Flüchtlinge auf A93 ausgesetzt

WERNBERG-KÖBLITZ. „Personen auf der Fahrbahn“ lauten manche Meldungen aus dem Verkehrsfunk, aber was auf der A93 am Donnerstagabend los war, glich einer Völkerwanderung.

Die Polizei war am Donnerstagabend gegen 21.45 Uhr alarmiert worden, nachdem Gruppen von Flüchtlingen zu Fuß auf der Autobahn angetroffen wurden. Viele der Flüchtlinge blieben einfach auf dem Lastwagenparkplatz und warteten hungrig und durstig in der Kälte. Die insgesamt 59 Männer und Frauen konnten weder für sich noch für die mitreisenden 12 Kinder und 3 Jugendlichen Ausweispapiere vorweisen. Von den Schleusern fehlte am Karfreitag noch jede Spur.

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Die Personen wurden daraufhin bei einem Schnellrestaurant gesammelt, nachdem auch im Stadtgebiet von Wernberg-Köblitz noch Personen aufgegriffen wurden. Die Mitarbeiter unterstützen die Beamten, indem sie den durstigen Flüchtlingen Getränke zur Verfügung stellten. Anschließend wurden die Aufgegriffenen mit Kleinbussen der Polizei und des Technischen Hilfswerkes zum Feuerwehrhaus nach Nabburg gebracht, wo sie sich erst einmal aufwärmen konnten und mit Essen versorgt wurden.
Zwischenzeitlich richteten die Helfer vom Bayerischen Roten Kreuz, der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerkes ein Notlager in der Turnhalle ein, wohin die 74 Personen mit einem Bus des Technischen Hilfswerkes gebracht wurden und die restliche Nacht verbringen konnten. Dazu wurden eigens Feldbetten aus einem Depot herangeschafft. Einige Flüchtlinge mussten nach den Strapazen der Fahrt auch ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Wie die ersten Ermittlungen ergaben, haben die skrupellosen Schleuser die Not der Menschen ausgenutzt und dabei kräftig verdient. An die 10.000 US-Dollar mussten die Flüchtlinge an die Schleuser bezahlen. Für einige der Migranten begann die Reise bereits im Sommer 2014. In Istanbul wurden die einzelnen Personen und Personengruppen zusammengefasst und auf einen Lkw verfrachtet. Während der Fahrt durfte der Lkw nicht verlassen werden. Erst auf der A93 bei Wernberg scheuchte sie der Fahrer vom Lastwagen, ehe er davonfuhr. Viele der Männer und Frauen haben laut ersten Vernehmungen alles verkauft um den Schleuserlohn bezahlen zu können. Einige haben Verwandte oder Bekannte in Deutschland. Erste Kontaktaufnahmen durch bereits in Deutschland lebende Landsleute sind bereits erfolgt.

Einige konnten auch in den Aufnahmestellen nach Regensburg und Zirndorf gebracht werden. Wegen des Verdachts der unerlaubten Einreise übernahm die Bundespolizeiinspektion Waidhaus und Selb die weitere Sachbearbeitung und grenzpolizeilichen Ermittlungen. Sie versuchen vor allem Informationen über die Schleuser zu bekommen.

Insgesamt rund 125 Einsatzkräfte von Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk waren an dem Einsatz beteiligt. (red)