellen Polizei – und Presseseiten zurückgreifen. Nur dann bewegen sich alle Beteiligten auf legalem Boden. Natürlich kann die Presse auch direkt bei der Polizei nachfragen, wenn es Unklarheiten zu bestimmten Fällen gibt. Gerne gibt auch Reporter24 hier bundesweit Schützenhilfe (reporter24@outook.de).